Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
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Ausgaben: Ausgabe 1252.

„Alt.arm.allein“

Leider ist der Zusammenhang so eng, wie das Schriftbild es zeigt

Im Vorgriff auf die Pfingstaktion 2008 stand das diesjährige, das 15. Renovabis-Partnerschaftstreffen unter dem eigenwillig formulierten Thema „Alt.arm.allein“. 134 Teilnehmer aus Deutschland und den ostmitteleuropäischen Nachbarstaaten analysierten in Freising die Situation der Alten in Tschechien, Rumänien und Ungarn.

Im Jahre 2025 wird ein Drittel der Bevölkerung Europas über 60 Jahre alt sein und die Zahl der über 80jährigen steigen. „Die Alten“, so P. Dietger Demuth, Hauptgeschäftsführer von Renovabis, „sind die eigentlichen Verlierer des Transformationsprozesses.“

Wo Rentner, die meist ein Fünftel der Bevölkerung ausmachen, monatlich nicht einmal 100 Euro zur Verfügung haben, Alten- und Pflegeheime nicht ausreichen, Hospize weitgehend fehlen und in kleinen Stadtwohnungen für Schwerkranke und Sterbende kein Platz ist, muß die Kirche helfen.

Die Vizepräsidentin der Union Europäischer Ordensobernkonferenzen, Adrien Peko SSND, berichtete aus Ungarn, daß Bewohner staatlicher oder privater Heime, die den Pflegesatz  nicht bezahlen können, einfach auf die Straße gesetzt werden. Ein trauriger Beweis dafür, daß aus dem Musterland Ungarn ein europäisches Sorgenkind geworden ist. Dem will Sr. Adrien mit ihren Mitschwestern entgegenarbeiten. Ihr Ziel ist es, den „Alten möglichst viele glückliche Jahre zu verschaffen“. Derzeit gibt es nur für 2,2 Prozent der über 60jährigen einen Heimplatz. Wichtig ist also die Hausversorgung durch eine Sozialstation.

Claudio Nicusan, Generalsekretär der Griechisch-Katholischen Caritas im rumänischen Blaj/Blasendorf, spricht von der guten Zusammenarbeit mit der römisch-katholischen Kirche und beklagt das Desinteresse der Rumänisch-Orthodoxen, die sich auf die Feier ihrer Liturgie beschränken. Auch er sieht die Lösung der drängenden Probleme im Ausbau von Sozialstationen. Die Heimsituation erklärt er so: „Wird eine Spritze gesetzt, so zahlt der Staat die Krankenschwester, für die Spritze selbst braucht es einen anderen Leistungsträger.“

Der Staat zahlt also bei der Altenbetreuung fünfzig Prozent. Ein neues Gesetz ist allerdings gerade in Kraft getreten, dessen Auswirkungen noch unbekannt sind. Sekten treten auf den Plan.
Mgr. Lenka Litomiska aus dem tschechischen Horni Radechova geht es um die verbesserte palliative Pflege und Hospizarbeit. Sie sieht bei vielen Älteren die Menschenwürde verletzt und kümmert sich um psychologische, soziale und seelsorgerische Aspekte bei der Pflege von Schwerkranken. Nur 40 Prozent der Tschechen sind überhaupt Mitglied einer christlichen Kirche. Demgegenüber nimmt die Caritas als amtlicher katholischer Träger von sozialem Engagement eine relativ starke organisatorische und finanzielle Position ein.

Norbert Matern (KK)

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