Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1304.

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Der Grafiker und Bildhauer Siegbert Amler aus Hirschberg in Schlesien erhält das Verdienstkreuz am Bande

Der Bildhauer und Grafiker Siegbert Amler wurde mit dem Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet.

Siegbert Amler, 1929 in Hirschberg/Schlesien geboren, konnte nach der Vertreibung, 19jährig, eine Lehre als Holzbildhauer in Wolfenbüttel beginnen und nahm Zeichenunterricht bei Professor Ehlers in Detmold. Ab 1954 studierte er an der Werkkunstschule in Flensburg und legte das Staatsexamen ab. Bis 1961 war er Meisterschüler von Fritz Thomas-Gottesberg. Noch als Meisterschüler machte sich Siegbert Amler selbständig und siedelte sich in Glücksburg an, wo er noch heute lebt. Ein Besuch in seinem Atelier und dem Skulpturenpark ist ein Erlebnis.

Die philosophisch-religöse Ernsthaftigkeit, aus der Siegbert Amler seine Werke gestaltet, brachte ihm bald Aufträge für den sakralen und profanen öffentlichen Raum. Mitte der 1960er Jahre gelang ihm mit der Gestaltung des Denkmals für die Toten der Vertreibung in der internationalen Kriegsgräberstätte am Karberg in Schleswig und mit den Glasfenstern der Ostdeutschen Patenkapelle in Fahrdorf bei Schleswig der entscheidende Durchbruch. 

Seine Arbeiten für den öffentlichen Raum, Brunnen, Einzelfiguren oder Figurengruppen sind einfallsreich und sensibel der Umgebung angepaßt und bestechen durch die schöne Gestaltung, haben aber immer einen symbolischen Hintergrund. Amler thematisiert Begriffe wie beschirmt, behütet, Verkettung, Frieden, Flucht, Miteinander. Begriffe werden zu Skulpturen, zu Formen und zu haptischer Realität. Siegbert Amler verläßt das Gegenständliche nie. Er bewegt sich auf dem schmalen Grat zwischen Realität und Abstraktion. Dies wird besonders an seinen zahlreichen Tierplastiken deutlich. Er bezeichnet dies als „plastische Reaktion auf das Zeitgeschehen“.

Siegbert Amler hat nie Skrupel bei der Wahl seiner Materialien. Das Material muß sich seiner künstlerischen Absicht beugen und regt ihn zu neuen Gestaltungsmöglichkeiten an. Er arbeitet mit Naturstein, Holz, Bronze, Mooreiche, Kunststoff, Stahl, Glas, Beton.

Dabei ist er nicht nur ein hervorragender Bildhauer, sondern auch ein begabter Grafiker. Seine minimalistischen Landschaften, Porträts und Tiere, die er auf seinen vielen Reisen schuf, legen  Zeugnis davon ab.

Siegbert Amler produziert nicht nur Kunst, sondern vermittelt auch Kunst. Er war als Kunsterzieher tätig und gab mehr als hundert Kurse an der Volkshochschule in Flensburg und Dänemark. Seit 1988 leitet er Malreisen ins süd- und osteuropäische Ausland. Siegbert Amlers Arbeiten waren in mehr als 60 Einzelausstellungen und zahlreichen Gemeinschaftsausstellungen rund um die Welt zu sehen. Museen, Kommunen, Institutionen  des In- und Auslands kauften seine Arbeiten. Eine besondere Auszeichnung war der Ankauf von drei Plastiken des Künstlers durch das Design-Center in Tokio.

Die Stadt Hirschberg verlieh Siegbert Amler 1998 die Ehrenmedaille, das Land Niedersachsen 2006 den Kulturpreis Schlesien des Landes Niedersachsen und die Bundesrepublik Deutschland 2010 den Verdienstorden am Bande. Das Museum Ostdeutsche Heimatstube Bad Zwischenahn würdigt Siegbert Amler im Rahmen der Serie „Kunstobjekt des Monats“ im Januar 2011 mit einer kleinen Ausstellung.

Idis B. Hartmann (KK)

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