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Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Wachner, Heinrich Joseph Friedrich

Geologe, Publizist

* 1877, 03.10.
Neumarkt, Mieresch/Siebenbürgen

† 1960, 16.03.
Wolkendorf, Kronstadt/Siebenbürgen

Heinrich Wachner gehört zu den produktivsten siebenbürgisch-sächsischen Forscherpersönlichkeiten dieses Jahrhunderts. Außer seiner verdienstvollen Tätigkeit als Gymnasiallehrer hat er zahlreiche, zum Teil grundlegende Arbeiten geologischen und geographischen Inhalts veröffentlicht. Durch diese hat er einen bemerkenswerten Beitrag zur wissenschaftlichen Erschließung Siebenbürgens geleistet. Mit seinem „Kronstädter Heimat- und Wanderbuch“ (1934), das seine bekannteste Abhandlung über Kronstadt und seine Umgebung ist, hat Wachner eine Monographie über die Naturverhältnisse dieses Gebietes geschaffen, die auch heute nichts von ihrer Aktualität verloren hat. Heinrich Wachner wurde am 3. Oktober 1877 in Neumarkt/ Mieresch (Tîrgu Mureş) als Sohn des Finanzbeamten Joseph Wachner geboren. Nach Abschluß seiner Mittelschulbildung studierte er in Klausenburg, Berlin und Marburg Geologie, Geographie und Naturwissenschaften. Vom Marburger Geologen Friedrich Emanuel Kayser wurde er auf von diesem veranstalteten Lehrgängen in die geologische Geländearbeit eingeführt. – Nach Beendigung seines Studiums (1901) begann er seine Tätigkeit als Biologielehrer an Schulen in Hermannstadt; Bistritz, Schäßburg (1906-1920) und danach 27 Jahre am Honterusgymnasium in Kronstadt. In dieser Eigenschaft hat er 12 Lehrbücher für den Geographie- und Geologieunterricht an deutschen Schulen in Rumänien verfaßt. Seine Beobachtungen über den geologischen Aufbau, die Pflanzen- und Tierwelt seines Wohngebietes, die er auf zahlreichen Studiengängen und Schulausflügen machte, wurden von ihm regelmäßig in Exkursionshefte eingetragen und nachher in seinen Veröffentlichungen ausgewertet. Forschen und Sammeln standen von Anfang an im Vordergrund seiner Tätigkeit, und er kehrte von keiner Wanderung ohne Sammelstücke für seine eigenen Sammlungen (Gesteine, Minerale und Pflanzen) oder für die Schulsammlungen nach Hause. Nach 46 Dienstjahren im Schulwesen ging Wachner 1947 in Pension. – Im Mai 1952 wurde er als 75jähriger samt Familie nach Rakosch zwangsevakuiert. Hier mußte er mit den Seinen jahrelang unter schlechten Lebensbedingungen sein Dasein fristen. Aber auch unter diesen ungünstigen Verhältnissen stellte er Untersuchungen über den geologischen Aufbau dieses Gebietes an. Erst 1958 konnte Familie Wachner nach Wolkendorf bei Kronstadt übersiedeln, wo er am 16. März I960 starb.

Wachners Wirken ging weitüber den Rahmen seiner Lehrertätigkeit hinaus. Er ist der Verfasser zahlreicher wissenschaftlicher Arbeiten sowie populärwissenschaftlichen Veröffentlichungen in Zeitschriften und Tageszeitungen, unter denen sein schon erwähntes „Kronstädter Heimat- und Wanderbuch“ einen Sonderplatz einnimmt. – Bemerkenswert sind auch seine Bemühungen um die Verbreitung des Naturschutzgedankens in Wort und Schrift.

Als Geologe entwarf Wachner die erste geologische Karte von Schäßburg und seiner Umgebung, von dem südlichen Teil des Perschangebirges (Geisterwald) und vom Fogarascher Becken. Als Mitglied der Kommission für Erdgasschürfungen entdeckte er die Gasvorkommen in Agnetheln (die weitgehend Bukarest mit Erdgas versehen) und im Perschaner Höhenzug die Dazittuffe, die als Rohstoff für die Zementherstellung verwendet werden. Neben weiteren geologischen Arbeiten sind auch eine Reihe geographischer Abhandlungen von ihm bemerkenswert. Zu diesen gehört eine Monographie Rumäniens, die Wachner für das „Handbuch der geographischen Wissenschaft“ verfaßt hat und für die ihn die Berliner Akademie mit der Leibniz-Medaille und die Rumänische Akademie mit dem Gheorghe-Lazăr-Prämium auszeichnete. Ebenfalls prämiert wurde auch seine Arbeit „Die Ciuc, samt Toplitza und der Miereschenge“.

Als guter Pflanzenkenner hat Wachner auf seinen unzähligen Ausflügen auch der Pflanzenwelt Siebenbürgens seine Aufmerksamkeit geschenkt und dabei mehrere Pflanzenarten erstmals für dieses Land festgestellt, Zu diesen gehören das Moosglöckchen (Linnaea borealls L.), das Alpenleinkraut (Linaria alpina L.), das Gemeine Heideröschen (Fumanaprocumbens [Dun.] Gren. et Godr.), die Deutsche Schafgarbe (Achillea ptarmica L.) und die Sibirische Schwertlilie (Iris sibirica L.). Ein von ihm angelegtes Register der Flora des Burzenlandes läßt darauf schließen, daß Wachner die Absicht hatte, eine Flora dieses Gebietes zu verfassen.

Heinrich Wachner hat 65 wissenschaftliche Arbeiten in verschiedenen einheimischen und ausländischen Zeitschriften veröffentlicht. Vor allem als Geologe hatte er fachliche Beziehungen zu vielen Fachkollegen des In- und Auslandes unterhalten und hat in mehreren wissenschaftlichen Vereinen Siebenbürgens fördernd mitgewirkt. Wachner war bis in sein hohes Alter forschend tätig und stellte auch als evakuierter Rentner sein reiches Wissen den „Wirtschaftsexperten“ der neuen Regierung zur Verfügung, ohne das ihm jemals Anerkennung in irgend einer Form gezollt worden wäre. Durch seine Leistungen als Erzieher und Forscher Siebenbürgens und Rumäniens gehört Wachner zu jenen Persönlichkeiten, die ihr ganzes Wissen und Können in den Dienst des Fortschritts und dem Wohle seiner Mitmenschen gestellt haben.

Lit.: Kurt Philippi, 1957: Heinrich Wachner. In: Volk und Kultur, Bukarest, 9. Jg., Nr. 11, S. 9 – Heinz Heltmann, 1975: Der Kronstädter Heimatforscher Heinrich Wachner (1877-1960). In: Korresp.blatt d. Arb.kreises f. Siebb. Landeskunde III F., 5. Jg., H. 2 und 3, S. 157-165.

Heinz Heltmann

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