Kulturportal
Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Theuerjahr, Heinz

Bildhauer

* 1913, 18.07.
Stolp/Pommern

† 1991, 03.05.
Waldhäuser/Bayr. Wald

Nicht nur die Liebe des Künstlers Heinz Theuerjahr aus Stolp gehört dem Tier, sondern auch sein gesamtes bildhauerisches und druckgrafisches Werk. Seine innere Auseinandersetzung mit dem freien und behüteten Tier geht bis in Theuerjahrs Jugend auf pommerschen Gütern zurück und auf Besuche im Zoo. Seit den sechziger Jahren sucht er die Tiere auf Afrikareisen (Kenia, Tanganyika, Uganda, Sudan, Ägypten, Westafrika, Zentralafrika, Sahara, Südwest- und Nordafrika) auf, vorher schon im Bayerischen Wald, wo er seit dem Kriege lebt.

Seine Zeichnungen und Holzschnitte, vor allem aber seine Holzdkulpturen (Nuß- und Birnbaum, Lindenholz, Mooreiche) und Bronzeplastiken verraten einen überaus konzentrierten, knappen Stil, so knapp wie sein Briefstil und seine Texte. Aus einem Brief, den Theuerjahr mir vor Jahren schrieb, zitiere ich: „Ich bin am 18.7.13 in Stolp geboren. Mein Vater war Leiter der dortigen Oberlandzentrale im ‚Grünen Weg‘. Ich besuchte die Stephan-Oberrealschule und machte dort das Abitur. 1933 wurde mein Vater nach Stralsund versetzt. Ich war damals schon in Berlin und studierte an der Staatl. Hochschule für Kunsterziehung, nachdem ich vorher zwei Jahre auf pommerschen Gütern meine Lehrzeit als Landwirt durchgemacht und mit Abschluß vor der damaligen Landesbauernschaft beendet hatte. 1938 machte ich mein Examen in Berlin und ging dann ein Jahr lang nach Italien. Das wurde für mich durch die Bekanntschaft mit dem Maler H. J. Staude ein sehr wichtiges Jahr, denn dieser Mann zeigte mir den Weg, den ich bis heute verfolgte. Als ich in Florenz war, begann der Krieg. 1939 wurde ich eingezogen und ein Jahr später wegen Krankheit entlassen … Nach meiner Entlassung vom Militär siedelte ich mich in Waldhäuser an und begann nach meiner Art zu arbeiten.“ Zum Wesen seiner Tierplastiken, von denen etliche als Kunst am Bau an Schulen und Amts- und Regierungsgebäuden, auf Plätzen und an Brücken Aufstellung gefunden haben: in Passau und Regensburg, Grafenau, Vietach, Pfarrkirchen, Landau, Weiden, Zwiesel, Landshut, Neumarkt und – die zweieinhalb Meter hohe Freiplastik aus Chrom-Nickelstahl – auf dem GRUGA-Gelände der Essener Bundesgartenschau, kam der Künstler über die strenge Abstraktion. Die Liebe zu Tieren in Afrika ließ ihn diesen Kontinent oft aufsuchen; doch auch die altägyptischen Bildwerke mit ihren das Auge und den Tastsinn ansprechenden reduzierten Formen, brachten ihm Anregung. Die gejagten Gnus, das frierende Huhn, die schleichende Katze, der ruhende Löwe, die leicht-schwebenden Vögel und immer wieder Affen in verschiedenen Stellungen und viele, viele andere Tiere wurden von Theuerjahr in meist bewegten Silhouetten, stets aber in abstrahierten Formen dargestellt.

„Mit 70 wächst man eigentlich ein wenig aus der Kunstszene heraus, auch wenn man, wie ich, wohl niemals ganz dazu gehört hat“, reagierte Heinz Theuerjahr auf meine Geburtstagswünsche vor fünf Jahren. Sicherlich zu bescheidene Worte. Obgleich zugegeben werden kann, daß dieser Künstler – anders als z.B. Gerhard Marcks und Ewald Mataré, die allerdings nicht ausschließlich Tierbildner waren – vornehmlich im vom Kunstbetrieb abgelegenen süddeutschen Raum zu Hause ist und dort seine Anerkennung gefunden hat. (Kulturpreis von Niederbayern 1971, Ehrenbürger der Gemeinde Neuschönau 1979, Ehrenmitglied des Kunstvereins Passau). Theuerjahr zog es nicht in die Kunstmetropolen, er blieb – sofern er nicht gerade in Afrika war – in der Einsamkeit des Bayerischen Waldes. Das ändert nichts an der Tatsache, daß er zu jenen seltenen Bildhauern gehört, die das Tier in seinem Wesen erfaßt und gleichzeitig die Bildhauerei als eine körperhaft-plastische Kunst verstanden haben.

Lit.: „Zwischen Waldhäuser und Afrika“, Grafik, Plastik und Texte von H. T., Verlag Morsak, Grafenau 1973 — Hans Vollmar: Internationales Künstlerlexikon, Leipzig 1962 – Bruckmann: Lexikon der Gegenwartskünstler, München 1956/57 – „Kunst und das schöne Heim“, München (1/1952 und 1959) – Sigrid Dittrich: „Zwischen Waldhäuser und Afrika“, in: „Der Zoofreund“, Hannover 57/1985 – Günther Ott: „Künstlerprofile I – Im Osten geboren – im Westen Wurzeln geschlagen“, Walter Rau Verlag, Düsseldorf 1980 – E. L. Biberger: „Was ist hier Schilf – was Reiher“, 1984.

Wünschen Sie Änderungen oder Ergänzungen? Dann schreiben Sie uns dies bitte mit Angabe der betreffenden Person.