Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen
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“Wissenschaft und Jugend”

Unter diesem Motto stand am 23. und 24. Mai ein Workshop in HAUS SCHLESIEN in Königswinter, zu dem die Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen eingeladen hatte. Im Zentrum des Workshops stand die Frage, in wie weit es in den Wissenschaftsbereichen Zeitgeschichte, Geschichte, Literaturgeschichte und Kunstgeschichte hinsichtlich des deutschen kulturellen Erbes im Ostens vorhandene Lücken gibt, die es zu schließen gilt, und welche Aufgaben die Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen auf diesem Feld künftig leisten kann. Auch wurde diskutiert, wie verstärkt wissenschaftlicher Nachwuchs gewonnen und das Wissen über das deutsche kulturelle Erbe im Osten länderübergreifend bei der Jugend gefördert werden kann.

In ihrem Koalitionsvertrag bekennt sich die Bundesregierung dazu, die im Sinne des Kulturparagraphen 96 des Bundesvertriebenengesetzes tätigen Einrichtungen der Heimatvertriebenen, Aussiedler und deutschen Minderheiten als Träger des deutschen Kulturerbes des Ostens sowie im Geiste der europäischen Verständigung für die Zukunft zu ertüchtigen und die Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen zu stärken. Zur Umsetzung dieser Vereinbarung erarbeitet die Kulturstiftung derzeit, gefördert von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, ein Konzept zur Stärkung einer eigenständigen Kulturarbeit der deutschen Heimatvertriebenen, wie sie bereits seit Jahren von deren Organisationen gefordert wird.

Im Rahmen dieses Projekts standen nun – nach einer Auftaktveranstaltung im Februar in HAUS SCHLESIEN, Königswinter und einem Workshop in der Berliner Vertretung des Landes Sachsen-Anhalt zu Möglichkeiten der Kooperation und Vernetzung der Einrichtungen der Kulturarbeit untereinander und mit den deutschen Minderheiten im östlichen Europa – die Wissenschaft und die wissenschaftliche Nachwuchsförderung sowie generell die Ansprache der Jugend im Mittelpunkt.

Bei den Teilnehmern aus dem Kreis der universitären Wissenschaft und der mit Kultur und deren Vermittlung befassten Institutionen der Vertriebenen bestand Einigkeit darüber, dass neben der unter der Geschäftsführung der Kulturstiftung stehenden, bereits erfolgreich wissenschaftlich arbeitenden „Studiengruppe für Politik und Völkerrecht“ weitere Studiengruppen zu den Forschungsbereichen „Zeitgeschichte“, „Geschichte“, „Literaturgeschichte“ und „Kunstgeschichte“ eingerichtet werden sollten, um Forschungslücken zu schließen und um Forschungsergebnisse in die Öffentlichkeit zu tragen. Im Hinblick auf eine grenzüberschreitende Zusammenarbeit könnte auch an das ehemalige erfolgreiche Format der Kulturstiftung und der Universität Thorn/Toruń des „Kulturtransfers Ost-West“, bei dem sich Wissenschaftler aus Polen und Deutschland austauschten, wieder angeknüpft werden.

Zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses wurde u.a. die Möglichkeit erörtert, Anreize dafür zu schaffen, dass außerplanmäßige Professoren Lehrveranstaltungen zum deutschen Kulturerbe im östlichen Europa durchführen. Ebenfalls sei es zielführend, eine Plattform zu schaffen, wo sich alljährlich Doktoranden, die über entsprechende Themen arbeiten, austauschen und miteinander vernetzen können. Beispielgebend ist hier etwa das Modell des Zentrums für Kulturwissenschaftliche Forschung Lübeck, so Prof. Dr. Axel E. Walter von der Eutiner Landesbibliothek.

Um bei der jungen Generation das Wissen über das deutsche kulturelle Erbe zu stärken, ist eine verstärkte Zusammenarbeit aller Akteure auf staatlicher, institutioneller und zivilgesellschaftlicher Ebene dringend geboten. Gerade auch das Potential der Einrichtungen der eigenständigen Kulturarbeit der Heimatvertrieben gilt es hierbei verstärkt zu nutzen, beispielsweise im Hinblick auf Zeitzeugengespräche oder als „erlebbarer Lernort“ für Schulklassen. Für die Ansprache der jungen Generation sei zudem die Professionalisierung der Öffentlichkeitsarbeit und der verstärkte Einsatz der Neuen Medien durch die Einrichtungen der Heimatvertriebenen unerlässlich, den es daher nachhaltig zu fördern gelte. Zudem sei eine stärkere Vernetzung der Jugendverbände der Landsmannschaften sinnvoll, um gemeinsam das Wissen über das deutsche kulturelle Erbe landsmannschaftlich übergreifend zu verbreiten. Insgesamt bestand Einigkeit, dass neben der verstärkt zu leistenden außeruniversitären wissenschaftlichen Arbeit die Kulturstiftung bei entsprechender personeller Ausstattung gerade auch im Hinblick auf die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses und der Ansprache der Jugend eine für alle Akteure gewinnbringende Plattform bieten könne, die verstärkte Kooperationen und Vernetzungen zu fördern vermag.

 

Hier ein ausführlicher Tagungsbericht als Download

 

Das Projekt wird gefördert durch