Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1257.

Arcadia Silesica

Haus Schlesien zeigt Schlösser und Herrenhäuser im Glatzer Bergland

Aufgrund ihrer zahlreichen Heilbäder war die Grafschaft Glatz lange Zeit überregional als „Gesundbrunnen Deutschlands“ bekannt. Vor allem aber der große Bestand an Schlössern und Herrenhäusern prägt die Landschaft und macht sie zu einer kulturhistorisch hochinteressanten Region. Im „Land der Schlösser“, wie Schlesien in einem umfangreichen Werk des Dresdner Architekten Robert Weber zu Beginn des 20. Jahrhunderts tituliert wurde, nimmt die Grafschaft Glatz eine herausragende Stellung ein – sie weist eine weit größere Anzahl an Schlössern und Herrenhäusern auf als das bekannte Hirschberger Tal.

Die Wanderausstellung „Ein vergessenes Arkadien“ von Monumenta Silesiae e.V. will in erster Linie sensibilisieren für die hohen kulturhistorischen Werte, die sich trotz jahrzehntelangen Verfalls der Adelssitze immer noch in der Region befinden. Bei vielen Bauwerken müssen dringend Erhaltungsmaßnahmen und Restaurierungen in die Wege geleitet werden.

Mit Ende des Zweiten Weltkriegs und in der unmittelbaren Nachkriegszeit wurden viele Bauten durch Zerstörungen und Plünderungen ganz oder teilweise vernichtet. Viele wurden als Unterkünfte für „repatriierte“ Polen, kommunale und staatliche polnische Einrichtungen oder als Verwaltungssitze der Staatsgüter genutzt. Durch mangelnde Bauerhaltung in den folgenden Jahrzehnten und Aufgabe der Bauwerke in ihrer Nutzung wurden die Verluste zunehmend höher. Auch die politische Wende von 1989 konnte diesen Prozeß nicht aufhalten.

Mehr und mehr Bauten, die ursprünglich staatlich genutzt worden waren und nach 1989 einer Privatisierung zugeführt wurden, sind erheblich in ihrem Bestand gefährdet. Die Investitionen, die notwendig wären, sind hoch, häufig fehlt es an öffentlicher Unterstützung durch den polnischen Denkmalschutz, und die Renditeaussichten für Investoren sind gering. Zudem werden wertvolle Bauteile inzwischen teilweise systematisch entfernt und dem internationalen Kunstmarkt zugeführt.

Im Glatzer Bergland gibt es seit Jahren Bestrebungen, die Kurorte zu revitalisieren, so sind Bad Kudowa und Bad Landeck zu nennen oder die Restaurierung der Papiermühle in Bad Reinerz. Andererseits sind Initiativen von privater oder staatlicher Seite zur Erhaltung der Schlösser und Herrenhäuser und gegebenenfalls ihre Einbindung in einen „sanften Kulturtourismus“ noch selten.

Im Zentrum der umfangreichen Sonderausstellung im Museum für schlesische Landeskunde von Haus Schlesien steht die Wanderausstellung von Monumenta Silesiae e.V., die der Kurator Arne Franke in Zusammenarbeit mit dem Museum des Glatzer Landes aus Glatz und dem Denkmalamt in Waldenburg konzipiert und gestaltet hat. Weitere Partner dieser zweisprachigen Wanderausstellung, die bereits im Museum des Glatzer Landes in Glatz (Muzeum Ziemi Klodzkiej, Klodzko) und in Schloß Lomnitz in Schlesien gezeigt wurde, sind das Schlesische Museum zu Görlitz, das Herder-Institut Marburg und das Kunstforum Ostdeutsche Galerie Regensburg.

Die Ausstellung stellt sieben Jahrhunderte Adelsgeschichte einer der bemerkenswertesten Regionen Schlesiens dar. In thematischen Exkursen werden verschiedene Aspekte zur Architektur der Schlösser, deren Auftraggebern und der heutigen Bedeutung für die Kulturlandschaft beleuchtet.

Zudem werden etwa dreißig ausgewählte Adelssitze in mit historischem und aktuellem Bildmaterial illustrierten Kurzmonographien vorgestellt. Exponate aus der Sammlung des Museums von Haus Schlesien sowie der Glatzer Heimatstube in Lüdenscheid und weitere private Leihgaben ergänzen die Präsentation. So zeugen u.a. wertvolle Vedutenporzellane und Badegläser aus den verschiedenen Kurorten, Grafiken, historische Landkarten und  Informationen über die Wirtschaftsgeschichte der Grafschaft von der Vielfalt dieser böhmisch-schlesisch geprägten Region.

Die Ausstellung will bis zum 20. Juli 2008 einen Focus auf die Schätze dieser an kunstgeschichtlichen Zeugnissen reichen Landschaft lenken, bereits begonnene Initiativen stärken und sowohl das Bewußtsein der Verantwortlichen als auch der Bevölkerung, aber auch des Reisenden für den Kulturreichtum der Region schärfen.

Nicola Remig (KK)

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