Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgabe 1400

Zu diesem Heft

Freitag, 25. Januar 2019

Jubiläen sind naturgemäß eher vergangenheitsträchtig denn zukunftsweisend. Dennoch hält man gern inne bei dem Gedanken, dass die schiere Quantität ja ohne Qualität nicht zustande gekommen wäre. Hinwiederum ist es nicht unverfänglich, just im Falle der Stiftung Deutsche Kultur im östlichen Europa – OKR und der von ihre herausgegebenen „Kulturpolitischen Korrespondenz“ von Quantität zu reden, ist doch seit der Jahrtausendwende ein kontinuierliches Schrumpfen, personell und publizistisch, zu verzeichnen, das durch typografische Verbesserungen beileibe nicht aufgewogen werden konnte. Dennoch haben Autoren und Redaktion nach Kräften versucht, den Qualitätsstandard zu halten – und nach jetzigem Kenntnisstand hat sich noch kein Leser aus Ungenügen und Unzufriedenheit abgewandt.

(KK)

 

Eugène Gustav Dücker, Strand auf Rügen. 1865. Öl auf Leinwand, 72 x 60 cm Kunstforum Ostdeutsche Galerie Regensburg, Inv.-Nr. 4834. Leihgabe der Bundesrepublik Deutschland. Foto: Kunstforum Ostdeutsche Galerie Regensburg

Die „Sitzenbleiber“ sitzen nicht

Freitag, 25. Januar 2019

Ostdeutsche Kultur als deutsches Identitätsproblem

Der deutsch-französische Publizist und Politikwissenschaftler Alfred Grosser kam 1952 bei seiner Analyse der Problematik der Oder-Neiße-Linie und der Vertreibungen zu dem Fazit: „Gewiss war die endgültige Festlegung der Grenze einem zukünftigen Friedensvertrag überlassen, aber die Duldung der Vertreibung aus den polnisch verwalteten Gebieten – samt Aufnahme so vieler Flüchtlinge in der englischen und amerikanischen Zone – entsprach einer Anerkennung der Endgültigkeit. Die ausdrückliche Anerkennung hatte nur de Gaulle in Moskau im Dezember 1944 ausgesprochen.“ (Alfred Grosser, „Mein Deutschland“, München 1996.) Damit hatte Grosser die damalige politische Situation der Bundesrepublik Deutschland klar beschrieben.

Klaus Weigelt (KK)

 

Sind das ostpreußische Farben? Lovis Corinth, Der Jochberg am Walchensee. 1924. Öl auf Leinwand, 65 x 88,5 cm Kunstforum Ostdeutsche Galerie Regensburg, Inv.-Nr. 6122. Foto: Kunstforum Ostdeutsche Galerie Regensburg

„Kulturnation Deutschland“ oder „deutsche Kulturnation“?

Freitag, 25. Januar 2019

Plädoyer für ein Kulturbewusstsein im Sinne der gesamten deutschen Kultur

Von der UNESCO bis zur Gemeindeverwaltung, deren Pressereferat die Eröffnung des Dorfmuseums verkündet, vom großen Leitmedium bis zur Vereinszeitung, die sich als Teil der Kulturnation Deutschland versteht, vom Europa-Abgeordneten bis hin zum Kommunalpolitiker – allenthalben wird von der „Kulturnation Deutschland“ gesprochen und geschrieben. Dabei liegt diesem Begriff zumindest ein Missverständnis zugrunde.
Die Kultur der Deutschen in und aus den Siedlungsgebieten Ost-, Mittel- und Südosteuropas genauso wie jene der Deutschen aus Russland sind wichtige Bestandteile der gesamtdeutschen kulturellen Identität, die begrifflich über die Staatsgrenzen hinausweist. Im üblichen Sprachgebrauch werden Teilbereiche deutscher Kultur über die Einengung auf die „Kulturnation Deutschland“ ausgegrenzt.

Der Philosoph Ludwig Wittgenstein, auf den der erkenntnistheoretische Ausspruch zurückgeht: „Sprache schafft Wirklichkeit“, stellte in seinen Werken stets den zwingenden Zusammenhang von Denken und Sprache heraus.

