Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1283.

„Speckpater“ und „Maschinengewehr Gottes“

Zwei Patres, die ganz oder vorwiegend im Dienst der Heimatvertriebenen gestanden haben, dem Prämonstratenser Werenfried van Straaten (1913–2003) und dem Jesuiten Johannes Leppich (1915–1992) widmet Dechant Markus Trautmann aus dem westfälischen Dülmen eine mit vielen Fotos angereicherte Doppelbiographie. Sie ist durchsetzt mit zahlreichen autobiographischen Notizen des Niederländers aus einem belgischen Kloster und des Oberschlesiers aus Ratibor, wo es heute eine Pater-Leppich-Allee gibt.

Beide begannen 1948, angerührt von der Not der Heimatvertriebenen, der Arbeiter in den zerstörten Betrieben und der vom Atheismus bedrohten Jugendlichen. Beschrieben wird die Härte des Noviziats, dem Werenfried zunächst gesundheitlich nicht gewachsen war, die fast gleichzeitige „Berufung" der beiden zur großen Aufgabe, bei Leppich seine kurze Kaplanszeit in Gleiwitz, wo er den Einmarsch der Roten Armee erlebte, und die Seelsorge in Breslau bis zur Ausweisung 1946. In Deutschland war Leppich zunächst Flüchtlingsseelsorger.

Pater Werenfried und Pater Leppich zeigten sich – in ihren verschiedenen Wirkungsbereichen – bei ihren Streifzügen durch die westdeutsche Nachkriegswirklichkeit erschüttert von den Ausmaßen sozialer Verwahrlosung. Der „Speckpater" und das „Maschinengewehr Gottes" warnten gleichermaßen vor einer „Proletarisierung breiter Bevölkerungsschichten". Ins Licht gerückt werden Königstein als Initiative des Vertriebenenbischofs Maximilian Kaller, das Entstehen der Ostpriesterhilfe und der Kongreß „Kirche in Not".

Erratum: Vertriebenenbischof Kaller starb nicht in Königstein, sondern in Frankfurt/Main.

Norbert Matern (KK)

Markus Trautmann: Mit Glaubensglut und Feuereifer. Werenfried van Straaten und Johannes Leppich. Patris Verlag, Vallendar 2009. 255 S., 9,90 Euro

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