Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1350.

Auch Ratingen ist bei Berlin

Die Stiftung Haus Oberschlesien widmete dem Gedenktag der Maueröffnung eine festliche Stunde

Auch-Ratingen1Am 9. November 2014 jährte sich der Fall der Berliner Mauer zum 25. Mal. Höhepunkt der zahlreichen Veranstaltungen rund um das Jubiläum war sicherlich das grandiose Fest in Berlin mit der Licht-Installation als „Symbol der Hoffnung für eine Welt ohne Mauern“. Feierlichkeiten zur Erinnerung an die Ereignisse vom Herbst 1989 gab es ferner in den Städten Plauen, Dresden und Leipzig. Auch die Stiftung Haus Oberschlesien in Ratingen-Hösel widmete dem Gedenktag der Maueröffnung eine festliche Stunde mit Beteiligung prominenter Persönlichkeiten des politischen, kulturellen und sozialen Lebens in Nordrhein-Westfalen.

Die Veranstaltung wurde durch Musikeinlagen umrahmt. Das Programm bestritt die in Sankt Petersburg geborene und in Ratingen lebende Sopranistin Ekaterina Sergatschewa, die von Dominikus Burghardt am Klavier begleitet wurde. Geboten wurden Musikstücke von Peter Iljitsch Tschaikowsky und Robert Schumann.
Prof. Dr. Christoph Zöpel, Staatsminister a. D., Mitglied des Vorstandes der Stiftung Haus Oberschlesien, führte in die Veranstaltung ein und betonte, dass es wichtig sei, am 9. November nicht ausschließlich über die historischen Ereignisse zu sprechen. Es ergebe durchaus Sinn, sich alle Aspekte und Zusammenhänge in Erinnerung zu rufen, die zu Deutschlands neuer Stellung in Europa führten.

Dr. Angelica Schwall-Düren, Ministerin für Bundesangelegenheiten, Europa und Medien des Landes NRW, bezeichnete den 9. November 1989 als zweite Chance für Deutschland und für Europa, aus der sich heute wichtige Aufgaben ableiten. Sie erinnerte an die Solidarnosc-Bewegung und an die Gespräche am Runden Tisch in Warschau, die den Menschen in der DDR Mut gemacht haben. Der Dialog zwischen west- und osteuropäischen Ländern schuf die Voraussetzungen für den Mauerfall. Man könne von Glück reden – so die Ministerin –, dass der Konflikt nicht mit Waffen ausgetragen wurde, sondern als friedliche Revolution verlief. Am Beispiel des „Weimarer Dreiecks“ hob die Rednerin den hohen Stellenwert der innereuropäischen Kontakte hervor, die in den letzten 25 Jahren zustande kamen. Aufgabe der Gedenkstunde sei es, die Werte der Bürgerbewegung hochzuhalten, die 1989 durch das Wunder der Aussöhnung mit unseren Nachbarn in West und Ost geschaffen wurden.

Peter Beyer, designiertes Mitglied des Stiftungsrates in Ratingen, sprach als Bundestagsmitglied und Außenpolitiker von der wechselnden Wirkung Deutschlands. Die Umwälzungen in Deutschland seien nicht als Einzelereignis zu betrachten, so der Redner. Vielmehr müsse berücksichtigt werden, dass der denk- und merkwürdige Tag ohne andere Entwicklungen in Europa nicht möglich gewesen wäre.

„Wir gedenken an diesem Tag in Dankbarkeit der Menschen in der DDR, die in ihrem Wunsch nach Freiheit auf die Straße gingen, in Massendemonstrationen die Begrenzungen ihres Systems überwanden und auch hierdurch am 9. November 1989 die Öffnung der Grenze erreichten“, betonte Dr. Stephan Kaiser, Direktor des Oberschlesischen Landesmuseums, in seinem Festvortrag. Unter dem Motto „25 Jahre demokratischer Wandel in Deutschland und Europa. Über Grenzen hinweg zum europäischen Dialog“ zeigte er Meilensteine in der wechselvollen Geschichte Europas auf. Es ging u. a. um die Flucht und Verfolgung von ethnischen Minderheiten nach dem Ersten Weltkrieg, um die Vertreibung der Deutschen aus ihren angestammten Heimatgebieten in der Mitte und dem Osten Europas als Folge des Zweiten Weltkrieges sowie letztendlich um den Mauerfall.

Dr. Stephan Kaiser sprach über Grenzen in Mitteleuropa, die es schon immer gab. „Die Öffnung des Tores, also der symbolische Gang durch das Brandenburger Tor, manifestierte ab 1989 die grundlegende Veränderung in Mitteleuropa. Die Öffnung des Ostens führte über die Deutsche Einheit 1990 zur Integration der östlichen Nachbarstaaten in unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung und damit in die politischen und militärischen Bündnisse des westlichen Europas“, erklärte er und fügte hinzu, dass mit der Grenzöffnung der Wandel gekommen sei: „Die Landesgrenze zu überschreiten war nun freigestellt, diese Grenzen entfielen sogar gänzlich. Doch grenzenlose Möglichkeiten müssen auch finanzierbar sein. Grenzen zu überwinden setzt die Möglichkeit, die Bereitschaft und die Fähigkeit zum Dialog voraus.“

Die Stiftung Haus Oberschlesien gehört zu jenen Institutionen in NRW, die sich aktiv am grenzüberschreitenden Dialog zu den Nachbarn in Polen und Tschechien beteiligen.

Dieter Göllner (KK)

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