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Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Steinwand, Eduard

Theologe

* 1890, 21.07.
Odessa/Rußland

† 1960, 17.02.
Erlangen

Der Theologe Eduard Steinwand, 1950-1958 Professor der Praktischen Theologie und der Theologie des christlichen Ostens an der Universität Erlangen, wurde am 21. Juli 1890 in Odessa als ältester Sohn des damaligen Leiters der Zentralschule in Neusatz auf der Krim geboren. Seine Vorfahren stammten aus Dürrmettstetten bei Horb am Neckar; sein Taufpate war der bekannte Evangelist Samuel Keller, damals Pastor in Neusatz. Nach häuslichem Unterricht besuchte er die Zentralschule in Neusatz (1903-1907), war 1907/08 Volontär in der Maschinenfabrik eines Onkels in Odessa. Im Jahre 1908 ging er nach Dorpat, wo er bis 1912 das Privatgymnasium von Rudolf von Zeddelmann besuchte. Er studierte 1912 Medizin und 1913-1916 Theologie an der Universität in Dorpat, wo er der studentischen Verbindung „Teutonia“ angehörte, und kehrte anschließend in den Süden Rußlands zurück.

Nach einem Probejahr in Hochheim auf der Krim war er 1918-1919 Pastor in Eugenfeld (Gouvernement Taurien), 1920-1925 Lehrer und 1922-1925 Leiter der Zentralschule in Neusatz als Nachfolger seines Vaters. Im Sommer 1924 gelang ihm, nach schweren Jahren in Rußland, die Ausreise aus dem bolschewistisch gewordenen Lande. Er kehrte nach Dorpat , wo er am 23. September 1924 Marie Rathlef, die Tochter eines Pädagogen, heiratete. Von 1925-1939 war er Lehrer an A. Walters Dorpater Deutschem Privatgymnasium, dessen Mädchenabteilung von seiner Frau geleitet wurde. Er hielt 1927-1931 Vorlesungen am Dorpater deutschen Theologischen Verein und war seit 1931 Dozent für Praktische Theologie an der Lutherakademie, sowie seit 1927 Mitarbeiter von Pastor Oskar Schabert in der Baltischen Rußlandarbeit seit 1936 deren Leiter, und 1936-1939 Herausgeber der Monatsschrift „Evangelium und Osten“. In Anerkennung seiner Rußlandarbeit wurde ihm von der Theologischen Fakultät der Universität Breslau 1927 die theologische Ehrendoktorwürde verliehen.

Nach der Umsiedlung der Deutsch-Balten im Jahre 1939 war Steinwand von 1940-1942 stellvertretender und 1943-1949 ordentlicher Pastor an der St. Marcus-Kirche in Hannover und 1941-1949 Beauftragter für die katechetische Arbeit in der Landeskirche in Niedersachsen. 1950 folgte er einem Ruf als Ordinarius der Praktischen Theologie und der Theologie des christlichen Ostens an die Universität nach Erlangen, wo er bis zu seiner Emeritierung im Jahre 1958 gelehrt hat und 1951-1960 auch Vorsitzender der westlichen Zentralstelle der Leipziger Mission und seit 1952 auch Stadtrat von Erlangen war. Er starb in Erlangen am 17. Februar 1960 im 70. Lebensjahr.

Eduard Steinwand veröffentlichte „Der Heilsweg. Arbeitshilfen für die Darlegung der Heilsgeschichte in der christlichen Unterweisung“ und „Lasset uns aufsehen auf Jesum. Arbeitshilfen für den biblischen Unterricht“, Passionsandachten (1958). Es folgten „Glaube und Kirche in Rußland“ (Gesammelte Aufsätze, herausgegeben von M. Steinwand und K. Gramer, 1962) und „Seelsorge und gelebter Glaube“ (Gesammelte Aufsätze, herausgegeben von M. Seitz, 1964).

Lit.: Deutsch-baltisches biographisches Lexikon 1710-1960 (Köln/Wien 1970); Eduard Steinwand zum Gedächtnis, hrsg. von K. Gramer und M. Seitz (Hannover 1960, 44 S.); „Marie Steinwand. Meine Schulerinnerungen aus Dorpat“, hrsg. von Georg von Rauch (Hamburg 1968, 108 S.)

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