Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgabe 1367

Bücher, Medien, Veranstaltungen

Montag, 25. April 2016

Theatralität auf „Germanoslawisch“

Das Themenheft Nr. 2 der Zeitschrift Germanoslavica (Jahrgang 25, Prag 2014) befasst sich mit Theatralität in Literatur und Kultur, und zwar nicht nur aus der Perspektive der germano-slawischen Studien, sondern auf einer allgemeinen kultur- und literaturwissenschaftlichen Ebene. Der Kern dieses Ansatzes liegt in dem barock anmutenden Grundgedanken des Heftes, die Welt sei eine Bühne, der eine lange Tradition hat.

Der Band geht auf den Begriff der Theatralität vor vier Folien ein, weshalb er thematisch auch in vier Abschnitte untergliedert ist. Er verfolgt Theatralität im Medium des Buches, in Narration und Historiografie des 18. und 19. Jahrhunderts, ferner im zeitgenössischen Drama und schließlich Theatralität und Theater aus germano-slawischen Perspektiven und enthält tiefgründige Analysen von zehn europäischen Literaturwissenschaftlern.

M. Frolíková (KK)

 


Bücher, Medien, Veranstaltungen

Montag, 25. April 2016

Später, doch solider Widerstand

Vom „städtischen Holocaust“ und seiner Überwindung sprach im Münchner NS-Dokumentationszentrum der Warschauer Architekt und Stadtplaner Professor Krzysztof Domaradzki. Noch vor dem Ende des Warschauer Aufstandes mit rund 200 000 Toten befahl Heinrich Himmler am 21. September 1944 die Vernichtung der polnischen Hauptstadt. „Jeder Häuserblock ist niederzubrennen und zu sprengen.“ Das Resultat: 85 Prozent der Bausubstanz auf dem linken Weichselufer wurden zerstört.

Norbert Matern (KK)

Bücher, Medien, Veranstaltungen

Montag, 25. April 2016

Minorität und Polonität

Deutsches Polen-Institut (Hrsg.): Jahrbuch Polen 2016. Minderheiten. Wiesbaden 2016, ca. 200 S., zahlreiche Abb. 11,90 Euro. Bestellung: verlag@harrassowitz.de oder kaluza@dpi-da.de

Noch am Vorabend des Zweiten Weltkriegs stellten nationale Minderheiten mehr als ein Drittel der Bevölkerung Polens dar. Die im und nach dem Krieg erfolgte ethnische Homogenisierung hatte politische und gesellschaftspsychologische Gründe: Die Nationalitäten im Osten – Ukrainer, Belarussen, Litauer – fanden sich nun mehrheitlich in den neuen Grenzen der Sowjetunion wieder, die Juden wurden im Holocaust dezimiert, ein Zusammenleben mit Deutschen schien aufgrund der traumatischen Kriegserfahrungen nicht mehr möglich. Heute machen Vertreter nationaler und ethnischer Minderheiten nur etwa 1,5 Prozent der polnischen Bevölkerung aus.

(KK)

Literatur und Kunst

Montag, 25. April 2016

Tüchtig wie die von ihm bedichteten Heinzel

Der Breslauer Universalgeist August Kopisch hat neben ihnen noch die Blaue Grotte auf der Insel Capri entdeckt und Dante übersetzt

Mit August Kopisch (1799–1853) rückt die Alte Nationalgalerie Berlin bis zum 17. Juli eine der faszinierendsten Künstlerpersönlichkeiten der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts in den Fokus der Aufmerksamkeit: „Maler, Dichter, Entdecker, Erfinder“. Wie kein Zweiter hat dieser Künstler in seinem Werk Malerei, Dichtung, Wissenschaft, Forschergeist und Erfindungskraft vereint. Der in Breslau geborene Universalgeist machte sich einen Namen, als er 1826 auf der Insel Capri die Blaue Grotte entdeckte, die seither ein Magnet für Künstler und Touristen ist. Zu seinen Hauptwerken zählt die sprachlich brillante Übersetzung von Dantes „Göttlicher Komödie“. Seinen Ruhm erlangte er jedoch durch sein bis heute beliebtes Gedicht „Die Heinzelmännchen“.

Benjamin Rux (KK)

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Nicht so sehr um Wirklichkeit bemüht wie um Wahrheit, erschiene sie auch unwirklich: August Kopisch, Ein Schiff auf dem Meere von Delphinen umschwärmt. 1826/28. Öl auf Leinwand
Bild: Staatliche Museen zu Berlin, Nationalgalerie
Foto: Andres Kilger

Literatur und Kunst

Montag, 25. April 2016

Lüneburg wird Kant-Stadt

Das Museum Stadt Königsberg aus Duisburg geht mit seinen Beständen im Ostpreußischen Landesmuseum auf

Es ist kein alltägliches Ereignis, wenn ein ganzes Museum sich in ein anderes integriert und mit diesem verschmilzt. Genau das geschieht ab dem zweiten Quartal 2016 in Lüneburg: Das Ostpreußische Landesmuseum übernimmt alle Exponate des Museums Stadt Königsberg, das seit 1968 in Duisburg fast ein halbes Jahrhundert Bestand hatte.

