Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
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Ausgaben: Ausgabe 1280.

„Schwankt sein Charakterbild“ denn immer noch?

Eine Ausstellung im Haus der Heimat Stuttgart versucht die vielen Facetten der Persönlichkeit Wallensteins nachzuzeichnen

Von Albrecht von Wallenstein (1583–1634) geht eine ungebrochene Faszination aus. Kaum eine andere historische Persönlichkeit wirkte so polarisierend auf Zeitgenossen wie rückblickende Beobachter. Friedrich Schiller machte ihn mit seiner 1798 am Weimarer Hoftheater uraufgeführten Trilogie populär: Wallenstein, Generalissimus des Dreißigjährigen Krieges, 1634 in Eger heimtückisch ermordet. Unter dem nachhaltigen Eindruck des dramatischen Werkes von Schiller wurde Wallenstein, Mitglied einer altehrwürdigen Familie des böhmischen Herrenstandes, zu einer, wenn nicht gar zu der Schlüsselfigur deutscher Nationalerinnerung.

Wer war dieser 1583 im böhmischen Hermanitz geborene Albrecht Wenzel Eusebius von Wallenstein? In einer vom Haus der Heimat des Landes Baden-Württemberg in Stuttgart konzipierten neuen Ausstellung erzählen zahlreiche Originalexponate vom steilen Aufstieg und tragischen Ende des Feldherrn, Kriegsunternehmers und Bauherrn aus Böhmen. Am Beispiel des Astrologen Johannes Kepler wird die Beziehung Wallensteins zur Astrologie dokumentiert. Der Bericht eines Söldners im Heere Wallensteins, Schlachtenbeschreibungen und zeitgenössische Lieder vermitteln darüber hinaus auch die Schrecken des Dreißigjährigen Krieges aus der Perspektive der Soldaten und die Leiden der Zivilbevölkerung.

Die Ausstellung „Wallenstein. Feldherr – Verräter – Friedensvisionär" wird am 24. September im Haus der Heimat in Stuttgart eröffnet. Zum umfangreichen Begleitprogramm gehören Vorträge, szenische Lesungen und Führungen. In Kooperation mit dem Regierungspräsidium Stuttgart, Abteilung Schule und Bildung, stellt das Haus der Heimat Schulklassen und Lehrern ein besonderes Besuchsprogramm mit modernen Unterrichtsmedien und Arbeitsblättern zur Verfügung. In Zusammenarbeit mit dem Historischen Institut der Universität Stuttgart und dem Haus der Geschichte Baden-Württemberg findet vom 8. bis zum 10. Oktober 2009 unter dem Titel „Wallensteinbilder im Widerstreit. Eine historische Symbolfigur in Geschichtsschreibung und Literatur vom 17. bis zum 20. Jahrhundert" ein internationales Symposium von Historikern in Stuttgart statt. Dabei soll näher betrachtet werden, welche Züge das Wallensteinbild im Wandel der Epochen in Geschichtsschreibung und Literatur charakterisierten. Den im Gefolge von Schiller extrem polarisierten Wallensteinbildern im deutschsprachigen Raum wird die Darstellung Wallensteins in der tschechischen Geschichtsschreibung gegenübergestellt.

(KK)

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