Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1398.

Aus dem Schatzkästchen geplaudert

Michael Pietsch über Haus Schlesien

Der im Oktober 1978 vom Verein Haus Schlesien erworbene Fronhof in Königswinter-Heisterbacherrott hat eine bewegte, teils urkundlich belegte Geschichte seit Anfang des 12. Jahrhunderts. Heute ist die Kultur- und Bildungsstätte ein schlesisches Kleinod mit grenzüberschreitender Anerkennung. Professor Dr. Michael Pietsch, Präsident des Vereins Haus Schlesien, gewährte Dieter Göllner folgendes Interview.

Michael Pietsch
Bild: Dieter Göllner

KK: Hat sich Haus Schlesien in seinen 40 Jahren so entwickelt, wie es die Gründungsväter angedacht hatten?

Professor Dr. Michael Pietsch: Als Haus Schlesien gegründet wurde, konnten die Gründerväter noch nicht ahnen, dass der Eiserne Vorhang eines Tages fallen wird. Sie wollten in Heisterbacherrott eine Heimstätte für die vertriebenen Schlesier schaffen, fernab der Heimat, die unerreichbar schien. Das ist gelungen: damals genauso, wie es auch heute noch der Fall ist. Durch die politische Wende vor fast 30 Jahren und den Wegfall der Grenzen nach dem Beitritt Polens zur EU haben sich jedoch neue Chancen ergeben. Im Haus Schlesien können sich die deutschen Schlesier und die jetzigen Bewohner unserer Heimat treffen. Das geschieht bei vielfältigen Anlässen. Am wichtigsten ist aber die kontinuierliche Anwesenheit von Gruppen mit Studierenden schlesischer Hochschulen. Die Gründerväter hätte es gefreut.

Wie positioniert sich Haus Schlesien in der Landschaft der Kulturinstitutionen in NRW und deutschlandweit?

Wir sind eine der wenigen Einrichtungen in der Bundesrepublik, die Schlesien in Geschichte und Gegenwart zum Arbeitsgegenstand haben. Was uns einzigartig macht, ist die Kombination von Dokumentations- und Informationszentrum, Museum für Landeskunde, Begegnungsstätte und Tagungsstätte mit Logis und schlesischer Gastronomie. Diese Multifunktionalität wird sehr geschätzt, auch von unseren Förderern auf Landes- und Bundesebene.

Wie wurde und wird das materielle und geistige Eigentum der Einrichtung bewahrt, bewertet und vermittelt?

Im Vordergrund stehen zwei Aspekte: das Sammeln und Bewahren schlesischer Kunst und Kultur sowie die Vermittlungsarbeit, vor allem in die junge Generation hinein. Wir freuen uns über jede Studierendengruppe im Haus und jeden Praktikanten einer schlesischen Bildungseinrichtung, die das vor allem geistige Erbe, das wir von unseren Vorfahren übernommen haben, mit zurücknehmen in unsere Heimat, die auch die ihre ist. Wenn das Schlesien, so wie wir es uns vorstellen, wieder ein wenig aufleben soll, dann geht das nur in Schlesien selbst. Haus Schlesien ist die Schatzkammer, in der alles aufbewahrt wird, damit es weitergegeben werden kann nach Schlesien. Darüber hinaus haben wir eine sehr anerkannte Homepage und vor allem einen Facebook-Auftritt, den vor allem unsere polnischen Freunde gerne nutzen.

Haben sich die grenzüberschreitenden Projekte erwartungsgemäß entwickelt?

Diese Projekte laufen ganz hervorragend. Das Interesse an den Seminaren in unserem Haus ist ungebrochen. Darüber hinaus gibt es etliche Buchprojekte, die von deutschen und polnischen Schlesiern gemeinsam umgesetzt werden, nicht wenige auch unter der Federführung von Haus Schlesien.

Wem verdankt Haus Schlesien sein derzeitiges Image, wer sind die vielen aktiven Helfer und Unterstützer?

Die wichtigsten Helfer sind die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Dokumentations- und Informationszentrums, aber auch unsere Ehrenamtlichen, die an der Museumskasse stehen oder bei Veranstaltungen mit Besuchern sprechen. Sie alle prägen das positive Bild, das viele von Haus Schlesien haben, weil sie diese Region und ihre Bedeutung für die geistige Entwicklung Europas modern interpretieren.

Gibt es Zukunftspläne, die Sie heute schon mitteilen können?

Unser wichtigstes Anliegen ist im Moment die Anpassung unserer Dauerausstellung an heutige Seh- und Lesegewohnheiten. Es wird eine Modernisierung geben, die auch vermehrt technische Möglichkeiten der Museumsgestaltung nutzt. Um auch Anregungen mit Blick von außen zu erhalten, haben wir jetzt einen Wissenschaftlichen Beirat mit deutschen und polnischen Spezialisten ins Leben gerufen, der uns engagiert und hilfreich berät und unterstützt.

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