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Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Sigismund

römisch-deutscher Kaiser, König von Böhmen

* 1368, 15.02.
Nürnberg

† 1437, 09.12.
Znaim/Mähren

Sigismund von Luxemburg wurde als 2. Sohn Kaiser Karls IV. in Nürnberg geboren. Kaiser Karl IV. war mehrmals verheiratet, hatte vier Töchter und drei Söhne: Wenzel, Sigismund und Johann. Schon vierjährig wurde Sigismund mit Maria von Anjou, der zweiten Tochter König Ludwigs des Großen von Ungarn verlobt, jedoch unter der Bedingung, daß er von seinem zehnten Lebensjahr am ungarischen Hof erzogen werde. Ludwig der Große (oder Ludwig I.), der 1342-1382 regierte und auch König von Polen war, verband damit die Absicht, seinem künftigen Schwiegersohn beide Kronen zu sichern.

Nach dem Tode Ludwigs des Großen regierte anstelle der minderjährigen Maria die ränkevolle Königinwitwe Elisabeth, eine Bosniakerin. Die ungarischen Stände waren mit ihrem Regiment unzufrieden und warfen beide, Elisabeth und Maria, in den Kerker. Elisabeth wurde erdrosselt, Maria konnte befreit werden. 1382 hatte Ludwig der Große kurz vor seinem Tode in Altsohl (in der heutigen Slowakei) die polnischen Kronbeamten Maria als ihrer künftigen Königin huldigen lassen. Noch im selben Jahr zog das verlobte Paar nach Polen und empfing die Huldigung der polnischen Stände, zu einer Union zwischen beiden Ländern kam es jedoch nicht mehr. Die Polen stellten nämlich die Bedingung, daß Sigismund und Maria in Polen hätten residieren sollen. Statt Maria kam die jüngere Schwester Hedwig auf den polnischen Thron. Doch durch die Heirat 1387 kam Sigismund in den Besitz der ungarischen Krone.

Er wurde am 31. März 1387 in Stuhlweißenburg zum König von Ungarn gekrönt, aber im Hinblick auf seine Gemahlin, die noch im Kerker schmachtete, nannte er sich „regni Hungariae dominus, supremus capitaneus et antecessor“ (Herr, oberster Kapitän und Vorsteher des Königreichs Ungarn). 1396 ernannte ihn sein älterer Bruder, Kaiser Wenzel, zum Reichsvikar. Seine erste Erziehung erhielt er in Nürnberg von den Brandenburgern, die ihn nach Ungarn begleiteten. Die ersten Regierungsjahre Sigismunds waren von innen-, d.h. parteipolitischen Kämpfen erschüttert. Inmitten dieser innenpolitischen Kämpfe raffte sich Sigismund zu einem Feldzug gegen die Türken auf, die über den Balkan, etwa zur Hälfte Ungarns Lehngut, nach und nach Ungarn bedrohten. So kam es am 28. September 1396 unter internationaler Beteiligung zur Schlacht bei Nikopolis, wo das Kreuzfahrerheer wegen eigenmächtigen Vorgehens der Franzosen eine schwere Schlappe erlitt und Bulgarien unter osmanische Herrschaft geriet, wie sieben Jahre vorher (1389) Serbien auf dem Amselfeld der türkischen Macht erlegen war. Sigismund konnte sich auf ein Schiff retten und kehrte erst 1397 nach Ungarn zurück. Königin Maria war schon 1395 verstorben. Nach zehn Jahren Regierungszeit war Sigismunds Ansehen auf Null gesunken. Dazu kamen ständige Geldnöte. Der Gesandte des Herzogs von Mantua berichtete, der Hof Sigismunds sei so arm, daß er den Namen „Hof“ gar nicht verdiene. Die Unzufriedenheit im Lande nahm zu, so daß Sigismund am 28. April 1401 in Ofen, der Landeshauptstadt Ungarns, verhaftet, zuerst in Visegrad (Plintenburg), dann in Siklós (Sieglos) inhaftiert wurde, und man ließ ihn im selben Jahr erst frei, als er eine allgemeine Amnestie verkündete. Die Haftzeit war für Sigismund eine heilsame Lehre. Da der Papst stets die Thronprätendenten unterstützte, erließ Sigismund am 6. April 1404 das Placetum Regium (Königliche Gefälligkeitsverordnung), wonach päpstliche Bullen nur mit königlicher Erlaubnis verlautbart werden durften. Um die Macht des Adels zu schwächen, erbrachte er das Decretum II. Sigismundi ex 1405. Dadurch berief er die Abgeordneten der Städte, Marktflecken und freien Gemeinden in den ungarischen Reichstag. Zum Ausbau seiner eigenen Machtstellung gründete er am 13. Dezember 1408 die „Drachengesellschaft“ (Societas Draconica seu Collegium Draconicum) für verdienstvolle Adelige. Erst nach einer solchen Festigung seiner innenpolitischen Machtstellung konnte Sigismund die großen Ziele seiner Außenpolitik in Angriff nehmen: l) Bannung der Türkengefahr; 2) Kirchenreform und 3) Reichsreform. Zwecks Abwehr der Türkengefahr ließ er an der Unteren Donau Wehrburgen anlegen, deren Verteidigung er dem Deutschen Ritterorden überließ. Zu den Maximen seiner Außenpolitik gehörte auch der Krieg gegen Venedig, und die Türken wollte er mit Hilfe Polens, des Deutschen Ritterordens und des Reiches aus dem Balkan vertreiben. Alleine schon diese Absicht beweist seinen politischen Weitblick. Aber Sigismund ist nicht als Türkenheld in die Geschichte eingegangen, sondern als Kirchenpolitiker und Reichsreformer. Als Sigismund 1410 in Frankfurt zum Kaiser gewählt und in Aachen gekrönt wurde, hatte die Christenheit drei „römische Könige“ und drei „römische Päpste. Aber als größte Schmach empfand man die seit 1378 anhaltende Kirchenspaltung. Ihre Behebung war der größte weltpolitische Erfolg Sigismunds. Auf dem Konzil von Konstanz 1414-1418, das auf Drängen Sigismunds einberufen worden war, wurden die drei Päpste abgesetzt und in der Person Martins V. ein neuer Papst gewählt.