Christean Wagner (KK)

 

Dunkel, nicht dumpf:
Wolf Röhricht, Trauerfeier für Reichsaußenminister Gustav Stresemann. 1929. Öl auf Leinwand, 126 x 100 cm Kunstforum Ostdeutsche Galerie Regensburg, Inv.-Nr. 3896. Leihgabe der Bundesrepublik Deutschland. Foto: Kunstforum Ostdeutsche Galerie Regensburg. © Rechtsnachfolge nicht bekannt

Bewusstsein ist ein Ganzes

Freitag, 25. Januar 2019

Amputation als kulturelles Vergehen

Jubiläumsjahre bringen es an den Tag: Die Verkürzung der deutschen Geschichte auf das Geschehen im Gebiet der heutigen Bundesrepublik schreitet im Bewusstsein der Öffentlichkeit hierzulande erschreckend voran. Die Ausblendung der Geschehnisse in den ehemaligen östlichen Provinzen erfolgt selbst da, wo die dortigen Ereignisse grundlegend oder entscheidend für die weitere Entwicklung auch im Westen waren.
Das erlebten wir im Jahr 2013, in dem sich der Beginn der Befreiungskriege gegen die napoleonische Vorherrschaft in Mitteleuropa zum 200. Mal jährte. In dem Prozess der Herausbildung eines nationalen Selbstverständnisses der Deutschen spielten die Ereignisse des Jahres 1813 eine entscheidende Rolle. Der Kampf gegen die französische Besatzungsherrschaft unter Napoleon Bonaparte seit 1813 setzte auch eine politische Bewegung frei, welche die Ordnung Deutschlands und Europas im 19. Jahrhundert maßgeblich prägte und bis heute nachwirkt.

Hans-Günther Parplies (KK)

 

Raum der Be-Geisterung:
Wenzel Hablik, Dom-Inneres – Festhalle, Gondelkanal, Wasserkünste, leuchtende Gasglasballons. 1921. Öl auf Leinwand, 132 x 95 cm
Kunstforum Ostdeutsche Galerie Regensburg, Inv.-Nr. 14402. Leihgabe der Bundesrepublik Deutschland. Foto: Kunstforum Ostdeutsche Galerie Regensburg

Ein Ziel, viele Zielgruppen

Freitag, 25. Januar 2019

Deutsches Kulturerbe im östlichen Europa – Gedanken zur Zukunftsfähigkeit eines Auftrags

Bei der täglichen Auseinandersetzung mit dem Thema „Deutsches Kulturerbe im östlichen Europa“ ist es stets von neuem notwendig, sich selbstreflexiv der Frage nach dessen gesellschaftlicher Relevanz zu stellen – sofern man nicht im akademieähnlichen Elfenbeinturm allein der „zweckfreien“ Wissenschaft verpflichtet ist. Widmen wir uns diesem Thema also, weil vor rund 65 Jahren ein erstaunlich zukunftsorientierter und zukunftsfähiger Gesetzesparagraph geschaffen wurde und wir uns eben der Gesetzestreue verschrieben haben, oder gibt es da noch mehr, was uns Ansporn gibt und Verpflichtung ist?

Natürlich sind da in erster Linie jene Menschen, die im heutigen Deutschland leben und aus ehemals deutschen Ländern und Provinzen oder aus (teils noch bestehenden) deutschen Siedlungsgebieten stammen, deren Geschichte, Kultur, Identität es zu erhalten und anderen zu vermitteln gilt. Aber von den vielen Millionen Menschen, die durch Flucht, Vertreibung, Aussiedlung und Spätaussiedlung in die heutige Bundesrepublik gekommen sind, interessiert sich – leider – nur ein Bruchteil für diese kulturellen Aspekte ihrer Existenz.

Harald Roth (KK)

 

Dimensionen des Lichts: Dan Flavin, Untitled (for Otto Freundlich). 1990. Drei Elemente mit je fünf vertikal angeordneten Leuchtstoffröhren (L 120 cm) und im rechten Winkel dazu je eine kurze Röhre (L 60 cm) in den Farben Rosa, Gelb, Blau, Rot bzw. Grün
Kunstforum Ostdeutsche Galerie Regensburg, Inv.-Nr. 18828. Leihgabe der Bundesrepublik Deutschland. Foto: Kunstforum Ostdeutsche Galerie Regensburg, © Dan Flavin bei Estate of Dan Flavin – VG Bild-Kunst, Bonn 2019

Ostdeutsch – bundesdeutsch-polnisch – europäisch?