Die Geschichte des alten Königsbergs endete am 9. April 1945. Seit 1946 heißt die Stadt Kaliningrad. Aber die ideelle Geschichte Königsbergs ging seitdem und geht auch heute weiter. 1949 schlossen sich die Königsberger zur Stadtgemeinschaft Königsberg (Pr) zusammen, vereinbarten 1951 einen Patenschaftsvertrag mit Duisburg und geben seit 1960 den „Königsberger Bürgerbrief“ heraus, eine interessante kulturhistorische Halbjahresschrift.

Königsberg bewahrte so seine geschichtlich gewachsene Strahlkraft. 1955 feierten 30 000 Königsberger in ihrer Patenstadt Duisburg das 700jährige Stadtjubiläum. Weitere große Treffen mit jeweils Tausenden von Königsbergern folgten bis in die 1980er Jahre. Seit 1968 wuchsen die Königsberger Sammlungen, allein auf Spendenbasis und unter ehrenamtlicher Betreuung, zunächst im Haus Königsberg, ab 1992 Museum Stadt Königsberg. Dort wurde Kulturgut gesammelt, das im Laufe der Zeit einen hohen Rang erreichte.

Klaus Weigelt (KK)

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Von links nach rechts: Eckhard Pols MdB, Lorenz Grimoni (Stiftung Königsberg), Dr. Jochen Mähnert (Ostpreußisches Landesmuseum), Klaus Weigelt (Stiftung Königsberg), Hiltrud Lotze MdB, Oberbürgermeister Ulrich Mädge, Hubertus Hilgendorff (Ostpreußische Kulturstiftung), Iris Buck (Stifterverband), Rolf-Dieter Carl (Ostpreußische Kulturstiftung),
Das Bild von Immanuel Kant hat Johannes Heydeck 1872 gemalt; das Original hängt in der Bibliothek der Parlamentarischen Gesellschaft in Berlin
Bild: Ostpreußisches Landesmuseum

Literatur und Kunst

Montag, 25. April 2016

Bund fürs Bild vom Land am Meer

Der Pommersche Künstlerbund, gegründet 1916 in Stettin und wiederbelebt 1979 in Düsseldorf, feiert Jubiläum

Der Pommersche Künstlerbund e. V., der im Sommer sein 100jähriges Gründungsjubiläum feiern kann, darf einen würdigen Platz inmitten der ältesten Künstlervereinigungen für sich in Anspruch nehmen, die sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts bildeten. Die berühmten Zusammenschlüsse von bildenden Künstlern wie „Die Brücke“, „Der Blaue Reiter“ und „de Styl“ oder die Malerkolonien Worpswede, Ahrenshoop und Schwaan sind in die Kunstgeschichte eingegangen, existieren heute aber nicht mehr. Dass es den Pommerschen Künstlerbund heute noch gibt, hängt ganz bestimmt mit seiner Beziehung zur nordischen Kultur und dem Lebensraum in Pommern zusammen, jenem Land am Meer, aus dem die Mitglieder stammen und aus dessen Wurzeln sie ihre künstlerischen Ambitionen und Auffassungen schöpfen.

Hans-Gerd Warmann (KK)

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Abstrakte Schönheit, der konkretesten Wildnis abgetrotzt:
Elise Borkowski, Steilküste
Bilder: Pommerscher Künstlerbund

Literatur und Kunst

Montag, 25. April 2016

„Die Linien des Lebens sind  verschieden“

Eckard Alker stellt zu seinem Achtzigsten aus

Der Spruch vom getreuen Eckart fällt einem beim Maler Eckard Alker nicht nur qua Assonanz mit Ludwig Tieck und der romantischen Novelle ein, sondern auch angesichts eines malerischen Werkes von großer Vielfalt bei merk-würdiger Konstanz. Diesem Künstler muss man den Spruch deshalb nicht „antun“. Er verdient keine Sprüche, seine Treue lebt er in seiner Kunst, die Treue zu seiner Frau, seiner Muse, und zu sich selbst. Seiner Krista hat er ganze Zyklen gewidmet, die Widmung besteht in seinem Schaffen nach ihrem Tod fort, er selbst bleibt sich gleich in stetiger Veränderung.

Georg Aescht (KK)

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Landschaft als Spiegel: 9. Mai 1336 (Petrarca auf dem Gipfel des Mont Ventoux)
Bilder (auch Titel und Seite 7): der Künstler

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