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Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ziesemer, Walther

Germanist

* 1882, 07.06.
Loebau/Westpr.

† 1951, 14.09.
Marburg/Lahn

Walther Ziesemer wurde in Westpreußen geboren. Er besuchte das Gymnasium in Marienburg und fand dort früh den Zugang zu der Welt des Deutschen Ritterordens, Er studierte Germanistik in Leipzig und Berlin, promovierte 1907 zum Dr. phil. mit einer Arbeit über den Deutschordens-Chronisten Nikolaus von Jeroschin und habilitierte sich 1910 an der Albertus-Universität Königsberg für das Fach „Deutsche Philologie“. Daneben war er dort zunächst wie schon vorher in Danzig im höheren Schuldienst tätig. 1911 übertrug ihm die Preußische Akademie der Wissenschaften den Auftrag, ein „Preußisches Wörterbuch“ zu schaffen, das den Wortschatz der ost- und westpreußischen Mundarten nach modernen dialektgeographischen Grundsätzen erfassen und darstellen sollte. 1918 wurde Ziesemer apl. Professor und 1922 Ordinarius für deutsche Sprache und Literaturan der Albertina. Der Schwerpunkt seiner Lehrtätigkeit lag bei der Sprache und der Literatur des deutschen Nordostens. 1925 gründete er das Institut für Heimatforschung, das er zum Mittelpunkt der landeskundlichen Forschung in Ost- und Westpreußen machte. Ziesemers Arbeiten kreisten zu einem großen Teil um die Welt des Deutschen Ordens. Er begann mit der Herausgabe der großen Ordensbücher: „Das Zinsbuch des Hauses Marienburg“ (1910), „Das Ausgabebuch des Marienburger Hauskomturs“ (1911), „Das Marienburger Konventsbuch” (1913) und „Das Große Ämterbuch des Deutschen Ordens“ (1921). Eine zusammenfassende Darstellung der geistigen Kultur des Ordens gab er 1928 in seinem Buch „Die Literatur des Deutschen Ordens“ (2. erw. Aufl. gem. mit K. Helm 1950). Weitere Untersuchungen waren dem Königsberger Dichterkreis um Simon Dach gewidmet, dessen Werke er in 4 Bänden herausgab. Gemeinsam mit Josef Nadler arbeitete er an der Ausgabe der Werke Hamanns, wobei er die Briefe herausgab. Sein eigentliches Lebenswerk aber war das „Preußische Wörterbuch“, für das er 2 ½  Jahrzehnte mit einem großen Kreis von Gewährsleuten und Helfern aus allen Schichten der Bevölkerung das Material zusammentrug. 1935 begann der Druck des Werkes. Bis Kriegsende waren 1 ½ Bände ausgedruckt. Das gesamte Wörterbucharchiv mit rund einer Million Wortzetteln ist trotz Auslagerung in die Mark Brandenburg in den letzten Tagen des Krieges durch Artilleriebeschuß vernichtet worden. Ziesemer übte nach dem Kriege noch mehrere Jahre eine Lehrtätigkeit an der Universität Marburg aus. Er starb in Marburg am 14. September 1951.

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