Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1301.

„Abends auf dem Berg“ am Rhein

Der Deutsch-Rumänische Kulturkreis in Köln beschäftigt sich mit rumänischer Lyrik, aber auch mit ganz und gar Unlyrischem

Ein doppeltes Paul-Celan-Gedenken – mit Anni-Lorei Mainka und Andrei Baleanu als Referenten – war das Thema eines aktuellen Treffens des Deutsch-Rumänischen Kulturkreises „Dialog“ in Köln. Seit mehr als zehn Jahren finden hier die Treffen dieses originellen Gesprächskreises statt, der sich zum Ziel gesetzt hat, einen Beitrag zur Förderung rumänischer und deutscher Kultur zu leisten, im Sinne der traditionellen Beziehungen zwischen dem deutschen Sprachraum und Rumänien.

Sowohl die freundliche und zwanglose Atmosphäre des Austausches, der frei von Vorurteilen und ohne Anspruch auf definitive Schlüsse stattfindet, als auch das intellektuelle Niveau des Meinungsaustausches haben dem Kulturkreis „Dialog“ ein treues Publikum beschert. An diesen Gesprächen nehmen deutsche und rumänische Intellektuelle teil, die an der Kommunikation zwischen den beiden Kulturen interessiert sind.

Die langjährigen deutsch-rumänischen Kulturbeziehungen stehen im Mittelpunkt der Programme. Sie bildeten den Schwerpunkt des Vortrages „Siebenbürgen – eine europäische Kulturlandschaft“, der von Renate Göckler-Timoschenko gehalten wurde. Im Rahmen eines anderen Treffens hat Karin Böllmann über „Deutsche Kirchenburgen in Siebenbürgen und deren Einfluß auf die rumänischen Gemeinden“ referiert. Unter den Veranstaltungen, die eine besondere Aufmerksamkeit genossen haben, waren zum Beispiel „Abends auf dem Berg – ein lyrisch-musikalischer Streifzug durch Rumänien“, eine zweisprachige Lesung klassischer rumänischer Lyrik, ausgewählt und nachgedichtet von Birgit Welther, „Rumänien und die Europäische Union“, ein Vortrag des Journalisten Zanel Fruchtmann, „Carmen Sylva – Prinzessin vom Rhein, Königin der Karpaten“, eine Präsentation, in der auch ein von der bekannten rumänischen Fernsehautorin Marilena Rotaru gedrehter Dokumentarfilm vorgeführt wurde, ,,Deutschland und Rumänien im Ersten Weltkrieg“ (Referent: Michael Wittmann) oder der Vortrag von Erzpriester Radu Constantin Miron, Ökumene-Referent für die Orthodoxe Ökumenische Metropolie in Deutschland, über „Das orthodoxe Leben in Deutschland in einer ökumenischen Perspektive“. Zusammen mit Dr. Martin Bock, dem Leiter der Melanchthon-Akademie und damals Ökumenepfarrer im Evangelischen Kirchenverband Köln und Region, bestritt Radu Constantin Miron ein weiteres Referat über das Dritte Europäische Ökumenische Treffen, das im Sommer 2007 in Hermannstadt, der damaligen europäischen Kulturhauptstadt, stattgefunden hat. Das sind nur einige Beispiele, die die Vielfalt der Themen veranschaulichen, die den Interessenbereich von „Dialog ausmachen.

Der Deutsch-Rumänische Kulturkreis hat in letzter Zeit auch bei einigen Veranstaltungen der evangelischen Melanchthon-Akademie in Köln mitgewirkt, in deren Räumen die „Dialog“-Treffen im übrigen stattfinden. So wurde der Vortrag „Rumänien im Zweiten Weltkrieg – ein Land zwischen zwei Diktaturen“ ins Programmheft der Melanchthon-Akademie aufgenommen, als Teil der Vortragsreihe „ Schwerter zu Pflugscharen – 70 Jahre seit Ausbruch des Zweiten Weltkrieges am 1. September 1939“. Das gehaltreiche Referat von Alexander Timoschenko hat das Publikum mit den neuesten Ergebnissen der Recherchen in russischen, britischen, polnischen und rumänischen Quellen zu diesem Thema bekannt gemacht.

Ein weiterer Beitrag des Kulturkreises zu den Veranstaltungen der Melanchthon-Akademie waren neuerdings die Referate „Die Reformation und das Schulwesen in Siebenbürgen“ von Renate Göckler-Timoschenko und „Der Einfluß der Reformation auf das kulturelle Leben in der Moldau im 16. Jahrhundert“ von Alexander Timoschenko, die zusammen mit den Hauptreferaten von Dr. Martin Bock, dem Leiter der Akademie, und Prof. Berthold Köber (ehemaliger Professor für ev. Theologie in Hermannstadt, jetzt Pfarrer in Köln) die Tagesveranstaltung mit dem Thema „Melanchthon und die Reformation – Impulse für das Bildungswesen in Siebenbürgen“ mitgestalteten. Die Veranstaltung fand als Rahmenprogramm zur Wanderausstellung „Von Wittenberg bis Siebenbürgen“ statt, einer Dokumentations-Ausstellung, die im Melanchthon-Gedenkjahr 2010 zu Gast in der Akademie war.

„Das Gespräch ist die Mutter des Segens.“ So schrieb vor 450 Jahren der große deutsche Humanist Philipp Melanchthon. Unter diesem Motto wurde 2010 das „Melanchthon-Jahr“ gefeiert. Dem gleichen Motto hat sich auch der Deutsch-Rumänische Kulturkreis „Dialog“ in Köln verschrieben.

Avram Rotenberg (KK)

«

»