Freitag, 25. Januar 2019

Bewusstseinswandel im wissenschaftlichen und politischen Raum

„Wir lachen des hämischen Geredes über die willkürliche Entstehung des preußischen Staates, wenn wir die deutsche Großmacht der modernen Welt auf demselben Boden gefestet sehen, wo einst das neue Deutschland unserer Altvorderen, die baltische Großmacht des Mittelalters sich erhob. Und wer vermag das innerste Wesen von Preußens Volk und Staat verstehen, der sich nicht versenkt hat in jene schonungslosen Rassenkämpfe, deren Spuren, bewusst und unbewusst, noch in den Lebensgewohnheiten des Volkes geheimnisvoll fortleben? Es weht ein Zauber über jenem Boden, den das edelste deutsche Blut gedüngt hat im Kampfe für den deutschen Namen und die reinsten Güter der Menschheit.“

Nicht etwa in den 20er, 30er Jahren des 20. Jahrhunderts wurde dies geschrieben, sondern 1862 von Heinrich von Treitschke, einem damals noch nationalliberalen Historiker und politischen Schriftsteller, der später zum preußischen „Hofhistoriographen“ wurde.

Udo Arnold (KK)

 

Metaphorisch, gleichwohl realitätsgetreu: Willy Jaeckel, Russische Landschaft. 1919. Öl auf Leinwand,
120 x 120,5 cm
Kunstforum Ostdeutsche Galerie Regensburg, Inv.-Nr. 4837. Leihgabe der Bundesrepublik Deutschland. Foto: Kunstforum Ostdeutsche Galerie Regensburg

Bei der historischen Wahrheit hört die künstlerische Großzügigkeit auf

Freitag, 25. Januar 2019

Die „Kulturpolitische Korrespondenz“ begleitete mich durch Jahrzehnte meines Lebens

Ich erinnere mich nicht mehr, wann ich das erste Mal eine Ausgabe der „Kulturpolitischen Korrespondenz“ in die Hände bekam, es muss aber bereits in den ersten Jahren nach ihrer Gründung gewesen sein; jedenfalls entschloss ich mich sogleich zum Abonnement dieser besonderen Zeitschrift. Ihr Inhalt wie auch ihr Format sagte mir sofort zu.

Beim Lesen in der Bahn – zum Beispiel – belästigte man beim Umblättern keinen Mitreisenden, außerdem ließen sich einzelne interessante Artikel leicht herauslösen, damit sie dann in passender Größe in einem Ordner problemlos untergebracht wurden. Natürlich hatte die Wahl des DIN-A4-Formates und der nur einseitige Druck einen ganz anderen Grund. Er war damals noch für die Klemmbretter der Setzer an ihren Linotypes konzipiert worden, denn die KK richtete sich zunächst an andere Druckerzeugnisse, Periodika und Herausgeber von Anthologien, war also zum Weiterreichen verschiedener Inhalte an andere Printmedien gedacht worden.

Monika Taubitz (KK)

 

Wenn der Dichter malt:
Adalbert Stifter, Das Vonwiller-Haus in Neuwaldegg. 1841. Öl auf Pappe, 29,5 x 33 cm
Kunstforum Ostdeutsche Galerie Regensburg, Inv.-Nr. 902. Leihgabe der Bundesrepublik Deutschland. Foto: Kunstforum Ostdeutsche Galerie Regensburg

Identität hat man nicht, man schafft sie

Freitag, 25. Januar 2019

Wie nah oder fern stand mir die „Kulturpolitische Korrespondenz“ in den vergangenen fünf Jahrzehnten?

