Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1305.

Als Naturschutz noch nicht natürlich war

Vor 100 Jahren institutionalisierte ihn Hugo Conwentz in Preußen

Vor 100 Jahren, am 3. Februar 1911, wurde in der Schöneberger Grunewaldstraße 6/7, im vormaligen Botanischen Museum, die „Staatliche Stelle für Naturdenkmalpflege“ in Preußen von ihrem Direktor Professor Dr. Hugo Conwentz eröffnet. (Hier ist heute das Kunstamt Tempelhof-Schöneberg untergebracht.) Bereits am 22. Oktober 1906 war Hugo Conwentz zum Staatlichen Kommissar für Naturdenkmalpflege in Preußen, Dienstsitz Danzig, ernannt worden, am 1. April 1910 wurde er Hauptamtlicher Direktor der Staatlichen Stelle für Naturdenkmalpflege in Preußen und Geheimer Regierungsrat.

Zu der schlichten Eröffnungsfeier waren zahlreiche Vertreter preußischer Ministerien (u.a. Ministerialdirektor Schmidt-Ott), von Universitäten und wissenschaftlichen Instituten wie der große Botaniker Engler und der Direktor am Museum für Völkerkunde, Suchhardt, sowie Fürst Wilhelm von Hohenzollern, ein Freund des Naturschutzes mit Maßnahmen in der Schwäbischen Alb, erschienen.

Hugo Conwentz, geboren am 20. Januar 1855 in St. Albrecht bei Danzig als Sohn eines Kohlenhändlers und Mennoniten, gestorben am 12. Mai 1922 in Berlin, gilt als Begründer des deutschen und europäischen Naturschutzes. Er studierte in Breslau (Dissertation „Über die versteinten Hölzer aus dem norddeutschen Diluvium“), wurde dort Assistent und bereits 1880 Direktor des Westpreußischen Provinzialmuseums in Danzig. Auf seinen Reisen zwischen Skandinavien und Kaukasus sammelte er Erfahrungen und Material für seine zahlreichen Publikationen zur Paläobotanik und zum Naturschutz (z.B. „Monographie der baltischen Bernsteinbäume“, „Die Eibe in Westpreußen“, „Forstbotanisches Merkbuch“ usw.). Für den Naturschutz von größter Bedeutung wurde die im ministeriellen Auftrag verfaßte Denkschrift „Die Gefährdung der Naturdenkmäler und Vorschläge zu ihrer Erhaltung“ (1904). Diese Denkschrift bewirkte die Institutionalisierung des Naturschutzes in Preußen.

Hugo Conwentz nahm an zahlreichen nationalen und internationalen Kongressen in leitender Rolle teil, initiierte und verfaßte weitere Publikationen und baute den staatlichen Naturschutz im Deutschen Reich weiter aus. Seiner schwedischen Frau Greta verdanken wir die umfassende Bibliographie seiner Schriften (1923).

Zahlreiche in- und ausländische Orden wurden ihm zu Lebzeiten verliehen. 1986 hat der Bundesverband Beruflicher Naturschutz (BBN) aus Anlaß des 80. Jahrestages der Gründung der Staatlichen Stelle für Naturdenkmalpflege in Preußen die Hugo-Con-wentz-Medaille für besonders engagiertes Eintreten für den Naturschutz und dessen Weiterentwicklung gestiftet. Diese Medaille wurde seither alle zwei Jahre verliehen.

Reinhard M. W. Hanke (KK)

«

»