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Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Schwabach, Erik-Ernst (Ernst Sylvester)

Schriftsteller, Publizist, Herausgeber, Mäzen

* 1891, 24.01.
Kronstadt/Siebenbürgen

† 1938, 04.04.
London

Sein Leben gehörte Genüssen aller Art, besonders den literarischen. Er nahm teil an wichtigen Entwicklungen der expressionistischen Literatur,  – sein Mäzenatentum ermöglichte erst eine Reihe bedeutender verlegerischer Unternehmen und Unternehmungen. Und doch ist der Name Erik-Ernst Schwabach so sehr in Vergessenheit geraten, daß er nicht einmal in den einschlägigen Lexika zu finden ist.

Die Biographie Erik-Ernst Schwabachs ist nur bruchstückhaft bekannt. Er war ein Sproß der Bankiersfamilie Schwabach, die verwandtschaftlich und wirtschaftlich mit der Familie und Privatbank Samuel von Bleichröders verbunden war,  – einer Dynastie, die ihre europäische Bedeutung nicht zuletzt der Zusammenarbeit mit Bismarck verdankte. Schwabachs Vater Paul stand seit 1896 an der Spitze der Bank. Dieser Welt der Wirtschaft und Finanzen fühlte sich Erik-Ernst Schwabach wohl primär aufgrund des ererbten Familienvermögens zugehörig, welches ihm ein unbeschwertes Leben erlaubte. Das schlesische Schloß Märzdorf, bei Haynau, nordwestlich von Liegnitz gelegen, und seine Berliner Wohnung in der Tiergartenstraße boten ihm wechselnde Aufenthaltsorte.

In Berlin wurde Schwabach in die Künstlerkreise der 20er Jahre eingeführt, die einerseits die modische Attitüde der Reichen, Literatur als Zeitvertreib zu betrachten, verpönten, die aber andererseits Schwabach als Förderer ihrer Aktionen zu gewinnen suchten. Schwabachs Begeisterungsfähigkeit für Neues und Unbekanntes und seine unmittelbare finanzielle Hilfsbereitschaft wirkten auf Künstler und Schriftstellerwie ein Magnet. Erst später kam Schwabach resignierend zu der bitteren Einsicht: „Denen liegt an meinem Geld mehr als an mir.“

Zu seinen bedeutenden, teils bis heute nachwirkenden Taten zählen die Stiftung des Fontane-Preises und die Herausgabe der Weißen Blätter. Der Literaturpreis sollte die damals wenig gewürdigten Erzähler fördern und wurde bis 2004 verliehen. Die Weißen Blätter profilierten sich unter einflußreichen Mitarbeitern Franz Blei und René Schickele zur bedeutendsten expressionistischen Zeitschrift – wobei Schwabach als Herausgeber repräsentierte und finanzierte, jedoch kaum konzeptionelle Betreuung zu leisten vermochte.

Schwabachs eigene schriftstellerische Entwicklung changiert seinem unsteten Leben entsprechend zwischen den Stilen und Inhalten. Sein Werk spannt einen Bogen von dramatischen Einaktern, Novellen und Romanen (vor allem in den 20er Jahren) bis hin zu Essays, Rezensionen und Rundfunkberichten (vor allem in den 30er Jahren). Ins allgemeine gewendet thematisiert sein literarisches Schaffen Widersprüche in Alltagssituationen. Der käufliche Dichter und der berechnende Liebhaber sind darin ebenso typische Figuren wie der uneigennützige Gönner. Die Handlungsführung, oftmals von magisch-okkulten Elementen begleitet, verläuft einfalls- und spannungsreich. Dabei liest sich sein Werk fast autobiographisch, wenn es beispielsweise in der Novelle Peter von Pier, der Prophet heißt: „Es lebte in der gleichen Stadt ein Jüngling namens Valerius, den sein Reichtum nur freigebiger und liebenswürdiger machte, und der, obwohl er sich Schmarotzer und Beutelschneider vom Halse zu halten wußte, bei allen geliebt undgeachtet war.“

Schwabach betrieb seine eigene publizistische Produktion erst nach inflationsbedingten Vermögensverlusten intensiver. Treffsicherheit und klarer Textaufbau kennzeichnen seinen journalistischen Stil ebenso wie ein aussagestarker Witz, der auf realistischem Nebeneinanderstellen von Alltäglichkeiten beruht. Es mag in einer gewissen inhaltlichen Konventionalität und Schemenhaftigkeit begründet liegen, daß Schwabach keine führende Rolle als Literat spielte. Die Bedeutung für seine Zeit liegt zweifellos in seinem großzügigen Mäzenatentum. Die Zeugnisse seiner Zeitgenossen, die ebenso rar und widersprüchlich sind wie die biographischen Dokumente, zeichnen von Erik-Ernst Schwabach das Bild eines Mäzens, der sich in Ideen und „Späße“ hineinziehen ließ,  – eines Geldgebers scheinbar ohne kulturpolitisches Bewußtsein – des Reichen mit der „schönen, sehr weiblichen Frau“ und dem Märchenschloß … Die Frage, inwieweit dieses Bild eher einer Karikatur gleicht, als es dem tatsächlichen Charakter Schwabachs nahekommt, bleibt zu klären.

Werke (Auswahl): Das Puppenspiel der Liebe, Ein Akt. Leipzig 1914. – Der gutbezahlte Neumann, in: Franz Blei: Das Zaubertheater, Leipzig 1915, S. 107-142. – Peter von Pier, der Prophet. Leipzig 1916. – Kleine moralische Osterbetrachtung (Essay), in: Die Literarische Welt (LW) 6 (1930), Nr. 16/17, Beilage, S. 1. – Geburtenregelung (Aufsatz), in: LW 6 (1930), Nr. 26, S. 5-6. – Conan Doyle (Nachruf), in: LW 6 (1930), Nr. 29/30, S. 9.

Lit.: Ingrid Bode: Die Autobiographien zur deutschen Literatur, Kunst und Musik 1900 bis 1965. Stuttgart 1966. – Wolfram Göbel: Der Kurt Wolff Verlag 1913-1930, in: Archiv für Geschichte des Buchwesens, Bd. 15 (1975), 16 (1976), hier bes. Sp. 666-671. – Kurt Wolff. Briefwechsel eines Verlegers 1911-1963. Hg. v. Bernhard Zeller u. Ellen Otten. Frankfurt a.M. 1980.

Bild: Wolfram Göbel: Der Kurt-Wolff-Verlag (wie oben), Sp. 671.

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