Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1258.

„Das Jahrbuch als Heimatkompendium“

Tagung für Autoren, Herausgeber, Ortschronisten und Familienforscher

Anfang Mai veranstaltete die Stiftung Haus Oberschlesien in Ratingen (Hösel) eine internationale Tagung, die sich an interessierte Schlesien- und Heimatforscher wandte. Damit setzte die Stiftung wieder einen wichtigen Akzent. Diese Tagung erwies sich als ein Schritt zur stärkeren Vernetzung von Schlesienforschern in Deutschland, Polen und Tschechien.

Seit 1985 gibt die Stiftung das renommierte „Oberschlesische Jahrbuch“ heraus. Es ist auch ein Heimatkompendium, obwohl es ursprünglich als wissenschaftliches Organ für die Geschichte und Kultur Oberschlesiens entstand. Darin wird seitdem der Forschungsdiskurs mitgestaltet. Im Rahmen der Tagung konnte auch das neu gestaltete Fachinformationszentrum Schlesien–Mähren–Böhmen präsentiert werden. Den Heimatforschern bietet es einzigartige Informationen und Quellen. Diese Anlaufstelle sammelt neue Forschungsergebnisse und Materialien und hilft zukünftig den Informationsfluß zu koordinieren.

Mit der Tagung wurde ein bewährter Weg neu beschritten, auf dem man interessierte Fachkreise erreichen will. Diesmal stand die Zukunft und Funktion des Jahrbuches im Vordergrund der Beratungen, wobei auch neue Forschungsfelder betrachtet wurden. Dabei ergaben sich schon viele Themenkreise, die in den nächsten Jahren regelmäßig bei weiteren Tagungen behandelt werden können.

Nach den Begrüßungsworten des Stiftungsdirektors Dr. Stephan Kaiser und dem Grußwort von Johannes Lierenfeld aus der Staatskanzlei des Landes Nordrhein-Westfalen führte Prof. Dr. Waldemar Grosch (Freiburg) die zahlreichen Teilnehmer in die Thematik ein und erläuterte die Bedeutung des Oberschlesischen Jahrbuches für die Wissenschaft, Forschung und Bildung. Als erster Redner referierte Dr. Wolfgang Kessler, Direktor der Martin-Opitz-Bibliothek (Herne) über die historische Entwicklung schlesischer Periodika. Dabei schlug er einen Bogen über die regionale Entstehung solcher Schriften, die zunächst in Breslau, dann auch in Kattowitz zustande kamen, zum heutigen Bestand. Besonders berücksichtigte er die Bestände in den deutschen Einrichtungen. Im Anschluß daran stellte Dr. Margret Wensky (Bonn) neue Handreichungen zur Geschichte Nordrhein-Westfalens vor. Der Druck modernster kartographischer Werke und ihre Digitalisierung erleichtern heute die Arbeit zahlreicher Heimatforscher aufgrund besserer Informationsmöglichkeiten.

Wie die Forschungs- und Publikationstätigkeit in Oberschlesien aussieht, stellte Dr. Peter Chmiel (Oppeln) anhand der Herausgabe von Regionalperiodika in Schlesien vor und skizzierte dabei neue Tendenzen. Von besonderem Interesse waren die Ausführungen zweier Vertreter oberschlesischer Archive, die jeweils die Bestände der eigenen Einrichtung vorstellten und wichtige Hinweise zur Benützung und Zusammenarbeit mit ausländischen Interessenten gaben. Während Miroslaw Wecki auf die Geschichte und gegenwärtige Situation des Staatsarchivs in Kattowitz einging, sprach Dr. Piotr Górecki vom Diözesanarchiv in Gleiwitz über die Möglichkeiten der Familienforschung in oberschlesischen Kirchenarchiven, die von deutschen Heimatforschern verstärkt aufgesucht werden. Im Anschluß wurde in einer Generaldebatte über die Möglichkeiten weiterer Vernetzung und intensivere Zusammenarbeit gesprochen.

Die erfolgreiche Tagung verdeutlichte die Wandlungsprozesse im grenzüberschreitenden wissenschaftlichen Dialog. Dr. Stephan Kaiser betonte, daß es regelmäßiger Treffen bedürfe, um zeitnah die neu sich bietenden Möglichkeiten nutzen zu können. Die besseren Chancen zur Einsicht in historische Unterlagen führen dann auch zu weiteren Ergebnissen. Das rege Interesse an der Tagung und die vielen Fachgespräche zur Heimatforschung sind ein Beleg, wie wichtig solche Treffen sind. Das Haus Oberschlesien ist ein geeigneter Ort für die Begegnung von Schlesienforschern mit den vielen an Schlesien Interessierten.

(KK)

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