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Ausgaben: Ausgabe 1347.

Adlig währt nicht am längsten, aber lang

Ausstellungen zum Adel in Schlesien

Adlig-währt-nicht1In diesem Jahr stehen Schlesien und die Oberlausitz im Zeichen des Adels. Vier Ausstellungen in Görlitz, Liegnitz und Breslau, gemeinsam veranstaltet von zwei polnischen und zwei deutschen Museen, widmen sich diesem historischen Thema. Seit Ende Mai sind die Ausstellungen in historischen Räumen zu sehen: in der Ritterakademie in Liegnitz, einem zentralen Ort des schlesischen Adels, im Kaisertrutz und dem Schönhof zu Görlitz und in den altehrwürdigen Räumen der Breslauer Universität.

Exponate aus Museumssammlungen in Deutschland und Polen, aus Kirchen und aus dem Besitz adliger Familien zeichnen die Geschichte eines gesellschaftlichen Standes nach, der jahrhundertelang die Geschicke Schlesiens und der Oberlausitz bestimmte. Gemälde und Skulpturen, Goldschmiedearbeiten und Gewänder, Epitaphien, Waffen, wertvolle Bücher und alte Urkunden zeugen vom Glanz adligen Lebens, von der gediegenen Ausstattung der Schlösser und Rittergüter, von Fest und Jagd, von reichen Kunstsammlungen und Bibliotheken.

Die hohe Zeit adliger Machtentfaltung im Schlesien des Mittelalters und der Frühen Neuzeit behandelt die Ausstellung „Ritter der Freiheit – Hüter des Rechts“ des Kupfermuseums in Liegnitz. Hieran schließt die Ausstellung im Görlitzer Kaisertrutz an, die vom Kulturhistorischen Museum und dem Schlesischen Museum konzipiert wurde. Unter dem Titel „Beharren im Wandel. Der Adel Schlesiens und der Oberlausitz seit dem 18. Jahrhundert“ erzählt sie vom lang anhaltenden Widerstand dieser Führungsschicht gegen ihren gesellschaftlichen Abstieg. Zwar wurde der Adel in der Neuzeit Zug um Zug aus den führenden Positionen in Staat, Wirtschaft und Gesellschaft verdrängt. Es gelang ihm jedoch, dem neuen bürgerlichen Zeitalter seinen Stempel aufzudrücken.

Adlig-währt-nicht2Die Ausstellung im Kaisertrutz fragt auch nach der Aktualität des Adels. Denn 70 Jahre nach Flucht, Vertreibung und Enteignung spielt Adel heute wieder eine Rolle. Viele Angehörige adliger Familien fühlen sich mit den Stätten ihrer Vorfahren verbunden, engagieren sich in der Denkmalpflege und bei kulturellen Projekten. Mancher verfallene Herrensitz ist in den letzten Jahren neu erstanden – durchaus geschichtsgetreu.

Zwei weitere Präsentationen knüpfen an die Ausstellung im Kaisertrutz an. Die Ausstellung „Ritter, Junker, Edelleute“ im Schönhof (verantwortet vom Kulturhistorischen Museum) wirft einen Blick zurück auf die ältere Geschichte des Oberlausitzer Adels. Und die Ausstellung „Mutter des Hirschberger Tals – Friederike Gräfin von Reden und ihr Wirken“ im Breslauer Universitätsmuseum stellt eine bemerkenswerte Frauengestalt des 19. Jahrhunderts vor.

Zu den vier Ausstellungen erscheint im Sandstein-Verlag Dresden ein gemeinsamer zweisprachiger Katalog in zwei Bänden. Ein reiches Begleitprogramm bietet Führungen, Vorträge, Fahrrad- und Busexkursionen, kulturgeschichtliche Spaziergänge, Filme, Konzerte und Familiennachmittage. Die Ausstellungen werden bis zum 9. November 2014 gezeigt. Weitere Informationen auf der Homepage www.adelinschlesien.de.

(KK)

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