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Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Schwimmer, Eva

Graphikerin, Lyrikerin

* 1901, 19.03.
Gut Kalkstein, Kr. Fischhausen/Ostpr.

† 1986, 15.05.
Berlin

„…Ihre schöne, beschwingte, immer wieder überraschende Arbeit in drei Sparten! – Bei aller zarten Empfindsamkeit und trotz der vielfachen Widrigkeiten des Lebens ist Ihnen eine unzerstörbare Lebendigkeit verblieben, eine Jugendlichkeit, die von Jahren unabhängig ist, da sie vom Geistigen herkommt.“ Der Maler, Kunstschriftsteller und Freund der Künstlerin, Professor Friedrich Ahlers-Hestermann, hat Eva Schwimmer dies zum siebzigsten Geburtstaggeschrieben und wichtige Hinweise auf ihr Schicksal und ihr Werk gegeben.

Zurückgezogen lebt sie, doch vielbeachtet und geehrt, in Berlin. Die Etappen ihres Weges heißen Ostpreußen, wo sie auf dem väterlichen Gut Kalkstein im Kreis Fischhausen zur Welt kam, Königsberg (Lyzeum), Leipzig (Studium an der Akademie für Buchgewerbe, zuletzt als Meisterschülerin bei Professor Soltmann), 1922 Ehe mit dem bekannten Graphiker und Illustrator Max Schwimmer (zwei Töchter), wieder Gut Kalkstein (nach dem 1933 ausgesprochenen Arbeitsverbot), ab 1936 Berlin.

Nach ersten Illustrationsaufträgen für bedeutende Verlage und Ausstellungserfolgen wird sie 1946 Professor an der Hochschule für angewandte Kunst in Berlin-Weißensee. Aber schon vier Jahre danach folgt die Entlassung durch die östlichen Machthaber. Politisch begründet ist auch die Trennung von Max Schwimmer und der Umzug nach West-Berlin. Da lebt sie zunächst von Arbeitslosenunterstützung, erfährt jedoch bald neue Aufträge und Förderungen, erhält Preise, so 1952 den Kunstpreis der Stadt Berlin für Graphik, 1978 die Ehrengabe des Lovis-Corinth-Preises der Künstlergilde.

In ihrer kleinen Dahlemer Wohnung führt Eva Schwimmer ein fast eremitenhaftes Leben. Zwar nimmt sie, soweit es ihre Gesundheit zuläßt, am sich wandelnden aktuellen Kunstschaffen Anteil, bleibt aber in ihre, freilich, bei aller ostpreußischen Heimatverbundenheit, weite, eigene Welt eingesponnen.

Die schmale, zierlich herbe Frau verfügt in ihrer Lyrik, Prosa und vor allem als Zeichnerin über die zartesten Striche, die leisesten Nuancen, besonders, wenn es darum geht, Prosa und Lyrik zu illustrieren. Sie kann aber auch in wenigen Minuten mit kraftvollen Konturen, breiter schwarzer Tinte oder dichter Farbigkeit einen Kopf, eine Menschentype charakterisierend aufs Papier werfen – einfache Menschen aus ihrer Heimat, Berliner Gestalten, Randerscheinungen der Gegenwart –, figurale Szenen aus Mythologie und Bibel, Großstadt oder ostpreußischen Landen. Insgesamt verfügt sie über die Aussagemittel eines frisch und gegenwärtig gebliebenen Expressionismus.

Verletzlichkeit, ja Angst, Wissen um die Abgründe der Zeit und um die Nöte der Einsamkeit beflügeln die Phantasie ihrer kleinen und mittelgroßen, meist dabei monumental wirkenden Blätter. Da gibt es Zeichnungen, die etwas Parabelhaftes, Balladeskes haben. Zeitkritik wird nicht zur Karikatur, sondern zum Konzentrat menschlichen Grundverhaltens. Züge des Vorzeitlichen, Mythischen, auch des Exotischen fehlen ebensowenig wie romantische Lyrismen. Viele beachtliche Gedichte aus eigener Phantasie und Diktion hat sie mit eigenen Zeichnungen umgeben. Man begegnet ihnen seit Jahrzehnten in der „Neuen Zeitung“, der „Welt“, der „FAZ“, der „Zeit“, im „Tagesspiegel“, im „Ostpreußenblatt“. Neben den Zeichnungen und Mischtechniken zeigen figurale Bronzen, künstlerischer Schmuck und Gebrauchsgraphik sowie die bedeutende Reihe von Plakaten für die Berliner Festwochen 1953-1964, wie vielseitig Eva Schwimmers Schaffen ist. „Wir wollen nichts verniedlichen in dieser fragwürdigen Welt.“ Das sagt Eva Schwimmer in ihrem hintergründigen Gedicht „Kriegsende im Himmelbett“. Zwischen Zartheit und Verletzlichkeit, Dynamik und lyrischer Feinheit bewegen sich ihre Zeichnungen und Verse. Sie sind oft unmittelbar aufeinander bezogen. Doch behält auch bei der Illustratorin das Wortgebilde und das zeichnerische Gebilde seinen Selbständigkeitswert, erfährt seine Anschaulichkeit jeweils aus sich selbst heraus.

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