Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1358.

Auch Flüsse haben ihre Schicksale

Jenes der Oder ist bewegt wie jenes von Schlesien, dessen „Lebensader“ sie ist

Auch-FluesseEin jüngstes Beispiel für die gute Zusammenarbeit des Oberschlesischen Landesmuseums von Ratingen-Hösel mit Partnermuseen aus Polen ist im Rahmen einer Sonderausstellung zu sehen. Unter dem Titel „Die Bändigung der Oder“ hat das Museum des Oppelner Schlesien (Muzeum Slaska Opolskiego) gemeinsam mit Partnern eine interessante Sonderschau zusammengestellt. In der Ausstellung werden Daten und Fakten rund um die „Lebensader“ Schlesiens vermittelt.

Heute wird die Oder mit ihrer idyllischen Auen- und Flusslandschaft von Touristen zunehmend als Erholungs- und Freizeitraum wiederentdeckt. Doch das war nicht immer so. Die Oder/Odra ist der wichtigste natürliche Verkehrsweg Schlesiens über 866 Kilometer von der Mährischen Pforte bis zum Stettiner Haff. Früher – konkret vor dem Jahre 1740 – war der Fluss um 190 Kilometer länger. Er wurde im 18. Jahrhundert unter König Friedrich II. für Schifffahrtszwecke um nahezu ein Viertel seiner Gesamtlänge gekürzt.

Im Laufe der Jahre gab es immer wieder menschliche Eingriffe, die den natürlichen Flusslauf änderten und schrittweise zur Entstehung einer regulierten Wasserstraße führten. Das Modernisierungsprojekt, mit dem Preußen im 18. Jahrhundert begonnen hatte, dauerte bis ins 20. Jahrhundert an. In der Ausstellung finden einige der Meilensteine aus der „Verwandlungszeit“ der Oder Erwähnung, darunter der von 1792 bis 1812 gebaute Klodnitzkanal. Durch die Verbindung von Gleiwitz nach Cosel wurde das oberschlesische Industrierevier an die Oder angeschlossen.

Ab dem Jahr 1819 erfolgte der systematische Ausbau des Odergebietes. Im „Protokoll von Oderberg“ wurde erstmals ein umfassender Stromregulierungsplan beschlossen. Von 1880 bis 1886 befand sich die größte Baustelle an der Oder in Oppeln. Bis die kostspieligen Arbeiten abgeschlossen waren, wurde die Schifffahrt über den linken, den so genannten Winauer Oder-Arm umgeleitet, während der rechte Arm als Hafen diente. Der deutlich zunehmende Schiffsverkehr Ende des 19. Jahrhunderts bedingte den Bedarf einer leistungsfähigen Schiffswerft an der Oder. Caesar Wollheim veranlasste daher 1897 den Bau der Caesar Wollheimschen Werft in Breslau.

Zwischen Cosel, dem zweitgrößten Binnenhafen des Deutschen Reichs, und Breslau wurden insgesamt 26 Staustufen gebaut. Auch die Kanäle nach Berlin wurden für den modernen Schiffsverkehr entsprechend ausgebaut.

Auch die negativen Auswirkungen der menschlichen Eingriffe in den natürlichen Flusslauf werden präsentiert. So etwa beeinträchtigen die jahreszeitlich bedingten unterschiedlich hohen Wasserstände und die Eissperre im Winter seit jeher den Verkehr. Seit den 1950er Jahren ging die gewerbliche Schifffahrt stetig zurück. Aufgrund von verschiedenen Änderungen war und ist eine verschärfte Hochwassergefahr festzustellen, wie die Katastrophen von 1903, 1997 und 2010 zeigen.

Kern der Präsentation im Oberschlesischen Landesmuseum ist eine Auswahl historischer Fotografien, die das Museum des Oppelner Schlesien unter dem Titel „Bändigung“ zusammengefasst hat. Hinzu kommen Aufnahmen aus der Sammlung des Architekturmuseums der Technischen Universität in Berlin, das bei der Ausstellung mitwirkte. Das Gastgeberhaus wiederum hat die Präsentation mit Bildern und Objekten aus dem Museum der Deutschen Binnenschifffahrt in Duisburg sowie mit Exponaten aus dem eigenen Bestand erweitert.

Wer das Thema der Ausstellung vertiefen möchte, kann in dem 80seitigen Katalog blättern.

(KK)

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