Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
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Ausgaben: Ausgabe 1285.

„Botschafterin des Positiven“

Daß Kardinal Meißner es wissen muß und sie zu Recht so genannt hat, zeigt Elisabeth Munker mit einer Ausstellung im Haus Schlesien

Inspirationsquelle für eines ihrer ersten naiven Bilder war ein Winteraufenthalt der Schlesierin Elisabeth Munker in Bayern. Es war das Motiv eines Schlittschuhläufers, der es ihr in den 70er Jahren besonders angetan hatte. Später entstanden weitere Malereien, in denen Munker neben Erinnerungen an ihre frühere Heimat auch Ereignisse und Eindrücke aus ihrem neuen Lebens- und Schaffenskreis rund um Bonn, Persönlichkeiten des politischen und Gesellschaftslebens sowie Alltagsszenen und Feste festhielt.  Ihr Landsmann Joachim Kardinal Meisner – der übrigens auch zu jenen Persönlichkeiten gehört, die Munker gemalt hat – nennt die Künstlerin eine „Botschafterin des Positiven“.

Die 1920 in Breslau geborene Künstlerin denkt gerne an vergangene Zeiten und ihre frühe Leidenschaft für die Malerei zurück: „Schon als Kind – so lange ich zurückdenken kann – habe ich gern gemalt und gezeichnet, angeleitet durch meinen Vater, der sehr gut zeichnete. Mit ihm waren wir oft mit Klappstühlen und Zeichenutensilien in Breslau oder im Riesengebirge unterwegs.“

Unter dem Titel „Im Wandel der Jahreszeiten“ ist im Eichendorff-Saal von Haus Schlesien in Königswinter-Heisterbacherrott bis zum 28. Februar 2010 eine Sonderausstellung mit naiven Gemälden von Elisabeth Munker zu besichtigen. Hier sind Bilder wie „Januar 1945 – Flucht aus dem brennenden Breslau“ (1990) und „Mai 1945 – Gefangenschaft in der Tschechei“ ausgestellt, in denen Munker traurige Erinnerungen verarbeitet. Aber auch viele fröhliche Gesichter und vor allem Volksfeste zu wechselnden Jahreszeiten und in unterschiedlichen Regionen sind zu sehen. Eine Atmosphäre der „heilen Welt“ strahlen naive Gemälde wie „Weihnachten beim Bonner Marktplatz“ (1990) sowie „Weihnachtskonzert in Immenstadt/Allgäu“, „Nikolausmarkt in Köln“ und „Krippe beim Kloster Heisterbach“ (1996) aus.

Herausragende Arbeiten der Künstlerin stellen auch die Jahrhunderthalle von Breslau im Winter, das Haus Schlesien im Sommer und den Bonner Ort Küdinghoven mit dem Maikönigspaar im Frühling sowie ein „Schlachtfest beim Großvater“ im Herbst dar. Dem Wechsel der Jahreszeiten gewinnt sie stets einen neuen Reiz  ab. In allen Bildern fallen die zahlreichen, liebevoll gestalteten Details auf, mit denen sowohl die Menschen als auch die Gebäude gekennzeichnet werden. Die Malmanier ist farbenfroh und unkompliziert, die Motive wirken verspielt und machen einen auf den ersten Blick unbekümmert bodenständigen Eindruck.

Die rüstige 89jährige war bei der Vernissage in Königswinter anwesend, vor allem aber erfrischend präsent  und begleitete wißbegierige Besucher mit ihren Erläuterungen durch die Ausstellung.

(KK)

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