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Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Wetschky, Max

Apotheker und Botaniker

* 1844
Gnadenfeld/ Oberschlesien

† 1927, 26.01.
Gnadenfeld/ Oberschlesien

Über das Leben von Max Wetschky ist heute nicht mehr sehr viel bekannt. Schon im  Nachruf von Prof. G. Eisenreich in der Monatsschrift Der Oberschlesier  fehlt  das genaue Geburtsdatum. Man weiß aber, dass er zu den großen Botanikern gehörte, die von Gnadenfeld aus wirkten und nennt seinen Namen in einer Reihe mit Jean Marc Antoine Mettetal (1785-1862) und Wilhelm Kölbing (1803-1850).

Der Heimatort von Max Wetschky, Gnadenfeld liegt in Oberschlesien, etwa 18 km südwestlich von Cosel (heute Ortsteil der polnischen Stadt Kędzierzyn-Koźle). Der Ort entstand aus einer Ansiedlung von Herrnhuter Glaubensbrüdern ab dem Jahre 1766, nachdem der Herrnhuter Ernst Julius von Seidlitz dort ein Dominium erworben hatte. Gemeinsam mit dem benachbarten Gutsdorf Pawlowitzke entwickelte sich hier ein für die damaligen Zeitverhältnisse  musterhaftes Gemeinwesen mit umfangreichem, blühendem Handel und Gewerbe. Durch das Theologische Seminar der Brüderunität entstand auch ein geistiges Zentrum, welches weit in die Region ausstrahlte. Man verfügte in ländlicher Gegend über damals fortschrittlichste kommunale Einrichtungen, wie Schule, Krankenhaus und Apotheke. Letztere war schon mehrere Generationen im Besitz  der Apothekerfamilie Wetschky und wurde deshalb folgerichtig auch vom Sohn Max übernommen.

In der Zeit des Nationalsozialismus wurden beide Orte mit einem Verwaltungsakt zum Dorf „Gnadenfeld“  vereint. Der Name „Pawlowitzke“ war damals nicht zeitgemäß und dieser Ortsteil wurde als Gnadenfeld II bezeichnet. Im heutigen Polen hat diese Zusammenlegung mit dem heutigen polnischen Namen Pawłowiczki weiter Bestand.

Der Beruf eines Apothekers stand zu Lebzeiten von Max Wetschky noch viel näher zur Botanik als heute, da viele pharmazeutische Heilmittel auf Pflanzenbasis beruhten.  Schon beim Pharmaziestudium  legte man großen Wert auf die Vermittlung von Kenntnissen zum Anlegen eines Herbariums. Ein solches diente damals  in den Apotheken zur zweifelsfreien Bestimmung von Heilkräutern. Max Wetschky entwickelte  aus dieser Aufgabe seine Liebe und nebenberufliche Leidenschaft für die gesamte Botanik, besonders aber zu den Blühpflanzen. Dabei eiferte er dem Vater und Großvater nach, die ebenfalls eine solche Passion hatten.

Der Zeitaufwand  für seine Forschungen war enorm. Alle Arbeiten wurden noch selbst und mit einfachsten Hilfsmitteln erledigt. Es begann mit den langen Wanderungen beim  Suchen nach den Pflanzenstandorten, oft in schwierigem Gelände. Die in einer Botanisiertrommel gesammelten Belegpflanzen mussten bestimmt, zeitaufwändig präpariert, auf Herbarbogen aufgeklebt, entsprechend beschriftet und gelagert werden. Geländeskizzen und zusätzliche Dokumentationen wurden angefertigt. Schließlich gab es dann noch gegebenenfalls den Tausch und den komplizierten Versand der empfindlichen, fertigen Herbarblätter sowie die umfangreichen Korrespondenzen mit anderen Sammlern oder Botanikern. Man findet bis heute in der botanischen Fachliteratur eine Vielzahl von kleinen Hinweisen anderer Naturforscher, die  Bezug auf Max Wetschky nehmen. Seine mehrere tausend Blatt umfassende Herbarsammlung war später im Gnadenfelder Heimatmuseum archiviert. Über ihren weiteren Verbleib nach 1945 ist als Folge der Kriegsereignisse leider nichts bekannt. In Polen gab es schon veröffentlichte Fragen in der Fachliteratur zu eventuellen Wissensträgern zu diesem Thema.

