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Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Schubin, Ossip (Aloysia Kirschner)

Schriftstellerin

* 1854, 17.06.
Prag

† 1934, 10.02.
Schloß Koschatek/Böhmen

Ossip Schubin, die ihr Pseudonym nach einer Figur aus einem Roman Turgenjews wählte, verbrachte ihre erste Jugend in großer Einsamkeit auf einem Gut ihrer Eltern in Lochkow in Böhmen. Sie wurde als Sängerin ausgebildet, reiste seit ihrem 18. Lebensjahr viel und verbrachte viele Winter in Brüssel, Paris und Rom. Als ihre Stimme versagte, begann sie zu schreiben. Einigen unbedeutenden Novellen folgte der Roman „Ehre“ (Dresden), der 1884 bereits die 3. Auflage erlebte. Im gleichen Jahr erschien die Novelle „Frühlingstraum* (Augsburg). Insgesamt hat sie mehr als 50 Romane veröffentlicht, von denen viele später in Engelhorns Romanbibliothek erschienen sind. Sie spiegeln das gesellschaftliche Leben aus österreichischen Adels- und Offizierskreisen wieder, wobei oft auch auf künstlerische und kulturelle Fragen und Erscheinungen eingegangen wird. Die Zeitkritik rühmte die Schärfe ihrer Beobachtungen, die kaltblütige Charakteristik der Halb- und Dreiviertelswelt, eine Lebendigkeit der Darstellung der internationalen Reisegesellschaft und eine Sicherheit in der Wiedergabe des gemütlosen, frivolen Tones, in welchem sich diese Gesellschaft gefiel. Ihre Vorbilder waren u. a. Turgenjew, Maupassant, George Sand. Die verfallende österreichische Aristokratie, die europäische Untergangsstimmung erschreckte und faszinierte sie. Der Literaturhistoriker Josef Nadler sagt von ihr: „Ihre zerrütteten Nerven witterten triebhaft den Verfall der Gesellschaft weit voraus.“ Sie prangert die Untüchtigkeit und Lebensfremdheit vieler Künstler an, z. B. in „Boris Lensky“ (1899), und sie beklagt und geißelt die müde Gesellschaft, die sie aber selbst liebt, „sie schwärmt und ist zugleich von Weltschmerz erfüllt“ (Josef Mühlberger). Ossip Schubin lebte gern auf Schlössern, liebte das Dekorative, die Parks, und in allen ihren Dichtungen schwelgt sie in der Darstellung von Farben und Formen, immer wieder klingen musikalische und künstlerische Themen, das Schicksal scheiternder künstlerischer Existenzen an (wie in „Finis poloniae“).

Von ihren vielen Romanen seien genannt: „O du mein Österreich“ (1890), „Toter Frühling“ (1893), „Gebrochene Flügel“ (1894), „Wenn’s nur schon Winter wär“ (1898). Die Romane könnte man als neuromantisch klassifizieren, sie symbolisieren mit ihren mysteriösen, skurrilen, übersinnlichen Bezügen das Herkunftsland Böhmen, wie sie bei Kubin, Meyrink und schließlich bei Kafka spürbar werden: „Unheimliche Geschichten“ (1889), „Vollmondzauber“ (1889) u. a. Nach dem unerwarteten Tode einer Hauptfigur im „Vollmondzauber“, dem plötzlich ein Glas aus der Hand gefallen war, heißt es: „Der Ratlosigkeit der beiden Männer nicht achtend, zündete der alte Diener die Kerze an, stellte sie zu Häupten des Toten, faltete die Hände leise und flüsterte: ,Und da wollen sie behaupten, daß von drüben niemand wiederkommt‘.“ So endet der Roman.

Das letzte Buch der einst viel gelesenen Ossip Schubin erschien 1924 „Der Rosenkavalier“. Sie ist heute nahezu vergessen.

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