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Ausgaben: Ausgabe 1324.

Arbeiter am Annaberg des Herrn

Erzbischof Alfons Nossol ist 80

Erzbischof Alfons Nossol gehört zu den bekanntesten Persönlichkeiten des heutigen Oberschlesien. Zahlreiche Ehrungen, Ehrendoktorwürden und viele bedeutende Auszeichnungen zum Beispiel mit dem Augsburger Friedenspreis (1997), dem Deutsch-Polnischen Preis (2005), dem Orden Pour le mérite (2008) und dem Deutschen Nationalpreis (2010) unterstreichen seine Lebensleistung als Seelsorger, Theologe und Brückenbauer zwischen Deutschen und Polen.

Er wurde am 8. August 1932 in Schobersfelde im damals noch deutschen Oberschlesien geboren. Nach dem Studium an der theologischen Hochschule in Neisse wurde er 1957 zum Priester geweiht. 1962 promovierte er in Theologie, und 1976 erfolgte seine Habilitation an der Katholischen Universität in Lublin. 1977 wurde er zum Bischof von Oppeln geweiht. Es war damals eine gewaltige Herausforderung, unter den Bedingungen der kommunistischen Diktatur Bischof einer oberschlesischen Diözese zu sein, deren rund 1,8 Millionen Gläubige etwa zur Hälfte Deutsche bzw. Polen waren. Als nach dem Fall der Mauer die nationalen Gegensätze aufbrandeten, hat er als Oberhirte durch seine Predigten und Rundschreiben maßgeblich zur Befriedung der Region beigetragen. Immer wieder verweist er auf die Chancen, welche das Zusammensein mehrerer Völker, mit polnischen, deutschen und mährischen Wurzeln, für das heutige Oberschlesien bietet. Am 4. Juni 1989 setzte er nach Jahrzehnten wieder deutsche Gottesdienste am Sankt Annaberg durch, ohne bei den staatlichen Behörden eine Erlaubnis einzuholen. Mit Papst Johannes Paul II. feierte Alfons Nossol am 21. Juni 1983 eine Messe auf dem Annaberg, an der eine Million Gläubige teilnahmen.

Er war Mitglied des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen und Mitglied der Päpstlichen Kommission für den theologischen Dialog zwischen der katholischen und der orthodoxen Kirche sowie zwischen der katholischen Kirche und dem Lutherischen Weltbund. Er gehörte dem Ständigen Rat der polnischen Bischofskonferenz an sowie dem Wissenschaftlichen Rat der Bischofskonferenz. Er war Präsident des Ausschusses der Bischofskonferenz für die Ökumene.

Geschichte schrieb er auch, als er 1989 Bundeskanzler Helmut Kohl mit Tadeusz Mazowiecki, dem ersten Ministerpräsidenten des freien Polen, zum Versöhnungsgottesdienst auf den Sankt Annaberg einlud. Dafür war die Zeit damals noch nicht reif, deshalb fand der von ihm zelebrierte legendäre Versöhnungsgottesdienst, bei dem sich Helmut Kohl und Tadeusz Mazowiecki unter einer Statue der heiligen Hedwig, Schutzpatronin Schlesiens, umarmten, in Kreisau in Niederschlesien statt, im Gedenken an den Widerstandskämpfer Helmut James Graf von Moltke und dessen Kreisauer Kreis.

Es schmerzte den Bischof jedoch sehr, daß unmittelbar vor und nach dem Mauerfall Hunderttausende von Existenzängsten geplagte, zumeist junge deutsche Oberschlesier ihre Heimat verließen, um in Westdeutschland Fuß zu fassen. So kämpfte er unter anderem erfolgreich für die Gründung der Oppelner Universität, um der Jugend eine bessere Ausbildung in der Heimat zu ermöglichen. 1999 verlieh ihm Papst Johannes Paul II. für seine großen Verdienste den persönlichen Titel Erzbischof. 2009 trat er nach 32 Amtsjahren in den wohlverdienten Ruhestand. Heute lebt er rüstig und wach das Zeitgeschehen verfolgend im Kurzentrum Sebastianum Silesiacum beim Schloß Groß Stein, das er in den vergangenen Jahren aufgebaut hat, nachdem unter seiner Leitung zuvor das Schloß saniert und zu einem kirchlichen Tagungs- und Begegnungszentrum ausgebaut worden war.

Laubaner Tageblatt (KK)

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