Von Gnadenfeld aus durchforstete Max Wetschky die schlesische Flora und machte dabei viele überraschende Entdeckungen. So wird berichtet, dass er als erster in Schlesien das Moorveilchen (Viola episila Ledebour) auf moorigen Wiesen bei Wiegschütz entdeckte (siehe hierzu Sitzungsberichte der naturforschenden Vereinigung Brünn, Sitzung vom 14. Dezember 1881, S. 42). Wenn auch Schlesien sein wichtigstes Forschungsgebiet war, so unternahm er dennoch weite Reisen, von denen er viel beachtete Ergebnisse mitbrachte. So bereiste er Sizilien (u.a. am Ätna), Norwegen, Palästina, die Karpaten, die Krim und auch die Steppengebiete an der Wolga. Dabei sammelte er Belege, fand neue Standorte und entdeckte sogar neue Arten. So erhielt eine von ihm auf der Krim entdeckte Spezies des Gemeinen Lein 1895 den lateinischen Namen Linum wetschkyanum Fiek. Allein von seiner Krimreise brachte er etwa 260 Arten mit, von denen die Hälfte mit je 15 Herbarexemplaren gesammelt wurde. (siehe den Beitrag: Botanische Anstalten, Vereine, Tauschvereine, Exsiccatenwerke, Reisen, etc.. Allgemeine Botanische Zeitschrift, 1. Jhg.,1895, Nr.7/8, S.165-168 (S.168), Druck und Verlag: J.J. Reiff, Karlsruhe 1895).

Seine Erkenntnisse tauschte er mit vielen namhaften Botanikern aus (u. a. Ferdinand Pax, Adolf Engler),  und er war Mitglied in mehreren Botanischen Gesellschaften. Die Teilnahme an botanischen Kongressen ist belegt (siehe P. Wettstein et al. [Hrsg.], Verhandlungen des internationalen botanischen Kongresses in Wien 1905. Verlag von Gustav Fischer in Jena, S.19, Jena 1906).

Seine wissenschaftlichen Interessen gingen weit über die Botanik hinaus. Als in der Region um Gnadenfeld 1871 ein außergewöhnliches Naturereignis eintrat, berichtete er darüber als Mitglied umgehend an die Schlesische Gesellschaft für vaterländische Kultur. Die Details der Mitteilung wurden in dem  schriftlichen Jahresbericht 1871/72 von

Prof. F. J. Cohn, Sekretär der botanischen Sektion, festgehalten: In der Nacht vom 5. auf den 6. Januar 1871 wurde die ganze Gegend weit und breit mit einem feinen Staub bedeckt. Die damaligen Erklärungen dafür waren noch unzureichend – man nannte den Staub „Meteorstaub“. Vermutlich handelte es sich um feinen Saharastaub, der aufgrund bestimmter Wetterlagen über den Gebirgspass „Mährische Pforte“ einen Weg bis nach Schlesien fand.

Zu Max Wetschkys Familie ist leider kaum etwas bekannt. An der Universität in Rostock war im Sommersemester 1911 der Medizinstudent Gottfried Wetschky (geb. 1887) immatrikuliert. Dessen Vater war Apotheker in Gnadenfeld – vermutlich handelt es sich um einen Sohn.

Die botanischen Exkursionen unternahm er bis ins hohe Alter. Noch mit 81 Jahren reiste er nach Tatischau (poln.: Taciszów), im Landkreis Tost-Gleiwitz, zu einem Standort der Drüsentragenden Zahnwurz (Dentaria glandulosa).

Werke: Auszug aus Bericht an H. Göppert, Reise nach Unteritalien. 52. Jahresbericht der Schlesischen Gesellschaft für vaterländische Kultur 1874, Breslau, S.109-111 (unter: Bericht der botanischen Sektion. Heinrich Göppert, 1800-1884, war Universitätsprofessor, Botaniker,  Arzt und Paläontologe in Breslau. Er forschte u.a. intensiv auf dem Gebiet der Bäume. Im Bericht bezog sich Wetschky deshalb u.a. auf die Heidewälder östlich von Cefalù, an der Nordküste Siziliens.). – Eine botanische Wanderung in Sizilien, 53. Jahresbericht der Schlesischen Gesellschaft für vaterländische Kultur 1875, Breslau, S. 98-105. –Zur Flora des nördlichen Ungarn. Österreichische botanische Zeitschrift (Im Internet als Zeitschriftenauszug, PDF-Datei, nochmals veröffentlicht von: Oberösterreichisches Landesmuseum Linz, Internetportal: Zobodat, Österreichische Botanische Zeitschrift = Plant Systematics and Evolution: 028: 224-226. Die ursprüngliche Quelle konnte nicht ermittelt werden.

Lit.: G. Eisenreich: Dem Gedenken dreier heimgegangener Naturforscher und Naturfreunde Oberschlesiens. Der Oberschlesier, 9. Jhg., Juni 1927, S. 378-379. In Polen sind in den letzten Jahren einige Hinweise und Beiträge zum Leben und Schaffen von Max Wetschky in polnischer Sprache veröffentlicht worden. Der bekannte Historiker und Kenner der Geschichte Oberschlesiens, Miroslaw Syniawa aus Chorzów (deutsch: Königshütte)  hat dazu geforscht. Unter dem Titel Botanicy z Pawłowiczek erschien in der Kattowitzer Zeitschrift Przyroda Górnego Śląska, Nr. 29, 2002, S.15, ein Beitrag, der sich u. a. auch mit Max Wetschky befasst. Dieser Beitrag ist auch im Internet nachlesbar.

Abb.: Weiße Nießwurz, gemeinfrei

Helmut Steinhoff

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