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Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Schuch, (Johanna) Caroline

Schauspielerin, Theaterdirektorin

* 1739, 17.04.
Schlesien (?)

† 1787, 08.11.
Königsberg i.Pr.

In der Theatergeschichte Königsbergs und Danzigs nahm Caroline Schuch einen herausragenden Platz ein, auch wenn sie zu Unrecht in der Fachliteratur kaum erwähnt wird. Die vermutlich aus Schlesien stammende Schauspielerin, über deren Jugend nichts bekannt ist, war wahrscheinlich eine geborene Zarger, in erster Ehe mit einem Steinberg, in zweiter mit dem Schauspieler Franz Schuch d. J. (1741-71) verheiratet. Mit ihm stand sie in Berlin auf der Bühne. 1764 trat er, erst dreiundzwanzigjährig, nach dem Tode seines Vaters, Franz Schuch d.Ä., in dessen Rechte, übernahm das 1755 erteilte Generalprivileg für die preußischen Länder und die Leitung der Schuch’schen Schauspielergesellschaft. Dem robusten und wirtschaftlich tüchtigen Prinzipal gelang es in kurzer Zeit, die übernommene Schauspielgesellschaft finanziell wieder in die Höhe zu bringen, so daß ihm das Verdienst zukam, 1765/66 in Berlin einen Theaterbau in der Behrenstraße zu errichten, wo später das berühmte Metropol-Theater stand. Dieses Haus teilte er sich mit Carl Theophil Döbbelin, Prinzipal einer eigenen Truppe. Aufführungen in einem eigenen ständigen Theater waren s.Z. eine Ausnahme.

Schuch schaffte, da der Verfall der Burleske in jener Zeit nicht mehr aufzuhalten war, unterstützt von Döbbelin, den Hans-Wurst ab und löschte damit die letzten Spuren der Stegreifkomödie in Norddeutschland aus. Von Berlin aus unternahm er wochenlang auswärtige Gastspiele, so z.B. 1765 in Danzig. Auf diese Weise kam er auch nach Königsberg, wo er ein theaterfreudiges Publikum vorfand und große Einnahmen verzeichnen konnte. Da hier ein stehendes Theater vorhanden war, blieb er mit seiner Truppe am Ort und bespielte auch regelmäßig Danzig. Dieses Theater hatte Konrad Ernst Ackermann, der sich mit seiner Wandertruppe 1753 in Königsberg aufhielt, begonnen. Er erhielt dafür das Preußische Privileg, den Bauplatz vom König geschenkt und mußte den Bau mit eigenen Mitteln ohne Subvention errichten. Im folgenden Jahr spielte er in Warschau und Schlesien, kehrte über Danzig 1755 zurück und nahm sein eigenes Schauspielhaus in Betrieb. Es war das erste Privattheater Deutschlands. Mit Parkett und zwei Rängen faßte es 800 Sitze. Ende 1756 verließ er Königsberg aus Furcht vor Kriegseinwirkungen (Beginn des Siebenjährigen Krieges).

Das in Königsberg beliebte Singspiel, eine heitere Handlung mit eingestreuten Liedern, entwickelten Franz und Caroline Schuch weiter und bezogen auch das Ballett mit ein, welches jedoch nur kurze Zeit zur Blüte gelangte.

Nach dem Tode ihres Mannesübernahm Caroline die Leitung des Theaters und der Schauspieltruppe (1771-1787), die in hohem Ansehen stand. Caroline, die selbst eine gute und geschätzte Schauspielerin war, gelang es, bedeutende Schauspieler für ihre Truppe zu gewinnen.

Im Winter spielte sie im eigenen Schauspielhaus in Königsberg und im Herbst meist in Danzig. Im Sommer gab sie auswärtige Gastspiele in den größeren Städten Ostpreußens und auf Wunsch des Herzogs Peter von Kurland in Libau und Mitau. Außer gängigen Stücken von Shakespeare, Lessing, Goethe und Schiller spielte sie französische Stücke und pflegte das Singspiel. Bekannte Textdichter aus Königsberg (Ludwig von Baczko) und Danzig (Friedrich Ernst Jester) lieferten ihr die Übersetzungen französischer Stücke und eigene Textbücher.

Ihre Kinder folgten ihr ins Bühnenfach: Karl Steinberg (1757-1811), ihr Sohn aus erster Ehe, übernahm nach dem Tod der Mutter die Königsberger Theaterleitung. Ihre beiden Töchter heirateten zwei Brüder Bachmann. Als das Theater 1802 einem Brand zum Opfer fiel, teilte sich die Truppe in eine ost- und eine west preußische. Friederike und ihr Mann gingen nach Danzig und begründeten die westpreußische Schauspielgesellschaft mit Sitz in Danzig. Sie gab auch auswärtige Gastspiele. Mit dieser Teilung der Schauspieltruppe fand die von Franz und Caroline Schuch gepflegte Theatergemeinschaft Königsberg-Danzig ihr Ende. Der musikalisch begabte Jean Bachmann führte in Preußen die Mozartopern ein.

Caroline Schuch und ihr Mann gehörten in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts zu den führenden Kräften des deutschen Theaters, und Königsberg wurde durch sie zu einer der herausgehobenen deutschen Theater Städte.

Lit.: E. A. Hagen: Geschichte des Theaters in Preußen, Königsberg 1854; Hans Knudsen: Deutsche Theatergeschichte, Stuttgart 1959; Altpreußische Biographie, Band II, Marburg 1967; Eduard Devrient: Geschichte der deutschen Schauspielkunst, Band l, München 1967; Helmut Motekat: Ostpreußische Literaturgeschichte mit Danzig und Westpreußen, München 1976; Chr. Trilse, K. Hammer, R. Kabel: Theater-Lexikon, Berlin 1978; Herbert A. Frenzel: Geschichte des Theaters – Daten und Dokumente 1470-1890, 2. Aufl., München 1984, Hugo Rasmus: Lebensbilder westpreußischer Frauen in Vergangenheit und Gegenwart, Münster 1984.

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