Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1393.

Abgründe gähnen nicht immer

Sie können einen auch anlachen, zeigt das Donauschwäbische Zentralmuseum mit zwei Ausstellungen

Nein, es sind keine Achtundsechziger, aber auch für sie war, wie es aussieht, alles drin. Nur kam wenig dabei heraus: Deutsches Theater Temirtau-Almaty, 1985 Kasachstan
Bild: Museum

Die Wanderausstellung „Deutsche aus Russland. Geschichte und Gegenwart“ macht bis zum 3. Juli 2018 Station im Donauschwäbischen Zentralmuseum Ulm. Anschließend wird die Dokumentarschau bis zum 17. Juli im Ulmer Rathaus zu sehen sein. Vor dem Hintergrund, dass fast 7000 Einwohner der Stadt Deutsche aus Russland sind und sie somit die zweitgrößte internationale Bevölkerungsgruppe darstellen, ist das Interesse der Öffentlichkeit an diesem Thema entsprechend groß.

Um Kultur, Werte und Weltanschauung der Menschen mit deutschen, aber auch mit russischen Wurzeln besser nachvollziehen zu können, ist ein Rundgang durch die Wanderausstellung empfehlenswert.

Schwerpunkt des Projektes ist die Aufklärung über Aussiedler unter den Jugendlichen und die Präsentation der Ausstellung in den Schulen, die dem Abbau der immer noch bestehenden Informationsdefizite und Vorurteile über Deutsche aus Russland dient. Vermittelt wird u. a., dass die Kulturgeschichte dieser Bevölkerungsgruppe stark von der Migration geprägt ist und dass für sie der Begriff „Heimat“ eine zentrale Rolle spielt. Fragen und Antworten rund um Bikulturalität und Integration ergänzen die Schau.

Die Ausstellung stellt im ersten Teil die sechs deutschen Siedlungsgebiete im ehemaligen Russischen Zarenreich vor: Wolga, Schwarzes Meer, Kaukasus, Bessarabien, Wolhynien und die deutschen Siedlungen im Baltikum. Der zweite Teil befasst sich mit der Rückkehr der Deutschen aus Russland und der ehemaligen UdSSR in das Land ihrer Vorfahren seit 1988.

Bei der Vernissage (20. Juni) sprachen Christian Glass, Direktor des DZM, und Iris Mann, Bürgermeisterin der Stadt Ulm, Grußworte. Der Projektleiter Jakob Fischer führte in die Ausstellung ein und präsentierte Filme. Bei Begegnungstagen hält er Vorträge zum Thema „Geschichte und Kultur der Deutschen in Russland und ihre Integration in Deutschland“. Er organisiert nach Vereinbarung auch Führungen für Gruppen und Schulklassen.

Die Hölle sind nicht nur die andern, die Hölle, das bin auch ich (André Heller). Drum baue ich mir dahinter ein kleines Paradies, mag sich der rumänische Wanderarbeiter gesagt haben
Bild: Petrut Calinescu; Museum

Die Sonderschau war übrigens ein Bestandteil der Veranstaltungsreihe „Von Rodina zu Heimat: Deutsch-Russische Kulturtage“, die vom 20. bis zum 23. Juni 2018 in Ulm stattgefunden hat. Die vom Bundesministerium des Innern, Berlin, und dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, Nürnberg, geförderte und von der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland e. V. bundesweit gezeigte Präsentation ist zur Zeit in mehreren identischen Fassungen verfügbar.

Bis Ende Oktober 2018 ist im Ulmer DZM eine Präsentation über die unbekannte Seite von Arbeitsmigration innerhalb Europas von Ost nach West zu besichtigen. Das Internationale Forschungs- und Ausstellungsprojekt beleuchtet die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Hintergründe und hebt auch die kulturellen Auswirkungen des sozialen Phänomens hervor.

Viele Frauen und Männer aus Rumänien, Serbien oder Kroatien versuchen, den Lebensunterhalt für sich und ihre Familien im Ausland zu verdienen. Sie träumen vom Wohlstand und vom eigenen Haus, sie befinden sich ständig im Spagat zwischen zwei Welten. In Deutschland, Italien oder Spanien leben die Arbeitsmigranten sparsam, sie schicken ihrer Familie Geld und investieren auch in den Bau eines Hauses in ihrem Heimatort. Auch wenn dieses den Großteil des Jahres unbewohnt ist, symbolisiert es dennoch den Mut und den Erfolg ihrer Erbauer.

In der Ausstellung „Schöne neue Welt. Migranten – Traumhäuser“ sind Fotografien von Petrut Calinescu, Ivana Masnikovic-Antic, Bojan Mroenovic und Gavrilo Masnikovic zu sehen. Die Bilder zeigen verschiedene von Migranten geschaffene Wohnlandschaften aus den Regionen Bistrita-Nasaud, Bukowina und Oascher Land in Rumänien, Branicevo, Stig und Zvizd in Ostserbien sowie Dalmatien und Podravina in Kroatien.

Kuratorin der Ausstellung ist Dr. Beate Wild von der Koordinierung Ostmittel- und Südosteuropa am Museum Europäischer Kulturen, Berlin. Ein englischsprachiger Katalog „Brave New World. Romanian Migrants’ Dream Houses“ ist im Museumsshop des DZM zu erwerben.

Infos gibt es unter http://bravenewworld.komsoe.eu

D. G. (KK)

«

»