Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1217.

Begegnungspreis – Kulturpreis Schlesien

Die Glasgestalterin Malgorzata Dajewska, der Bildhauer Siegbert Amler und die Breslauer Edith-Stein-Gesellschaft werden ausgezeichnet

Der Kulturpreis Schlesien des Landes Niedersachsen geht in diesem Jahr an die Glasgestalterin Malgorzata Dajewska und an den Bildhauer Siegbert Amler. Niedersachsens Innenminister Schünemann wird die Preisträger am 16. September in der Aula Leopoldina der Breslauer Universität auszeichnen. Die beiden Hauptpreise sind mit je 4000 Euro dotiert. Einen Sonderpreis erhält die Edith-Stein-Gesellschaft in Breslau.

Den Kulturpreis Schlesien stiftet die niedersächsische Landesregierung. Er wird jährlich seit 1977 verliehen und soll zur Verständigung und Aussöhnung zwischen Deutschen und Polen beitragen. Der Preis war damals Ausdruck der Verbundenheit mit den Schlesiern, die nach dem Zweiten Weltkrieg in Niedersachsen Aufnahme gefunden und wesentlich zum Aufbau des Landes beigetragen haben. Er sollte auch dazu beitragen, das schlesische Kulturgut zu wahren und weiterzuentwickeln.

Malgorzata Dajewska wurde 1958 in Sosnowitz, heute Sosnowiec, geboren. Sie studierte in den Jahren 1977 bis 1982 an der Staatlichen Hochschule für bildende Künste in Breslau im Fach Glas und Keramik. 1982 machte sie ihr Diplom. Seit 1984 ist sie Mitarbeiterin dieser Hochschule und leitet nun als Professorin den Lehrstuhl Glaskunst. 1982 ist Malgorzata Dajewska als Künstlerin mit ihren Arbeiten an die Öffentlichkeit gegangen. Sie stellte ihre künstlerischen Glasarbeiten in zahlreichen Ausstellungen in Polen und im Ausland aus. Ihr größter Erfolg ist der erste Preis beim Wettbewerb „Polnisches Glas 95“. Ihr Objekt „Aquarius Glasware 1995“ (Bleiglas mit Kobaltoberfläche) wurde vom polnischen Nationalmuseum in Warschau erworben.

Malgorzata Dajewska beherrscht die Technik der „kalten Bearbeitung“ des Glases. Sie schneidet es, poliert es, bearbeitet es mit Sand und bringt Gravuren an. So enthüllt das Glas seine geheimnisvolle Schönheit. Sie hat außergewöhnliche künstlerische Glasobjekte geschaffen, die sie in der ganzen Welt bekannt gemacht haben. Die Sektion Glas an der Staatlichen Hochschule für die bildenden Künste in Breslau ist einmalig in Polen.

Siegbert Amler, der 1929 in Hirschberg in Schlesien geboren wurde, hat sich einen über den deutschen Raum hinausreichenden Namen gemacht. Nach der Vertreibung aus Hirschberg begann er in Lemgo eine Lehre als Holzbildhauer. Zusätzlich nahm er Zeichenunterricht bei Professor Ehlers in Detmold. Von 1954 bis 1956 studierte er an der Werk-Kunstschule in Flensburg und schloß das Studium mit dem Staatsexamen ab. 1958 machte sich Siegbert Amler als Bildhauer und Graphiker selbständig. 1962 errichtete er sein Atelier in Glücksburg, das heute von einem sehenswerten Skulpturengarten umgeben ist.

Siegbert Amler versteht es, nicht nur Kunst zu produzieren, sondern auch Kunst zu vermitteln. Er arbeitet nicht nur in Holz, wie seine Ausbildung vermuten läßt, sondern nutzt Metall, Eisen, Aluminium, Bronze, Beton und Keramik. Er schuf Mosaike, Glasfenster und Wandteppiche, insbesondere für den kirchlichen Raum. Amler ist ein hervorragender Zeichner und beherrscht die graphischen Techniken in voller Breite. Das Gegenständliche verläßt er nie, abstrahiert allerdings fast bis zum Ungegenständlichen. Er bewegt sich damit auf dem schmalen Grat zwischen Realität und sichtbar gemachter Deutung, in einem Bereich, der für die schlesische Kunst der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts in Deutschland charakteristisch ist. Seit 1966 waren Siegbert Amlers Arbeiten in mehr als 50 Einzelausstellungen und zahlreichen Gemeinschaftsausstellungen im In- und Ausland zu sehen.

Einen Sonderpreis erhält in diesem Jahr die Edith-Stein-Gesellschaft in Breslau. Die Edith-Stein-Gesellschaft Polen wurde im Dezember 1989 als erster eingetragener Verein Niederschlesiens nach der Wende registriert. Die Gesellschaft setzt sich für den christlich-jüdischen Dialog ein und arbeitet gleichzeitig für die deutsch-polnische Versöhnung. Edith Stein mit ihrem umfangreichen philosophischen und spirituellen Erbe dient als Vorbild. 1891 in Breslau als Tochter einer jüdischen Familie geboren, studierte sie an der Breslauer Universität Psychologie, Germanistik und Philosophie. 1913 wechselte sie nach Göttingen, um dort ihr Studium fortzusetzen. 1922 trat Edith Stein zum katholischen Glauben über und wurde Ordensschwester. 1942 wurde sie in Holland verhaftet, nach Auschwitz transportiert und ermordet. In ihrem Geburtshaus in Breslau wurde ein Zentrum für den kulturellen Dialog errichtet. Das Haus dient seit einigen Jahren als Ort der Begegnung für Menschen, die ein spezielles Interesse an Schlesien und seiner Geschichte haben oder internationale Kontakte suchen.

Seit 1991 hat sich die niedersächsische Landesregierung, getragen von dem Gedanken der Verständigung und Aussöhnung zwischen Deutschen und Polen, das Ziel gesetzt, mit der Verleihung des Kulturpreises Schlesien zur gemeinsamen Pflege und Weiterentwicklung des Kulturgutes Schlesiens und des Kulturschaffens der Schlesier beizutragen. Seitdem können auch polnische Künstlerinnen und Künstler, die in Schlesien wohnen, den Preis für hervorragende Leistungen auf dem Gebiete der Literatur, der bildenden Kunst und der Musik erhalten. Der Preis ist heute auch ein Beitrag zu Völkerverständigung, Aussöhnung und Frieden, er schlägt eine Brücke zwischen Deutschland und Polen.

In den zurückliegenden 15 Jahren haben sich die mit der Neuausrichtung des Kulturpreises Schlesien verbundenen Erwartungen erfüllt. Er hat sich zu einem deutsch-polnischen Begegnungspreis entwickelt, der zum festen Bestandteil der Verständigung zwischen Deutschland und Polen geworden ist.

In der Jury, geleitet vom niedersächsischen Minister für Inneres und Sport, Uwe Schünemann, sitzen namhafte Persönlichkeiten, darunter aus Breslau der Vize-Marschall der Woiwodschaft Niederschlesien, Dr. Leszek Ryk, der Deutsche Generalkonsul Dr. Helmut Schöps, der Botschaftsrat der Republik Polen in Berlin, Dr. Slawomir Tryc, Landtagspräsident a. D. Horst Milde aus Oldenburg, die stellvertretende Bundesvorsitzende der Landsmannschaft Schlesien, Dr. Idis Hartmann, die Professoren Dr. med. Michael Pietsch aus Mainz und Michael Denhoff aus Bonn und Andrzey Pawluszek, Vorstand der Woidwodschaft Niederschlesien.

Michael Ferber (KK)

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