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Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Zapp, Walter

Erfinder, Fabrikant

* 1905, 04.09.
Riga/Livland

† 2003, 17.07.
Binningen/Schweiz

Bis heute ist die geradezu winzige, aber leistungsstarke Kamera mit ihrem zukunftsweisenden Design geradezu ein Kultobjekt für Fotografen geblieben. Lange galt sie als die Kamera der Spione und Agenten: Die legendäre MINOX, deren Erfinder, den Deutschbalten Walter Zapp, wohl nur wenige Experten mit Namen kennen, doch gerade aus diesem Grund lohnt es sich, an ihn zu erinnern.

Zapp besuchte zunächst in Riga die Schule, bis die Familie nach Reval übersiedelte. Hier begann er 1922 seine Lehrzeit bei dem bekannten Fotografen Walter Lemberg. Da ihm die damals neuen Kleinbildapparate noch zu groß und zu schwer erschienen, entstand der Wunsch nach einem Fotoapparat, den man stets bei sich tragen könnte. Zapp bemühte sich darum, einen solchen zu konstruieren. Zur Zeit der Weltwirtschaftskrise verlor er in Estland als Ausländer seine Stellung und ging zurück nach Riga. Zunächst stellte er dort ein Holzmodell und dann eines aus Metall her. Die erste MINOX war nur 13x28x75 mm groß, das Bild nur 8×11 mm. 1934 weihte er seinen Freund Richard Jürgens in seine Versuche ein. Kein Hersteller von Fotoapparaten war indes bereit, dieses kleine Ding in Serie zu produzieren. Schließlich bot sich die Gelegenheit, der lettländischen Firma für elektrotechnische Geräte VEF sein Modell vorzuführen. Eine Probeaufnahme überzeugte. Ab 1938 konnte man so im Schaufenster der VEF die MINOX zum Preise von 300 Lat sehen, ein hoher Preis, betrug doch etwa das Anfangsgehalt eines Lehrers zu dieser Zeit 90 Lat monatlich. Die erste MINOX-Kamera wurde am 12. April 1938 an einen französischen Diplomaten des Nachrichtendienstes verkauft. Die MINOX machte so scharfe Aufnahmen, daß man eine DIN A4 Seite fotografieren und das Bild auf 17×20 cm vergrößern konnte. Bis zum Beginn des Zweiten Weltkrieges wurde ca. 17000 MINOX-Kameras verkauft. Nach der Besetzung Lettlands durch die Sowjetunion im Juni 1940 wurden noch 2.000 MINOX-Kameras „Made in UdSSR“ hergestellt. Als es Zapp zu Ohren kam, daß für ihn schon ein Platz in einem Moskauer Forschungslabor reserviert sei, floh er mit dem Holz- und dem Urmodell in der Tasche nach Deutschland. Von AGFA, Zeiss-Ikon und Leitz wurde er auf die Zeit nach dem Kriege vertröstet. Aber schon bald besetzte Deutschland die Baltischen Staaten, und die VEF wurde der AEG übereignet, deren rußländische Tochtergesellschaft 1899 diese Fabrik errichtet hatte, während des Erstem Weltkrieges enteignet worden war. Dort arbeitete Zapp bis Kriegsende an der Entwicklung des Elektronenmikroskops.

Nach dem Kriege gründeten Zapp und Jürgens in Heuchelheim die „MINOX GmbH“. Die MINOX wurde durch mehrere Neuerungen verbessert. Um die Firma finanziell zu sichern, arbeitete man mit einem Zigarrenkonzern zusammen. Bald mussten die Gründer ausscheiden, doch konnte Zapp als freier Mitarbeiter weitere Verbesserungen des Fotoapparates entwickeln und, nachdem sich die Zigarrenfabrik aus dem Geschäft zurückgezogen hatte, zusammen mit Jürgens die Firma erneut übernehmen. Aber Zapp und Jürgems waren keine Kaufleute und so zogen sie sich bald aus der Firmenleitung zurück. Seit etlichen Jahren wird die MINOX GmbH von einem Konkursverwalter geleitet, kann aber weiter produzieren.

Inzwischen wurde die MINOX fast eine Million mal verkauft. Zapp lebte in der Schweiz. In der Mitteilung über seinen Tod stellt die F.A.Z. ihn in eine Reihe mit den großen Pionieren der Fotografie Ernst Leitz, Carl Zeise, Oskar Barnack und Karl Kellner. Estland hat Zapp dadurch geehrt, daß es die Patentzeichnung seiner MINOX auf einer Postmarke abgebildet hat.

Lit.: Fünf Berichte der F.A.Z. aus den Jahren 1992 bis 2003.

Bild: Z.A.F. 1994, Nr. 153.

Friedrich Blum

 

 

 

 

 

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