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Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Zöllner von Rotenstein, Konrad

Hochmeister des Deutschen Ordens

* 1325 ca.
Birkenfeld/Haßberge vermutl.

† 1390, 20.08.
Marienburg/Westpr.

Der aus einem unterfränkischen Rittergeschlecht stammende Deutschordensritter Konrad Zöllner von Rotenstein begegnet uns zunächst in der Komturei Christburg, wo er in den Jahren 1354-1359 zunächst als Pfleger von Preußisch Mark, dann als Kumpan des Komturs anzutreffen ist. Nach dieser offenbar erfolgreichen Ausbildung in der Ordensverwaltung wird er Gebietiger. 1368 ist er Komtur von Danzig, seit 1372 Komtur von Christburg und zugleich Oberster Trapier. Damit gehört er zu den Großgebietigern, dem engsten Beraterkreis des Hochmeisters. Als zehn Jahre später, im Jahre 1382, der berühmte Hochmeister Winrich von Kniprode nach einer über drei Jahrzehnte währenden Amtszeitstirbt, wird Konrad Zöllner zum Nachfolger gewählt. In den acht Jahren seiner Hochmeisterzeit arbeitet er eng mit dem militärisch sehr erfahrenen Konrad von Wallenrode zusammen, der dann sein Nachfolger wird.

Konrad Zöllner betrieb innerhalb des Ordenslandes eine Politik der Stärke. Er ließ 1382 eine deutlichere Huldigungsformel verwenden und unterstützte die städtischen Oberschichten gegen das Aufbegehren von Zunftbewegungen. Er bemühte sich um die Stärkung des Wirtschaftslebens durch münzpolitische Maßnahmen und durch eine neue Ordnung des Rentenkaufs. Er setzte den Landesausbau und damit die militärische Sicherung des Landes fort. Schwerpunkte waren während seiner Amtszeit die Räume um Ortelsburg, Gerdauen/Nordenburg, am oberen Pregel und im Samland. Er erlangte sogar ein päpstliches Privileg für eine Universitätsgründung in Kulm. Wäre dem Hochmeister dies tatsächlich gelungen, hätte er sich in eine Reihe mit den bedeutendsten mitteleuropäischen Territorialherren, nämlich Böhmen, Österreich, Polen und dem Pfalzgrafen gestellt.

Außenpolitisch hatte der Deutsche Orden in Preußen unter Konrad Zöllner handelspolitische Konflikte mit England auszutragen, da der englische Kaufmann unmittelbar in Preußen tätig werden wollte. Im Streit der Hanse mit Flandern/Burgund nahm der Orden eine vermittelnde Stellung ein, zumal sein zunehmender Eigenhandel 1388 die hansische Handelssperre umging. Vergeblich versuchte der Hochmeister, den Orden in Novgorod an den dortigen hansischen Privilegien zu beteiligen.

Wichtiger als die sich im hansisch-skandinavischen Raum vorbereitende Machtkonzentration waren für Konrad Zöllner die Veränderungen im Süden und Osten der Ordensherrschaft. 1386 hatte der litauische Großfürst Jagiello die polnische Thronerbin Hedwig geheiratet. Vereinbarungsgemäß sollte er dafür sich und sein Volk, die letzten Heiden Europas, taufen lassen und damit dem römischen Christentum zuführen. Er selbst nahm den Namen Wladyslaw an. Für den Orden war diese Verbindung von Polen und Litauen nicht nur eine unangenehme Machtkonzentration. Die Grundlagen der Ordensherrschaft schienen erschüttert zu werden, weil sich nach einer Taufe der Litauer die Aufgabe des ständigen Heidenkampfes in der bisherigen Weise nicht mehr rechtfertigen ließ. Konrad Zöllner eröffnete daher eine Politik, die die Ernsthaftigkeit der Taufe Litauens stets zu bezweifeln suchte. Dabei verfolgte er die alte Ordenspolitik, die darauf aus war, zwischen Preußen und Livland eine Landbrücke herzustellen. Streitigkeiten unter den Angehörigen der litauischen Fürstenfamilie schienen hier manche Möglichkeiten für den Erwerb Samaitens zu eröffnen, doch war das stets nur von kurzer Dauer.

Konrad Zöllners Amtszeit als Hochmeister des Deutschen Ordens wird der Blütezeit der Ordensherrschaft in Preußen zugerechnet. Doch hat gerade er erkannt, welche Gefahren für die Sicherheit seines Landes sich durch Veränderungen außerhalb Preußens eröffneten. Er antwortete einerseits auf konservative Weise, indem er die Glaubwürdigkeit der Taufe in Abrede stellte, andererseits versuchte er mit diplomatisch-militärischen Mitteln der Gefahr zu begegnen. Innenpolitisch hatte er dazu noch weitgehend freie Hand, indem er das Land unter der kräftigen Leitung des Ordens zu stärken suchte.

Lit.: Harro Gersdorf, Der Deutsche Orden im Zeitalter der polnisch-litauischen Union. Die Amtszeit des Hochmeisters Konrad Zöllner von Rotenstein 1382-1390, Marburg/Lahn 1957; Bernhart Jähnig, in: Neue Deutsche Biographie 12, 1980, 1516.

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