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Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Trunz, Erich

Germanist

* 1905, 13.06.
Königsberg i.Pr.

† 2001, 27.04.
Kiel

Erich Trunz wurde als Sohn von August Trunz, Generalsekretär des Landwirtschaftlichen Zentralvereins in Allenstein, und seiner Ehefrau Helene, geb. Fähser, geboren. Nach der Vorschule besuchte er von 1915 bis 1925 das Humanistische Gymnasium zu Allenstein. Danach studierte er Germanistik in München, Berlin und Königsberg, ab viertem Semester dauernd in Berlin. Sein wichtigster akademischer Lehrer war Julius Petersen (1878-1941). Von 1931 bis 1933 war er Assistent an der Universität Berlin, dann zwei Jahre Lektor in Amsterdam und von 1936 bis 1939 Dozent in Freiburg i. Br., wo er sich 1938 habilitierte. Ab 1940 bis Kriegsende wirkte er als Ordinarius an der Deutschen Universität in Prag. Zeitweilig war er zur Wehrmacht eingezogen. Von 1950 an lehrte er in Münster (ab 1955 als ordentlicher Professor) und von 1957 bis zu seiner Emeritierung im Jahre 1970 in Kiel. Mit seiner Dissertation über den Königsberger Geistlichen Dichter Ambrosius Lobwasser (abgedruckt in den Altpreußischen Forschungen 9, 1932), Abhandlungen über die Entwicklung des Alexandriners sowie den Späthumanismus um 1600 als Standeskultur der Gelehrten gelangen ihm Arbeiten, die auch noch für die heutige Barockforschung von Bedeutung sind. Später hat Trunz daran angeknüpft und in ausführlichen Nachworten zu photomechanischen Neudrucken von Werken des Martin Opitz und Johann Matthäus Meyfart deren geistige Bedeutung und literarische Wirksamkeit herausgearbeitet (in: Deutsche Neudrucke, Reihe Barock).

Als Goetheforscher genießt Trunz über die Grenzen seines Faches hinaus großes Ansehen, das er besonders seiner Ausgabe von Goethes Werken (nach dem ursprünglichen Verlagsort als “Hamburger Ausgabe” bezeichnet) verdankt, die er nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs plante und von 1948 bis 1960 veröffentlichte. Sie umfaßt die Werke (in vierzehn Bänden) und wird ergänzt durch eine Briefsammlung (vier Bände, 1962-1967) und eine Auswahl von Briefen an Goethe (zwei Bände, 1965-1969). Diese Ausgabe wird von der Editionswissenschaft als “Ausgabe, die durch die gelungene Kombination von philologischen und erläuternden Beigaben zum Vorbild für den Typ der modernen Studienausgabe geworden ist” charakterisiert (Handbuch der Editionen, S. 190). Als Leseausgabe bietet sie dem Wissenschaftler einen zuverlässigen Text, dem Goetheliebhaber Ergebnisse der Spezialforschung und beiden ausführliche Kommentare, die ihnen Gestalt und Gehalt der Werke und ihres historischen Hintergrundes erschließen. Die Gedichte, den Werther und den Faust, die Wilhelm-Meister-Romane und Dichtung und Wahrheit hat Trunz selbst bearbeitet; für die übrigen Bände konnte er kompetente Goetheforscher gewinnen wie Lieselotte Blumenthal, Herbert von Einem, Wolfgang Kayser, Dorothea Kuhn, Josef Kunz, Waltraud Loos, Carl Friedrich von Weizsäcker und Benno von Wiese. Darüber hinaus hat er Goethe und seinem Werk zahlreiche Abhandlungen gewidmet (u.a. Weimarer Goethe-Studien, 1980). Weiterhin erwähnt seien seine Editionen und Forschungen zum Kreis von Münster (um Fürstenberg und die Fürstin Gallitzin) und zur Geschichte des westfälischen Geisteslebens im 18. Jahrhundert. Zu seinen Ehren wurde im Sommersemester 1980 an der Universität Kiel eine Ringvorlesung über Goethe veranstaltet und eine ihm gewidmete Festschrift herausgegeben. Sie enthält ein Verzeichnis seiner Veröffentlichungen, der von ihm herausgegebenen Editionen und Buchreihen und eine Liste der bei Erich Trunz angefertigten Dissertationen.

Lit.: Kürschners Deutscher Gelehrten-Kalender. Berlin (diverse Ausgaben). – Studien zur Goethezeit. Erich Trunz zum 75. Geburtstag. Hrsg.: H.-J. Mähl, E. Mannack. Heidelberg 1981 (mit Bild). – Handbuch der Editionen. Deutschsprachige Schriftsteller Ausgang des 15. Jahrhunderts bis zur Gegenwart. Bearb.: W. Hagen, I. Jensen, E. Nahler, H. Nahler. Berlin 1979.

Bild: E. Trunz zum 75. Geburtstag (s.o.).

Harro Kieser

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