Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1354.

Als die Kirche zu den Menschen fuhr

Kapellenwagen für die Bundesstiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung

Als-die-KircheAm 26. Februar übergab die Vorsitzende der Stiftung Zentrum gegen Vertreibungen, Erika Steinbach MdB, in Anwesenheit von BdV-Präsident Bernd Fabritius MdB, der Bundesstiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung einen historischen Kapellenwagen als erstes Großexponat für ihre Dauerausstellung.

Seit 1950 versorgte die Ostpriesterhilfe damit die deutschen Heimatvertriebenen mit Hilfsgütern der belgischen und niederländischen Bevölkerung. Die „fahrende Kirche“ diente auch dazu, für die in der Diaspora lebenden katholischen Vertriebenen Seelsorge zu leisten. Initiator war der belgische Pater Werenfried van Straaten.

Die Ausstellungskuratorin Andrea Moll hob den ideellen Wert hervor: „Diese Initiative von Pater Werenfried kann als eine bemerkenswert frühe und bisher weitgehend unbekannt gebliebene Versöhnungsgeste gegenüber den deutschen Nachbarn in der unmittelbaren Nachkriegszeit verstanden werden. Das Exponat ist ein großer Gewinn für die Dauerausstellung, da man damit auch die nicht immer einfache Integration der Flüchtlinge und Vertriebenen nach dem Zweiten Weltkrieg erzählen kann.“

Bei dem Kapellenwagen handelt es sich um einen 14 Meter langen, zwei Meter breiten, drei Meter hohen und fünf Tonnen schweren umgebauten Eisenbahnwaggon, der durch einen Sattelschlepper bewegt wird. Bis zu seiner Präsentation wird der Wagen restauriert und in einem Flugzeughangar in Werneuchen bei Berlin aufbewahrt.

Seit 1950 initiierte die katholische Ostpriesterhilfe die regelmäßige Aussendung von Kapellenwagen mit dem Ziel, Hilfsgüter für notleidende deutsche Flüchtlinge und Vertriebene zu sammeln und zu verteilen. Insgesamt 35 dieser Fahrzeuge wurden mehrmals im Jahr für einige Monate vom Sitz Königstein im Taunus ausgesandt.  Werenfried von Straaten, ein belgischer Prämonstratenserpater, führte seit 1947 mit großem Erfolg Spendenaktionen für deutsche Flüchtlinge und Vertriebene in der belgischen und niederländischen Bevölkerung durch. Die Kapellenwagenmission und weitere Kampagnen wie die „Fahrzeuge Gottes“ oder die Mission der Rucksackpriester verfolgten das Ziel, die vielen Katholiken in den westlichen Besatzungszonen zu erreichen, die nach ihrer Vertreibung und durch die Auflösung ihrer konfessionellen Milieus den sozialen Rückhalt verloren hatten und nun mehrheitlich in der Diaspora lebten. Gottesdienste und Beichten wurden von Mitgliedern des Prämonstratenserordens sowie von heimatvertriebenen Priestern durchgeführt. Der Fuhrpark der Ostpriesterhilfe erweiterte sich mit der Zeit um kleinere Fahrzeuge. Die Kapellenwagenmissionen wurden in den späten 1950er Jahren durch Kirchenbauprojekte ergänzt und später ersetzt. Die letzte Fahrt fand um 1970 statt. Die caritative und pastorale Hilfe für deutsche Vertriebene ist die erste Initiative einer heute weltweit agierenden katholischen Hilfsorganisation, der päpstlichen Stiftung Kirche in Not.

(KK)

«

»