Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1274.

„Lupenrein“ nicht, jedoch reinen Sinnes

Paul Löbe und Carl Ulitzka, zwei schlesische Demokraten, die mit der Weimarer Republik gescheitert sind, aber nicht in ihrem Anliegen

Weimar 1919: Die Monarchie hatte abgedankt. Deutschland war zum ersten Mal eine parlamentarische Demokratie. Unter den 421 Abgeordneten der Weimarer Nationalversammlung waren Paul Löbe (1875–1967) und Carl Ulitzka (1873–1953) – beide aus Schlesien, beide in ihrer Heimat beliebt und einflußreich. Sie engagierten sich in den Parteien, die wesentliche Stützen der Weimarer Demokratie waren: in der SPD und in der katholischen Zentrumspartei. Löbe und Ulitzka waren nicht immer derselben Meinung, aber sie standen gemeinsam ein für die Sache der Demokratie.

Regierungen und Koalitionen wechselten dauernd, doch Paul Löbe bekleidete als Reichstagspräsident elf Jahre lang das zweithöchste Amt im Staat. Carl Ulitzka wirkte als Pfarrer in Ratibor und trat als leidenschaftlicher Anwalt Oberschlesiens auf – vor Ort wie auch bei den Reichstagsdebatten in Berlin.

Als Demokraten und Abgeordnete des letzten freien Reichstags wurden sie in der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt. Nach dem Zweiten Weltkrieg verloren sie ihre Heimat. Paul Löbe konnte in der Bundesrepublik sein politisches Wirken fortsetzen. Er eröffnete als Alterspräsident die erste Sitzung des Deutschen Bundestages 1949. Carl Ulitzka dagegen lebte als Seelsorger im Ostteil von Berlin und trat politisch nicht mehr in Erscheinung. Die Lebensläufe sind eng verbunden mit der Geschichte der Demokratie .

Dr. Michael Parak, Kulturreferent für Schlesien beim Schlesischen Museum zu Görlitz, erarbeitete mit Markus Lammert und mit finanzieller Unterstützung durch das Sächsische Staatministerium des Innern eine Ausstellung, die anhand bisher unveröffentlichter Fotos und Dokumente sowie Ton- und Filmausschnitte das politische Wirken von Paul Löbe und Carl Ulitzka veranschaulicht.

(KK)

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