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Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Schlick, Kaspar

deutscher Reichskanzler

* 1396 ca.
Eger/Böhmen

† 1449, 15.07.
Wien

Schlick war Sohn des Egerer Kauf- und Ratsherrn Heinrich Schlick aus ursprünglich vogtländischem Geschlecht (aus dem Gebiet von Plauen und Oelsnitz), das bis in das Jahr 1230 zurückverfolgt werden kann. In Eger ist es zuerst für das Jahr 1390 nachweisbar. Die Herkunft der Mutter Constanze ist ungewiß; es spricht mehr für eine bürgerliche Herkunft aus Eger als für eine – früher behauptete – Abstammung von den italienischen Grafen Collalto. Sohn Kaspar studierte in Leipzig und gehörte 1415 auf der Reise König Sigmunds nach Spanien, Frankreich und England zu dessen Gefolge. Im Folgejahr trat er als Schreiber in die königliche Kanzlei ein. 1422 erscheint er in Urkunden erstmals als Sekretär. 1424 wurde er Notar, 1427 Pronotar und 1429 Vizekanzler.

Als Pronotar und Vizekanzler bestimmte Schlick die Beurkundungstätigkeit der königlichen Kanzlei in weit stärkerem Maße als seine Vorgänger, die als Kirchenfürsten weder die entsprechende Vorbildung noch Hingabe an die Geschäfte mitgebracht hatten. Schlick scheint vom König zu fast allen Beurkundungsangelegenheiten herangezogen worden zu sein, ob es nun Fragen der hohen Politik, der Finanzen des Reiches, des Lehenswesens oder des Strafrechts waren. "Er muß eine unermüdliche Arbeitskraft besessen haben und offenbar auch eine auffallende Begabung für den Beruf eines Kanzleibeamten, so daß er bald seine Gefährten weit übertraf. Es scheint so, daß sich in ihm beamtenmäßige Genauigkeit, aufbauende und gestaltende Tatkraft und Fachwissen zusammenfanden mit frischem Schwung und einer leichten Hand, daß kaufmännisch-wirtschaftliche Klugheit sich mit diplomatischer Geschicklichkeit und staatsmännischem Geiste paarten." (A. Zechel)

So ist Schlick auch an den Verhandlungen Sigmunds mit den Hussiten im Jahre 1429 beteiligt gewesen, die freilich scheiterten. Um die hussitische Gefahr für das Reich zu bannen und Böhmen zurückzuerobern, kam es noch im selben Jahr zu dem Versuch der Bildung einer Allianz des Königs mit Herzog Albrecht V. von Österreich, dem Erzbischof von Salzburg, den Wittelsbachern sowie den Städten Regensburg und Passau, der auf einen Entwurf Schlicks zurückzugehen scheint. Schlick stand dem König in seiner Liebe zu Böhmen in nichts nach. Freilich kam das Bündnis nicht zustande. In den Kämpfen gegen die Hussiten wie in denen gegen die Türken hatte sich Schlick bereits auch als Soldat bewährt, als der er an der Schulter lebensgefährlich verwundet worden war.

Noch während des Hussitenkrieges zog König Sigmund von Nürnberg aus im Herbst 1431 nach Italien, wo er den Reichsfeind Venedig zu besiegen und die Kaiserkrone zu gewinnen hoffte. Noch im selben Jahre wurde er in Mailand mit der lombardischen Krone und am 31. Mai 1433 in Rom zum Kaiser gekrönt. Schlick war im Gefolge Sigmunds und hatte an den Verhandlungen mit Mailand, der Kurie, Venedig, Florenz und Siena sowie dem Basler Konzil, die dem König den Weg nach Rom und zur Kaiserkrönung bahnten, wesentlichen Anteil, über den allerdings die Quellen zumeist keinen näheren Aufschluß gewähren. Er wurde noch in Rom zum Kanzler berufen und, bereits seit 1422 Freiherr, in den Grafenstand erhoben, 1437 Reichsgraf von Bossano. Ebenfalls 1437 heiratete er Agnes, eine dem Königshaus verwandte Tochter des Herzogs Konrad von Oels und Wohlau.