„Es war einmal ein Tag, da wollte ich einen Blick in die Zukunft tun. Einen winzigen nur, allerdings. Nach einigen vorangegangenen Einblicken in das, was doch demnächst Vergangenheit sein sollte, bin ich nicht mehr neugierig auf morgen. Das Kommende kommt, habe ich gelernt. Das Geschehende geschieht. Es geschieht mit mir über mich hinweg. … Was immer ich nach Gutdünken wähle, wird Folgen haben, deren Wendungen ich nicht voraussehe. Sie werden mitbestimmt von der Zeit. Sie verlaufen darin, wie alles sich in der Zeit verläuft. Dass es gewesen ist, davon zeugt allein, was sich davon erzählen lässt. Die Welt ist ein ungeheuerlicher Speicher von erzähltem Wiedererzählbaren.“

Mit diesen Worten beginnt der Bukowiner Schriftsteller Gregor von Rezzori seinen autobiografischen Roman „Mir auf der Spur“.

Ortfried Kotzian (KK)

 

Erschütterung, ins Bild gebannt: Gerhard Hoehme, Seismographisches. 1957. Öl auf Leinwand, 100 x 80,5 cm
Kunstforum Ostdeutsche Galerie Regensburg, Inv.-Nr. 17882. Leihgabe des Landes Nordrhein-Westfalen. Foto: Kunstforum Ostdeutsche Galerie Regensburg, © VG Bild-Kunst, Bonn 2019

Im Auge Mitteleuropas

Freitag, 25. Januar 2019

2800 Kilometer Habsburg – von Niederschlesien ins Sudetenland 2018

Wer heute das niederschlesische Riesengebirgsvorland, Teile Mittelböhmens und des ehemaligen Österreich-Schlesien (eines Teils des Sudetenlandes) bereist, tut das im Bewusstsein, dass alle diese Gebiete über Jahrhunderte habsburgisch regiert und geprägt wurden. Wir überzeugten uns 2018, hundert Jahre nach der Gründung der Tschechoslowakei, ein Dreivierteljahrhundert nach der fast völligen Vertreibung der angestammten deutschen Bevölkerung auf beiden Seiten des auch heute wieder eine Grenze bildenden Gebirgszuges der Sudeten von den historischen Heimstätten, dem Schicksal der schlesisch-sudetendeutschen Menschen und den Verlusten der Kriegs- und Nachkriegszeit, aber auch von den Bemühungen, das materielle und geistige Erbe auf der Grundlage des europäischen Humanismus zu erhalten und weiterzutragen. Aus wilder Wurzel entstand Hirschberg zwischen Boberkatzbach- und Riesengebirge.

Rüdiger Goldmann (KK)

 

Boden-Schätze: Ida Kerkovius, Steinbruch. Um 1925. Öl auf Leinwand, 58 x 74 cm Kunstforum Ostdeutsche Galerie Regensburg, Inv.-Nr. 20004. Schenkung Sammlung Schurr. Foto: Kunstforum Ostdeutsche Galerie Regensburg, © Familienarchiv Kerkovius, Uwe Kerkovius, Wendelstein

Wo in Westpreußen liegt Woldenstein?

Freitag, 25. Januar 2019

Über Theodor Fontanes späte virtuelle „Wanderung“ ins Weichselland und zu dessen Bürgergesellschaft

Das Fontane-Jahr 2019 ist eingeläutet – es gilt einen der Großen des bürgerlichen Realismus im 19. Jahrhundert zu feiern. Die vorerst letzten grundlegenden Biographien sind bereits erschienen, Zeitungen und Journale ergänzen mit kuriosem oder bildhaftem Beiwerk, und am 30. März beginnt mit einem Festakt im Heimatort Neuruppin das große Feiern mit Spektakeln jeder Art. Da der Geburtstag erst am vorletzten Tag des Jahres liegt, gibt es viel Zeit und Raum, um dem vielschichtigen Wirken dieses wahrhaften „Schreibkünstlers“ nachzugehen.

Schon seine mehrbändigen „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“, jenes einzigartige Zusammenspiel von Geschichte, Kunst und Literatur, geben genug Veranlassung, sich z. B. der nach 1989 „erneuerten“ Provinz zwischen Elbe und Oder zu widmen.

Peter Letkemann (KK)

 

Was alles mag hier gewesen sein? Robert Gustav Meyerheim, Danzig – Poggenpfuhlstraße. Um 1870. Öl auf Leinwand, 85 x 68 cm Kunstforum Ostdeutsche Galerie Regensburg, Inv.-Nr. 11135. Foto: Kunstforum Ostdeutsche Galerie Regensburg