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Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Weiss, Walter

General

* 1890, 05.09.
Tilsit/Ostpr.

† 1967, 21.12.
Aschaffenburg

Walter Weiß wurde 1890 als Sohn des Rittmeisters Richard Weiß und dessen Ehefrau Anna W. geb. Reisch in Tilsit geboren; von 1897 bis 1901 besuchte er eine Privatschule in Rosenberg/Westpr., wurde anschließend in das Kadettenkorps aufgenommen, trat 1908 als Fähnrich in das Infanterie-Regiment Nr: 59 in Deutsch-Eylau ein und kam anschließend zur Kriegsschule Potsdam. Bei Beginn des 1. Weltkrieges war Weiß Leutnant und Adjutant im III. Bataillon seines Regiments; er nahm teil an den Feldzügen in Ostpreußen (bei Tannenberg verwundet), Polen, Galizien, Rußland und auf dem Balkan als Ordonnanz- und Generalstabsoffizier, zuletzt als Hauptmann. Nach Kriegsende meldete sich Weiß zum Grenzschutz Ost, wurde von der Reichswehr übernommen und im August 1919 nach Berlin ins Reichswehr-Ministerium versetzt; danach wechselten Truppendienst und Stabsstellungen in verschiedenen Standorten (Rastenburg, Oppeln, Breslau, Münster/Westf. u. Berlin). Weiß war 1938 Kommandeur des Infanterie-Regiments l in Königsberg/Pr. und wurde am 1. August 1939 zum Chef des Generalstabs des l. Armeekorps ernannt; er blieb in dieser Dienststellung während der Feldzüge in Polen und Frankreich (Gen.Maj. 1.9.40). Am 15. Dezember 1940 wurde er zum Kommandeur der 97. leichten Division, einen Monat später (15.1.41) bereits zum Kommandeur der 26. Infanterie-Division ernannt, die er im Rußlandfeldzug führte (Rittterkreuz 12.9.41). Ende Juni 1942 wurde Weiß mit der Führung des XXVII. Armeekorps beauftragt und am 3. Februar 1943 zum Oberbefehlshaber der 2. Armee ernannt (Gen. Oberst 1.2.44; Eichenlaub z.R.K. 5.11.44). Am 12. März 1945 wurde er mit der Führung der Heeresgruppe Nord beauftragt und, nach einer Auseinandersetzung mit Hitler, am 3. April 1945 in die Führerreserve des Oberkommandos des Heeres versetzt; er geriet in amerikanische Kriegsgefangenschaft (u.a. Lager Neu-Ulm u. Dachau). Nach seiner Entlassung (1948) wurde er von der Spruchkammer Neustadt als „nicht belastet“ eingestuft. – Weiß war seit 1918 verheiratet mit Elisabeth geb. Heyn; der Ehe entstammten zwei Söhne, Helmut (*15.9.20) starb als Kind nach einem Unfall, Walter (* 13.1.22) fiel am 24. Juni 1941 beim Infanterie-Regiment l als Leutnant.

Walter Weiß ist in seinen Dienststellungen als Divisionskommandeur, Kommandierender General und Armeeführer als überdurchschnittlich beurteilt worden; ihn zeichneten Ruhe, Umsicht und Tatkraft aus, er verlor nie die Verbindung zur Truppe, in der sein Gerechtigkeitssinn, seine Fürsorge und Bescheidenheit empfunden wurden, die ihn „Vater Weiß“ nannte. Als Gerichtsherr bewies er in Fällen mit politischem Hintergrund Mut zur Unabhängigkeit; als Christ gewährte er der Militärseelsorge beider Konfessionen Unterstützung; er hatte sich auch für eine bessere Versorgung der russischen Bevölkerung eingesetzt. Bei den schweren Abwehrkämpfen des Winters 1944/45 in Ostpreußen und an der Danziger Bucht ließ er der bedrohten Zivilbevölkerung Fluchtwege offen halten. Bescheidenheit und Verantwortungsbewußtsein gehörten zum Wesen seiner Persönlichkeit.

Lit.: G. Brausch: W. Weiß, in: Altpr. Biographie, Marburg/L. 1975, Bd III, S. 1072 f. (mit Lit.- u. Quellenhinw.); E. Lenfeld u. F. Thomas: Die Eichenlaubträger 1940-1945. (2. verb. Aufl. Wiener-Neustadt 1983) S. 673 (Foto); Die Wehrmachtberichte 1939-1945. Bd 3, München 1985 (Pers.Reg.); W.-P. Fellgiebel: Die Träger des Ritterkreuzes d. Eisernen Kreuzes 1939-1945. Friedberg 1986, S. 92 u. 441.

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