Schlick, der im folgenden an der Lösung der böhmischen bzw. der Hussitenfrage namhaften Anteil hatte, blieb Reichskanzler, als nach dem Tod Sigmunds am 9. Dezember 1437 im südmährischen Znaim dessen habsburgischer Schwiegersohn Albrecht als deutscher König sowie als König von Böhmen und Ungarn gefolgt war. Die Kurfürsten, die das von Kaiser Sigmund betriebene Vorhaben der Reichsreform mit dem Ziel einer Schwächung der königlichen Gewalt und einer Mediatisierung der Städte wiederaufgenommen hatten, versuchten vergeblich, den als städtefreundlich bekannten Schlick aus seinem Amte zu drängen. Nach dem Tode König Albrechts, der am 27. Oktober 1439 einer Ruhrerkrankung, die er sich auf einem Feldzug gegen die Türken in der Theißniederung zugezogen hatte, erst 42jährig erlegen war, bewährte sich Schlicks staatsmännische Kunst. Er konnte es erreichen, daß in Böhmen und Ungarn, wo sich nach dem Tode Sigmunds einheimische Gewalten erhoben hatten, die Thronrechte der Habsburger (freilich unter der Reichsverweserschaft Georg Podiebrads in Böhmen und Johannes Hunyadis in Ungarn) eine formelle Sicherung erfuhren. 1452 wurde Albrechts nachgeborener Sohn Ladislaus Postumus als König von Ungarn anerkannt und 1453 in Prag zum König von Böhmen gekrönt. Freilich starb er hier bereits 1457, wahrscheinlich durch Gift.

Schlick blieb auch unter Kaiser Friedrich III., der zunächst für Ladislaus vormundschaftlich regierte, Kanzler. In dem großen Konflikt der Zeit zwischen dem Papst und der um eine Reform der Kirche bemühten konziliaren Bewegung stand er auf der päpstlichen Seite und bestimmte dementsprechend die Politik des Reiches. Er wie der italienische Humanist Aeneas Silvius de Piccolominibus (der spätere Papst Pius II.), dem Schlick Zugang zur Kanzlei und zum Hof verschafft hatte, betrieben eine Verständigung zwischen Friedrich III. und dem vom Basler Konzil abgesetzten Papst Eugen IV., der 1443 aus seinem Exil in Avignon nach Rom zurückgekehrt war. Als Ergebnis wurde im Frühjahr 1448 das Wiener Konkordat geschlossen.

Schlicks Aufstieg als Bürgersohn zum Reichskanzleramt, das mit ihm erstmals ein Laie bekleidete, war außergewöhnlich. Er empfing hohe Ehren und reiche Belohnungen (nicht nur von seinem kaiserlichen Herrn), sogar Herrschaften als Pfand. In den Genuß seiner Standeserhöhungen kamen auch seine Brüder. Der Vater Heinrich war bereits 1420 zum König unter die Familiares (Hausgenossen) aufgenommen worden. Doch sind die Familienurkunden nicht, wie früher angenommen, von Schlick gefälscht worden. Im Besitze der Bildung seiner Zeit, tat sich dieser auch als Gönner der Gelehrten hervor.

Lit.: Artur Zechel: Studien über Kaspar Schlick. Anfänge/Erstes Kanzleramt/Fälschungsfrage (= Quellen und Forschungen aus dem Gebiete der Geschichte, hrsg. von der Historischen Kommission der Deutschen Gesellschaft der Wissenschaften und Künste in Prag, Bd. 15), Prag 1939.

Bild: Reichsapfel, letztes Viertel des 12. Jahrhunderts. Original in der Weltlichen Schatzkammer Wien.

 

    Peter Mast

 

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