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Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Scholtis, August

Schriftsteller

* 1901, 07.08.
Bolatitz/Oberschlesien

† 1969, 26.04.
Berlin

Ende der sogenannten Goldenen zwanziger Jahre brachte Scholtis das Manuskript seines bereits erwähnten Romans Ostwind nach Berlin. Der Verleger S. Fischer erkannte das große Talent des jungen Dichters und brachte das Werk 1932 heraus. Als weiterer Förderer ist Max Tau anzusehen. Als Lektor des Bruno-Cassirer-Verlages empfahl er den zweiten Roman von Scholtis, Baba und ihre Kinder, der im Hultschiner Ländchen spielt. Dieser Roman wurde hier ein voller Erfolg, auch ins Tschechische übertragen und in der Tschechoslowakei so etwas wie ein Bestseller. Es folgten weitere Werke wie Jas der Flieger (1935), die Erzählungen Schlesischer Totentanz (1938), der Roman Eisenwerk (1939), der Roman Die mährische Hochzeit (1940) sowie die Erzählungen König Friedrich in Kamenz und Die Begegnung. An Bühnen werken kam 1932 bereits das Drama Der müde Krieg in Borodin und 1936 die Komödie Der Kürbis heraus. Im Dritten Reich war seine Schreibweise nicht gefragt, weil sie zuwenig blut- und bodenständig erschien. Scholtis war zudem sehr streitbar und von rückhaltloser Offenheit. So wurde er einige Male verhaftet und verhört, aber immer wieder freigelassen. Im Krieg war er unter anderem Hilfswachtmeister bei der Feuerwehr in Berlin-Spandau. Kurz vor Kriegsende wurde er noch zum Volkssturm eingezogen. Schließlich kam er in amerikanische Gefangenschaft, aus der er bald nach Berlin entlassen wurde.

Nun schrieb Scholtis für Zeitungen und setzte sich mit seinen Erzählungen Die Zauberbrücke (1948) und Die Fahnenflucht aus dem gleichen Jahr mit falschem Heldentum auseinander. Im Jahre 1958 erschienen unter dem Titel Die Katze im schlesischen Schrank seine köstlichen oberschlesischen Erzählungen, und im Paul-List-Verlag kamen 1959 seine LebenserinnerungenEin Herr aus Bolatitz heraus, in denen er, schonungslos gegen sich selbst, sein Erleben ausbreitet.

Im zweiten Band der Geschichte der Literatur Schlesiens schreibt Arno Lubos über ihn: „Scholtis hat wie kaum ein anderer die Menschen seiner Heimat geliebt; es gibt kein Buch und keinen Aufsatz, in dem er sich nicht zu ihnen bekennt.“ Er fühlte sich verpflichtet, seine Heimat immer wieder literarisch vorzustellen. Aber das brachte ihm indessen nicht den Lohn, den er eigentlich verdient hätte. Seine wirtschaftliche Situation war mitunter katastrophal, und die damit verbundenen Sorgen ließen ihn oft genug verbittert erscheinen. Als leidenschaftlicher Zeitungsleser konnte er sich über manche Schlagzeile empören und schrie dabei seinen ganzen Unmut und Protest heraus, wie Freunde berichten. Im Herbst 1961 reiste Scholtis in seine alte Heimat und schrieb die Eindrücke dieser Reise nieder. Es entstand ein Buch, das zur Völkerverständigung aufrief: Reise nach Polen. Als Anerkennung für sein literarisches Wirken wurde er in die Akademien für Sprache und Dichtung in Berlin und Darmstadt gewählt, so wie er auch Mitglied im PEN-Zentrum der Bundesrepublik gewesen ist. August Scholtis starb knapp 68jährig in seiner Wohnung in Berlin-Steglitz. Seine Grabstelle auf dem landeseigenen Friedhof Charlottenburg wird auf Veranlassung des Senats zusammen mit weiteren sechs als Ehrengrab gepflegt.

Aus Anlaß der Neuauflage seines Schelmenromans Ostwind im Jahre 1986 schrieb die Berliner Morgenpost: „Heute hat dieses Buch historischen Wert. Es hält ohne Schönfärberei, ohne Sentimentalität oberschlesische Vergangenheit fest, Sagen und Märchen, Wirklichkeit und Traum. Es ist ein Buch, dessen Held Kaczmarek witzig und voller Bitterkeit, wie Scholtis selbst, durch die Zeitumstände der Jahre nach 1918 und auch etwas durch den vorletzten Krieg wandert …, ein Eulenspiegel mit Schläue und Naivität des einfachen Gemüts, umgeben von einer Landschaft, die von Scholtis in unverwechselbaren Bildern festgehalten wird. Scholtis gelingt es, Oberschlesien zauberisch zu machen, mit Magie zu erfüllen, anekdotisch zu retten vor der Zeit, die alles zerstört hat. Ein Stück deutsche Geschichte ist hier aufgehoben ….“

Lit.: Arno Lubos: Die schlesische Dichtung im 20. Jahrhundert, München 1961.

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