Nach dem Tode Wenzels (1419) erbte Sigismund auch die böhmische Krone. Er wurde erst 1433 in Rom zum Kaiser gekrönt. Er trug fünf Kronen: die des Reiches, Ungarns, Böhmens, Dalmatiens und der Lombardei.

Am meisten fühlte sich Sigismund zu Ungarn hingezogen, das er als sein wirkliches Vaterland betrachtete. Das beweisen seine Lieblingsaufenthaltsorte in Ofen selbst (hier heiratete er im Dezember 1408 in zweiter Ehe die Gräfin Barbara Cilli), dann in Plintenburg, Stuhlweißenburg, Totis (ung. Tata) und Temeschburg. In diesen Städten bzw. Burgen regelte Sigismund viele Reichsangelegenheitenund erteilte Privilegien an Reichsstädte. 1410 gründete er in Ofen eine Universität, deren erster Professor der aus der Kölner Diözese stammende Kanonikus Johannes Wrede wurde, gründete er 1420 die St. Siegmund Pfarrei, woran noch heute die Siegmund Kapelle erinnert, erbaute er in der Burg das grandiose „Frische Palais“ (1423-1432).

Auf der Synode von Basel (1433/34) führte er den Vorsitz, wodurch es ihm gelang, ein neues Schisma zu verhindern. Sigmund lebte im ausgehenden Mittelalter, das eine Zeit gewaltigen geistigen Umbruchs in der Kirchengeschichte war. Huß und sein Vorbild, der Engländer Wiclif, waren Vorboten der Reformation. Sigismund selbst war eine zwiespältige Natur. Im allgemeinen werden nur seine nachteiligen Charakterzüge, wie Lebenslust, auslassene Fröhlichkeit hervorgekehrt. Nicht weniger seine unberechenbare, ungestüme Natur. Dagegen hat Sigismund seine persönliche Tapferkeit oft unter Beweis gestellt. Als Feldherr hatte er weniger Glück, aber in der Diplomatie war er ein großer Meister. Außer in Ungarn konnte er sich mit seinen Völkern nicht befreunden. In Konstanz trat er in ungarischen Kostümen auf. Den Deutschen gegenüber verhielt er sich gleichgültig, und die Tschechen haßte er. Den Reichsfürsten schleuderte er ins Gesicht: Sie könnten sich einen anderen Kaiser wählen; ihm genüge Ungarn. Sein Scharfblick erkannte, daß Kirche und Reich in capite et membris (in Haupt und Gliedern) reformiert werden müssen. Allein diese Erkenntnis fächert ihm einen Platz unter den Großen der deutschen Geschichte.

Sigismund litt zeitlebens an Gicht. Ende 1437 weilte er in Prag und fühlte sein nahes Ende. Er ließ sich nach Ungarn, nach Großwardein, bringen, um dort zu sterben und neben seinem Ritterideal, Ladislaus dem Heiligen oder Ladislaus I. von Ungarn, beigesetzt zu werden, wo auch Königin Maria bestattet worden war. Aber der Zug kam nur bis Znaim an der Thaya. „Er ließ sich seinen kaiserlichen Ornat anlegen. Mit allen Insignien der Herrschaft umgeben und auf dem Thron sitzend, erwartete er seine letzte Stunde“, schreibt der Chronist. Das war am 9. Dezember 1437, in seinem 50. Regierungsjahr.

Bekannt ist das Bildnis Dürers von Sigismund. Seine Totenkrone aus dem Grab in Großwardein befindet sich im Ungarischen Nationalmuseum .

Lit.: Über Kaiser Sigismund liegen viele Einzelarbeiten vor. Die Voraussetzung dazu schufen die zeitgenössischen Chroniken und Historien, vor allem die „Historia Sigismundi Imperatoris“ seines Biographen Eberhard Windeck aus Mainz, ergänzt durch die Chroniken und Historien von Ebendorfer, Aeneas Sylvius (Vita Sigismundi), Ranzanus, Bonfinianus, Johannes Longinus, Cuspinianus u. a. „Die Geschichte Kaiser Sigmund’s“ von Joseph Aschbach (Frankfurt) in vier Bänden ist heute noch unübertroffen. Sie erschien 1838-1845 in Hamburg bei Friedrich Perthes. – Eine moderne Biographie stammt von Elmar Mályusz („Majus“):Die Regierung König Sigismunds in Ungarn. (Mályusz Elemér: Zsigmond király uralma Magyarországon). Mit einem sehr reichen Literaturverzeichnis. Budapest 1984. Mályusz gab auch ein Diplomatarium Sigismundanum heraus.

Bild: Kolorierter Holzschnitt in der Chronik des Konstanzer Konzils von Ulrich Richenthal, 1482. Basel, Universitätsbibliothek (Ausschnitt)

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