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Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Stanietz, Walter

Schriftsteller

* 1907, 31.08.
Kattowitz/Oberschlesien

† 1965,13.05.
Kritzenast

Das Unglücklichsein über den Verlust der Heimat wird nicht zuletzt mit dazu beigetragen haben, dass Walter Stanietz nach 1945 mit keinem größeren Werk mehr so hervorgetreten ist, wie man es seinen bisherigen Erfolgen gemäß von ihm erwartete. Das schon über tausend Seiten umfassende RomanmanuskriptEinsam geht die Straße, worin sich schlesisches Schicksal von den zwanziger Jahren bis zum Kriegsende widerspiegelte, legte er kritisch beiseite.

Mit Oberschlesien, dem Land seiner Kindheit, wo er am 31. August 1907 in der aufstrebenden Industriestadt Kattowitz geboren wurde, fühlte er sich auch dann noch verbunden, als die Eltern während seiner Schulzeit nach Landeshut in Niederschlesien umgezogen waren. Dem immer unruhigen Walter Stanietz behagte der nicht gerade vom Erfolg begleitete Gymnasialbesuch dort ebenso wenig, wie die auf Veranlassung des Vaters aufgenommene kaufmännische Tätigkeit in Glogau.

Manche Begegnungen, wie die mit dem Grüssauer Benediktinerprior Prof. Dr. Justinus, mit Gerhart Hauptmann, Eindrücke einer Wanderbühne und seine Fahrten nach Italien mögen für seinen weiteren Werdegang bestimmend gewesen sein. Durch die gute Aufnahme seines ersten dramatischen Versuchs Die Grunderts, welche 1935 in Bochum uraufgeführt wurden und die Annahme des Dramas an 28 weiteren Bühnen, wurde ihm seine Berufung bewusst und so ließ sein nächstes Bühnenwerk,Der Bauernkanzler, welches Geschehnisse des Bauernkrieges zum Thema hat, nicht lange auf sich warten. Im Jahre 1936 wurde es zu gleicher Zeit an denBühnen in Münster, Königsberg und Breslau uraufgeführt.

Anfangs in Prerow an der Ostsee wohnend und dann in Berlin sich aufhaltend, kehrte Walter Stanietz heim nach Schlesien, wo er in einem eigenen Haus in Steinseiffen in der Nähe von Krummhübel im Riesengebirge die für sein Schaffen maßgebliche Bleibe fand. Hier schrieb er nun die KindertragödieDas Kind Gustel, das SchauspielDer Weg der Marie Tschenscher, welches 1936 am Alten Theater in Leipzig zur Uraufführung kam und Aufführungen an über 30 Bühnen erleben sollte, wie z.B. die am Hamburger Staatstheater. Sein DramaDie Mutter wurde 1938 in Mannheim uraufgeführt und ging über 90 Bühnen. Nicht zuletzt kam es auch zur Aufführung in französischer Sprache in Paris. Die Gestalt der „Mutter“ wurde damals von nahezu allen namhaften deutschen Schauspielerinnen verkörpert. Selbst das weniger bekannt gewordene SchauspielJohann Hesse wurde an zwanzig Theatern aufgeführt.

Sein erstes Prosawerk legte Stanietz mit dem 1940 bei S. Fischer erschienenen BauernromanDas Tägliche Brot vor, der auf Erlebnisse des Dichters im schlesischen Bauernhof seiner Großmutter zurückzuführen ist und in seiner Gesamtauflage eine halbe Million erreichte. Prof. Nadler bezeichnete diesen Roman als „das klassische Buch der bäuerlichen Arbeit“. Er kam auch als Sonderausgabe bei der Deutschen-Buch-Gemeinschaft heraus und es erfolgten Übersetzungen ins Russische und Holländische. Kurz danach erscheinen im Schlesien-Verlag Erzählungen unter dem Titel Der grausame Berg, wo außer der Titelgeschichte die ErzählungenDer Christ in den Bergen und Die Brüder und die Magd vorzufinden sind.

Als Dramatiker erlebte Stanietz mit der 1941 geschriebenenBallade am Strom, welche als Schauspiel mit dem Titel Katrin eine Inszenierung durch Heinrich George erfuhr und 1943 am Schiller-Theater in Berlin uraufgeführt wurde, einen beachtlichen Erfolg. Außer Heinrich George wirkten die bekannten Schauspieler Berta Drews, Horst Caspar und Ernst Schröder mit. Das Werk dürfte auch die Verleihung des Oberschlesischen Kulturpreises mit bewirkt haben.

Nach dem Krieg blieb Walter Stanietz zunächst in dem inzwischen von den Polen besetzten Schlesien, wo ihn die Polnische Miliz eines Tages einsperrte. Auf die Fürsprache von Gerhart Hauptmann hin, der seinen literarischen Werdegang mit großer Aufgeschlossenheit verfolgte und sich oft genug zu seinem Werk lobend äußerte, wurde er aus dem Gefängnis entlassen. Nach dem Tode seines großen Vorbilds war der Dichter einer der Mitfahrenden des Gerhart-Hauptmann-Sonderzuges nach Dresden.

Stanietz gelangte schließlich in den abgelegenen Ort Kritzenast im Bayerischen Wald. Für sein DramaDie Brüder, welches er 1943 noch daheim geschrieben hatte, wurde er 1954 mit dem Adalbert-Stifter-Preis ausgezeichnet, doch kam es nicht zu einer Aufführung. In der 1959 erschienenen AnthologieZauber Schlesiens – Schlesische Meistererzählungen wurde seine eindringliche Erzählung Der grausame Berg noch einmal veröffentlicht.

In seinem letzten Lebensabschnitt beschäftigte Stanietz, womöglich bedingt durch jenes„schlesische Getuppeltsein“, besonders ein gewisses Zu-Ende-Denken, was im Diesseitigen schon das Jenseitige in Betracht zieht. Nicht zuletzt vielleicht auch durch seine Verbindung mit dem indischen Philosophen Yogannanda. Sein Schaffen kreiste in Meditationen, Aufsätzen und Erzählungen um letzte Fragen des Seins. Das fand nach seinem Tod, er starb am 13. Mai 1965 an einem Herzinfarkt in Kritzenast, in seinem letzten von ihm erschienenen Buch Vom Paradies des Menschen beredten Ausdruck. ImHinblick auf sein beachtliches Werk sollten vor allem die Schlesier dieses Dichters gedenken, dem in der schlesischen Literaturgeschichte ein entsprechender Platz zukommt.

Bild:Privatarchiv des Autors.

 

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