Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1374.

Aus der Stube in die Welt

Auf diesem Weg wollen die Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen und Haus Schlesien bedrohten Heimatsammlungen helfen

seite12_kk1374

Stählerne Träger stützen die Decke im Haus Schlesien, sodass dessen Leiterin Nicola Remig (am Mikrophon) mit Fug und Recht Solidität zu beschwören vermag, die gerade angesichts der Schwierigkeiten vieler Heimatstuben vonnöten ist Bild: der Autor

Beim Durchblättern des Gästebuches im Haus Schlesien fällt auf, dass es anlässlich der jüngsten Tagung für Heimatstubenbetreuer mehrere Einträge gab, die die zweitägige Veranstaltung von Anfang November als informativ, hilfreich und ermutigend bezeichneten. In der Tat wurde den rund 30 Teilnehmern erneut ein interessantes Vortragsprogramm mit praxisbezogenen Referaten und Möglichkeiten zum regen Erfahrungsaustausch geboten. Ermutigend waren allemal die Berichte von Häusern, die gut aufgestellt sind und optimistisch in die Zukunft blicken können. Positive Beispiele boten Ute Eichler aus Hamburg mit der Präsentation des Heimatmuseums der Kreisgemeinschaft Lötzen/Ostpreußen in Neumünster und Damian Spielvogel von der Landsmannschaft Schlesien in Königswinter mit der Vorstellung der Hindenburger Heimatsammlung in Essen. Über ein „Paradebeispiel für erfolgreiche Versöhnungsarbeit“ informierte Leonhard von Kalckreuth aus Bonn, der den Heimatkreis Meseritz und Birnbaum/Warthe vertrat und das Museum von Meseritz/Miedzyrzecz vorstellte.

Doch es gibt durchaus auch mehrere Sammlungen aus ehemals ostdeutschen Regionen, die aktuell beziehungsweise kurzfristig betrachtet in ihrer Existenz bedroht sind. Um die Betreuer der gefährdeten Heimatstuben bei der Lösungssuche zu unterstützen, hat die Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen, Bonn, zusammen mit Haus Schlesien, Königswinter-Heisterbacherrott, Anfang November d. J. zu einer weiteren Informations- und Beratungstagung unter dem Motto „Wege der Erhaltung und Vermittlung wertvollen Kulturgutes“ eingeladen.

Dr. Ernst Gierlich, Geschäftsführer der Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen, hob die Bedeutung des diesjährigen von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien geförderten Projektes hervor, das die vielfältigen Initiativen zur Zukunft der ostdeutschen Heimatsammlungen ergänzt. Aus einer Fragebogen-Aktion zur Lage der ostdeutschen Heimatsammlungen und -stuben ist ersichtlich, dass derzeit mehr als zwei Drittel der teilnehmenden Einrichtungen ihre Lage optimistisch beurteilen.

Trotzdem steht fest: Da durch den altersbedingten Rückgang der meist ehrenamtlichen Betreuer oder durch wegfallende Räumlichkeiten einige Heimatstuben nicht mehr auf Dauer in der gegenwärtigen Form fortgeführt werden können, sei es besonders wichtig – so Dr. Gierlich –, Lösungen zu finden, die die Bewahrung der Identität in den Fokus stellt. Von Seiten der Gastgeber und Organisationspartner in Königswinter hob Nicola Remig, die Leiterin des Dokumentations- und Informationszentrums Haus Schlesien, Aspekte der vielfältigen „ostdeutschen Szene“ hervor.

Praktische Tipps für eine effektive Presse- und Öffentlichkeitsarbeit bot Bernadett Fischer, die für diesen Bereich im Haus Schlesien, Königswinter, verantwortlich ist. „Der gängige Hinweis, dass die Zeit der Heimatstuben abgelaufen sei und sie keine Zukunft mehr hätten, kann so nicht akzeptiert werden“, erklärte Klaus Mohr vom Sudetendeutschen Archiv in München. Der Referent betonte in seinem Vortrag „Aktuelle Probleme der Sudetendeutschen Heimatssammlungen“, dass vor allem dort, wo die Patenstadt die Heimatstube als Teil der Geschichte ihrer eigenen Bevölkerung ernst nimmt, auch Zukunft bestehe.

Doch Fakt ist – so Klaus Mohr –, dass die Sorge um den Erhalt der sudetendeutschen wie auch anderer ostdeutschen Heimatsammlungen vielerorts begründet sei. Die Einrichtungen könnten ihre Attraktivität und das Interesse der Besucher steigern, indem sie repräsentative Stücke aus ihrer Sammlung für das Internet aufbereiten. Voraussetzungen dafür sind die Inventarisierung und das Vorliegen digitaler Fotografien. Außerdem steht die Deutsche Digitale Bibliothek zur Verfügung, in deren Rahmen sich auch Heimatstuben mit ihren Beständen präsentieren können. Wenn es keine Möglichkeit mehr gibt, die Sammlung am bestehenden Ort zu behalten, sollte sie nicht aufgelöst werden, sondern durch die Patenstadt oder ein Vertriebenenmuseum übernommen werden. Einer geordneten Übergabe an einen neuen Träger liegen die digitale Aufbereitung der Sammlung und die Inventarisierung als Vorarbeit zugrunde.

Die Leiterin des Deutschordensmuseums in Bad Mergentheim, Maike Trentin-Meyer, bot in ihrem Vortrag zum Thema „Angewandte Museumsdidaktik für Heimatsammlungen“ praktische Tipps zum Umgang mit Kulturgütern. Der langjährige Leiter der Martin-Opitz-Bibliothek in Herne, Dr. Wolfgang Kessler, hat eine einfache Methode erarbeitet, die jenen Heimatstubenbetreuern helfen soll, die sich einen systematischen Überblick über die Sammlung verschaffen wollen. Neben der Erfassung und Gewichtung der Objekte und Schriftstücke sei es vorteilhaft, die Geschichte hinter den vorhandenen Gegenständen zu vermitteln. Im Laufe der Tagung

wurden verschiedene Wege und Lösungsansätze angesprochen, doch eines steht fest: Keine Sammlung ist wie die andere, so dass kein „Patentrezept“ für die Zukunftsperspektive greift.

Dieter Göllner (KK)

«

»