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Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Wien, Max

Physiker

* 1866, 25.12.
Königsberg i.Pr.

† 1938, 24.02.
Jena

Max Carl Werner Wien wurde am 25. Dezember 1866 in Königsberg als Sohn des Mitinhabers der bekannten Getreidefirma Castell, Otto Wien, geboren. Er war ein Vetter des später sehr bekannt gewordenen Physikers Wilhelm Wien, der vom Gut Gaffken im Kreis Fischhausen stammte.

Max Wien wurde zu einem der Pioniere der Hochfrequenztechnik, hat aber auch auf dem Gebiet der Akustik und der elektrischen Leitfähigkeit in Elektrolyten gearbeitet.

Er besuchte zunächst das Altstädtische Gymnasium in Königsberg und studierte dann Physik an der Universität seiner Vaterstadt, später auch in Freiburg und Berlin. Hier promovierte er 1888 bei Hermann von Helmholtz und August Kundt zum Dr. phil. über ein Thema aus der Akustik, das ihn schließlich über die Beschäftigung mit gekoppelten schwingungsfähigen Systemen zu den elektrischen Schwingkreisen führte.

Im Jahre 1892 wurde Max Wien Assistent bei Wilhelm Röntgen an der Universität Würzburg, wo er sich ein Jahr später habilitierte und Privatdozent wurde. 1898 ging er als Dozent an die TH Aachen und wurde dort wiederum ein Jahr später außerordentlicher Professor. Er heiratete 1903 Hanna Voller, die Tochter eines Hamburger Professors. 1904 war er der erste Ordinarius für Physik an der im selben Jahr gegründeten TH Danzig. Hier gelang ihm 1906 der Nachweis der Löschwirkung kurzer Metallfunken und damit das Auftreten nur noch einer Eigenfrequenz. Diese grundlegende Erfindung für die drahtlose Nachrichtentechnik entwickelte er mit Hilfe der Firma Telefunken zum „Wienschen Löschfunkensender“, der bis in den Ersten Weltkrieg hinein für den telegraphischen Überseeverkehr benötigt wurde. Erst dann ergaben sich durch Anwendung der Elektronenröhre neue Möglichkeiten (Röhrensender). Hier in Danzig machte Wien auch bedeutende Verbesserungsvorschläge für Schaltelemente der Hochfrequenztechnik, z.B. entwickelte er einen mit Preßluft gefüllten Zylinderkondensator.

Die erfolgreiche Zeit an der jungen, aber Dozenten und Studenten gleichermaßen begeisternden Technischen Hochschule in Danzig fand ein Ende durch einen Ruf als ordentlicher Professor für Physik an die Universität Jena im Jahre 1911, wo Max Wien schließlich 1935 auch emeritiert wurde. Hier zeichnete er sich durch die Bestätigung der Debye-Falkenhagenschen Theorie aus, die ihm durch seine Arbeiten über die elektrische Leitfähigkeit in Elektrolyten bei hohen Feldstärken und Frequenzen nach dem ersten Weltkrieg gelang. Max Wien wurde vor allem für seine Arbeiten zur Entwicklung der Hochfrequenz- und Nachrichtentechnik in ihrem Anfangsstadium zum Ehrendoktor der Ingenieurwissenschaften an der TH Danzig ernannt. Alle seine Arbeiten überzeugen durch große Genauigkeit und Gründlichkeit.

Werke: Über die Messung der Tonstärke, Inaugural-Dissertation, Berlin, 1888; Eine neue Form der Induktionswaage, in: Annalen der Physik und Chemie, N. F. 49, Habilitationsschrift der Phil. Fak. Würzburg, 1893; Über die Rückwirkung eines resonirenden Systems. In: Annalen der Physik. Bd. 61, 1897, S. 151-189, 1897; Intensität der beiden Schwingungen eines gekoppelten Senders. In: Physik. Zeitschrift. Jg. 7, 1906, S. 871-872.

Lit.: Jonathan Zenneck: M.W. zum 70. Geburtstag. In: Zeitschrift für technische Physik. Jg. 18. 1936, S. 1-3; Hans Busch: M.W. zu seinem 70. Geburtstag. In: Elektrische Nachrichtentechnik. Bd. 14, 1937, S. 1-5; Erich Menzel: Das Physikalische Institut der TH Danzig, in: Vom geistigen Fortleben der Technischen Hochschule Danzig, Heidelberg 1961; Armin Hermann: Lexikon Geschichte der Physik, Köln 1972.

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