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Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Volwahsen, Herbert

Bildhauer

* 1906, 11.10.
Schellendorf/Schlesien

† 1988, 23.03.
Murnau/Bayern

Der bedeutende Bildhauer und Graphiker Prof. Gerhard Marcks aus Berlin schrieb 1977 an seinen schlesischen Kollegen Prof. Herbert Volwahsen: „… Sie haben Darstellung und Ausdruck mit dem Architektonischen überzeugend vereint, d. h. Sie sind unserem Grundproblem nachgegangen, ohne Kompromisse. Sie sind immer lebendig geblieben. Das ist unverlierbar …“. Und Volwahsen bedeutete, daß ihm das „Sich-selbst-Kopieren“ nicht läge. Er wiederhole sich nicht, da ihm die „ewige Variation“ Freude bereite.

Auf die Bewegungen und Gesten und formale Gestaltung seiner Werke angesprochen, erinnerte sich der Künstler an die Begegnungen mit der berühmten Mary Wigman in Dresden: „In ihrer Tanzschule wurde mir erst das Gesetz der körperlichen Bewegung in vollem Ausmaß bewußt. In diesem Sinne sollen das Bewegungsmotiv und der Formablauf einer Plastik kongruent sein.“ Das verraten seine Rundplastiken „Balance“, „Bewegung“, „Spähende“, „Fußwaschende“, „Rückblickender“, „Schlittschuhläuferin“, aber auch „Sitzender Jüngling, „Statische Figuren“ und „Kleiner sitzender Hirte“.

1906 im schlesischen Schellendorf geboren, besuchte er das Gymnasium in Breslau und studierte 1925 bis 1931 an der Dresdner Kunstakademie. Bis zu seiner Übersiedlung 1953 nach Westdeutschland war er als freier Künstler in Dresden tätig. 1946 organisierte er hier die „Erste Deutsche Kunstausstellung“, in der die vom Nationalsozialismus verfemte Kunst erstmals wieder gezeigt wurde. 1956 wurde er Leiter der Bildhauerklasse an der Werkkunstschule Bielefeld, und 1964 bis 1972 lehrte er als Professor an der Fachhochschule Dortmund. Nach seiner Emeritierung zog er sich mit seiner Familie ins bayerische Murnau zurück, wo er 1988 starb.

Seine Plastiken unter freiem Himmel im öffentlichen Raum und in Museen sowie seine Einzelausstellungen und Beteiligung an Gruppenausstellungen in Deutschland und im Ausland (Niederlande, USA, Italien, Peru, Ägypten u. a.) machten sein Œuvre weltweit bekannt. Geehrt wurde er mit zahlreichen Preisen: Ilgen-Preis der Sächsischen Regierung (1953), Kunstpreis der Stadt Köln (1952), Kunstpreis Schlesien des Niedersächsischen Ministeriums für Bundesangelegenheiten (1979) u. a.

Wie viele ostdeutsche Künstler, die im Westen Fuß gefaßt haben, hat auch Herbert Volwahsen wesentlichen Anteil an der deutschen Kunstgeschichte der Klassischen Moderne.

Lit. (Auswahl): Ulrich Gertz, Die Plastik der Gegenwart, Rembrandt-Verlag, Berlin 1953. – Ernst Schremmer, Herbert Volwahsen, Monographie der Künstlergilde, Delp’sche Verlagsbuchhandlung, München o.D. – H.G. Theunissen/Herbert Volwahsen/Hannes Schmidt/Ulrich Gertz, Herbert Volwahsen – Plastiken, Texte, hrsg. vom Kulturwerk Schlesien, Würzburg 1976. – Günther Ott, Im Osten geboren – Im Westen Wurzeln geschlagen, Düsseldorf 1980. – Kunst in Schlesien – Künstler aus Schlesien, Ausstellungskatalog des Museums Ostdeutsche Galerie, Regensburg 1985.

 

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