Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1368.

Aus dem Osten kommt das Licht

Ihm entgegen streben auch die Touristen

Etwas ungläubig hörten die Journalisten im Münchener Presseclub Tobias Woitendorf seite15-KK1368vom Tourismusverband Mecklenburg-Vorpommern zu. Laut Statistischem Bundesamt sei seine Heimat 2015 „Reiseziel Nr. 1“ gewesen. Bayern – so dachte man – liegt doch schon lange an der Spitze. Tatsächlich haben 5,9 Prozent aller Deutschen auch im vergangenen Jahr Urlaub im Freistaat gemacht. 6 Prozent aber suchten im Jahr 2015 Natur pur in dem mit etwas über 1,6 Millionen Einwohnern am dünnsten besiedelten deutschen Bundesland. Geschätzte Gäste – 100 000 zu Weihnachten und 200 000 zu Silvester – besuchten den Nordosten zum Jahresende. Während des ganzen Jahres wurden über 29 Millionen Übernachtungen gezählt, wie Jürgen Seidel, der Präsident des Landestourismusverbandes, mitteilte. Jetzt setzt man zusätzlich auf saisonverlängernde Maßnahmen.

Was die Einwohnerzahl angeht, so melden Staat und Kirchen leichte Zuwächse. Sie seite16-KK1368beruhen nicht auf steigenden Geburtenzahlen, die Sterberaten sind noch immer höher. Zuzügler gibt es vor allem aus dem benachbarten Polen. Das merkt besonders die katholische Kirche, die mit nur 3,3 Prozent der Einwohner eine Minderheit darstellt. Wie schon vor dem Zweiten Weltkrieg kommen die Polen als Erntehelfer, „Schnitter“, wie man einst sagte. Die Landesregierung bemüht sich, sie für immer im Land zu halten, senken sie doch auch den Altersdurchschnitt, der bei den Einheimischen bei 45 Jahren und bei den Zuzüglern bei 36 Jahren liegt. Neben den Polen kommen als Arbeitskräfte auch Rumänen.

Die Hansestadt Greifswald hat im Vergleich mit anderen Städten Mecklenburg-Vorpommerns im vergangenen Jahr mit einem Plus von 10 Prozent die meisten Gäste beherbergt. Stralsund meldete einen Zuwachs von 5, Wismar und Rostock kommen auf 2,4 und 1,8 Prozent.

Jeweils im November/Dezember gibt es in der Universitätsstadt, in der zwei Drittel der Studenten nicht aus Mecklenburg-Vorpommern stammen, die polenmART. Partneruniversität ist für die 10 800 Studierenden die Adam-Mickiewicz-Universität in Posen. Beliebt sind bei den deutschen Studenten sogenannte Polenstammtische, bei denen es nicht nur edle Wodkas und aus Polen eingeführte zollfreie Zigaretten, sondern auch Pierogi und Bigos und polnisches Bier gibt.

Etwa die Hälfte aller Einwohner in Mecklenburg-Vorpommern ist nicht getauft. Mit der Religion tat man sich im Land zwischen Ostsee und der Seenplatte schon immer schwer. Von Maximilian Kaller, dem letzten deutschen Bischof im ostpreußischen Ermland – er sprach auch Polnisch – erzählt man sich diese Anekdote: Als Pfarrer auf Rügen saß er pflichtgemäß jeden Samstagnachmittag im Beichtstuhl. Die reuigen Sünder aber blieben aus. Schließlich kam ein altes Mütterchen: „Herr Pfarrer, Sie tun mir so leid, weil niemand zur Beichte kommt. Deshalb bin ich jetzt hier.“

Der Tourismusverband wirbt im Jahr 2016 mit den sieben Naturwundern: den Inseln, den Kreidefelsen, den 50 000 Kranichen, der Wildnis, den Lagunen, den Seenlandschaften und Küstenwäldern. Etwa ein Drittel der Landesfläche steht unter Naturschutz. Neben dem Naturgenuss stehen in diesem Jahr 120 Festivals an, viele im Freien. Auf Caspar David Friedrichs Spuren wandelt man in Greifswald. Dem berühmtesten Sohn der Stadt ist ein Bildweg gewidmet. Er führt vom Geburtshaus über verschiedene Aussichtspunkte zur Ausstellung seiner Werke.

Norbert Matern (KK)

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