Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1370.

Beheimatung

Ein sperriges Wort für eine nicht minder mühsame Arbeit an einem gefeierten Produkt: Siedlung der Siebenbürger Sachsen in Drabenderhöhe

„Die Siebenbürger-Sachsen-Siedlung in Drabenderhöhe wird seit ihrer Gründung immer wieder als ein gelungenes Beispiel von Beheimatung der Siebenbürgen Sachsen ohne Aufgabe der Identität betrachtet“, betonte Herta Daniel, die Bundesvorsitzende des Verbandes der Siebenbürger Sachsen, anlässlich des Festaktes zu 50 Jahren seit der Einweihung der Siebenbürger-Sachsen-Siedlung in Drabenderhöhe im Kulturhaus Drabenderhöhe.

Ein paar Tausend Besucher von nah und fern nahmen an den dreitägigen Jubiläums-Veranstaltungen teil, die Enni Janesch, die Vorsitzende der Kreisgruppe Drabenderhöhe des Verbandes, gemeinsam mit den regionalen Vereinen und Kulturgruppen organisiert und bestritten hat. Ebenfalls seit einem halben Jahrhundert bestehen auch die Kreisgruppe Drabenderhöhe des Verbandes der Siebenbürger Sachsen mit den Nachbarschaften, das Blasorchester Siebenbürgen-Drabenderhöhe, der Honterus-Chor, der Frauenverein, das Altenheim und der evangelische Kindergarten.

Wie viele ländliche Orte ist auch Drabenderhöhe vom demographischen Wandel seite-03-kk1370betroffen. Doch beim diesjährigen Geburtstagsfest der Siedlung war einmal mehr zu erkennen, dass die siebenbürgisch-sächsische Gemeinschaft und Kultur hier begeistert fortgeführt wird. Seite an Seite tanzten, sangen und musizierten Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Viele trugen stolz die traditionelle Tracht. Gemeinsam bestritten sie ein abwechslungsreiches Programm, das mit dem „Abend des Dorfes“ im Festzelt eingeleitet wurde. Bei dieser Gelegenheit brachte der Männergesangverein zusammen mit dem Frauen- und Honterus-Chor Lieder wie „Heimat“ und „Wahre Freundschaft“ zu Gehör. Die Chöre wurden durch das Blasorchester Siebenbürgen-Drabenderhöhe unter der Leitung ihres neuen Dirigenten Michael Schumacher begleitet.

Viele Landsleute und Freunde der Siebenbürger-Sachsen sowie Vertreter der ersten Familien, die 1966 ihre Häuser im Wiehler Stadtteil Drabenderhöhe bezogen hatten, waren bei der Jubiläumsfeier dabei. Grußworte und Ansprachen boten Rainer Schmeltzer, Minister für Arbeit, Integration und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen, Herta Daniel, die Bundesvorsitzende des Verbandes der Siebenbürger Sachsen, Rainer Lehni, Landesvorsitzender der Siebenbürger Sachsen NRW, und Ovidiu Cretu, Bürgermeister der Stadt Bistritz/Rumänien. Der Schirmherr der Jubiläumsveranstaltung, Minister Rainer Schmeltzer, erinnerte in seinem Grußwort daran, dass die größte geschlossene siebenbürgische Siedlung Drabenderhöhe weltweit zwar vor 50 Jahren nur als ein Experiment startete, sich aber zum Symbol für das Ankommen und das Zusammenwachsen der Aussiedler und Vertriebenen mit der einheimischen Bevölkerung entwickelte. Es sei schön, so Minister Schmeltzer, dass die 50-Jahr-Feier der Siebenbürger Sachsen im Jahr des 70. Geburtstags von NRW stattfindet.

Herta Daniel verwendete absichtlich den Begriff „Beheimatung“ und nicht „Integration“, seite-04-kk1370da Integration eher auf die Zuwanderer aus anderen Kulturkreisen und Religionen zutrifft. Fakt ist, dass die Vertriebenen und Aussiedler gemäß Grundgesetz Artikel 116 Deutsche sind und ihnen deshalb aufgrund der Muttersprache, der Religion und der Werte die Beheimatung in der deutschen Gesellschaft leichtgefallen ist. Die Bundesvorsitzende überreichte Enni Janesch, der Vorsitzenden der Kreisgruppe Drabenderhöhe des Verbandes der Siebenbürger Sachsen, eine Ehrenurkunde für die herausragenden Leistungen der Siebenbürger-Sachsen-Siedlung in Drabenderhöhe.

Der aus dem Nösnerland in Siebenbürgen angereiste Bistritzer Bürgermeister Ovidiu Cretu ist erfreut, dass es in der Siedlung beste Voraussetzungen dafür gab und gibt, damit die aus Rumänien stammende Volksgruppe ihr Gemeinschaftsleben, ihre Kultur und ihren Glauben pflegen kann. Übrigens wurde im Januar 2014 der Siebenbürgisch-Deutsch-Rumänische Freundeskreis Wiehl–Bistritz gegründet. Im August 2015 unterzeichneten die Bürgermeister beider Städte einen Partnerschaftsvertrag.

Enni Janesch hob in ihrer Rede einige Meilensteine aus der Geschichte der Siedlung hervor und erinnerte an das Engagement von Persönlichkeiten des politischen, sozialen und kulturellen Lebens. Begonnen hat die „Erfolgsgeschichte“ mit den guten Erfahrungen der Siedlungen in Herten-Langenbochum, Oberhausen und Setterich. Der Landesverband hat sich auf die Suche nach einem Ort für eine große geschlossene Siedlung gemacht und im November 1961 den gewünschten ländlichen Raum in Drabenderhöhe bei Wiehl gefunden. Erwähnung fand u. a. der frühere nordrhein-westfälische Arbeits- und Sozialminister und zugleich „Patenminister“ des Verbandes der Siebenbürger Sachsen in Deutschland e. V., Konrad Grundmann (geboren 1925 in Krefeld, verstorben ebenda 2009). Unvergessen bleibt sein Leitsatz, demzufolge man die Wohnsiedlung „mit kühlem Kopf und heißem Herzen bauen“ sollte. Enni Janesch erntete viel Applaus, als sie die Worte von Robert Gassner, dem „Vater der Siedlung“, zitierte: „Wir sind daheim, und wir fühlen uns daheim. Wir sind angekommen, um zu bleiben.“

Die Drabenderhöher Spatzen, das Akkordeon-Orchester Drabenderhöhe–Bergisches Land, die Siebenbürger Volkstanzgruppe und der Honterus-Chor umrahmten die Feierstunde im Kulturhaus. Im Festzelt fand das traditionelle Treffen der Vereinigten Trachtenkapellen aus Nordrhein-Westfalen und Wolfsburg statt, zu dem auch Vertreter der siebenbürgischen Blaskapellen aus Elixhausen und Munderfing/Österreich angereist waren. Zum Abschluss des Jubiläumsfestes gab es einen bunten Festzug durch das Dorf unter Mitwirkung der dörflichen Vereine, der Musikkapellen sowie der Trachtengruppen.

Im Kulturhaus war eine Dokumentarschau zur Siedlungsgeschichte zu sehen, in deren Rahmen sich die Kreisgruppe, der Adele-Zay-Verein, das Blasorchester, der Frauenverein, der Honterus-Chor und der evangelische Kindergarten neben anderen Ortsvereinen präsentierten. Im Alten- und Pflegeheim Haus Siebenbürgen wurde die Fotoausstellung „Menschen der Diakonie – Blicke in den Hinterhof Rumäniens“ eröffnet. Der Fotograf Martin Eichler zeigt ausdrucksstarke Porträts von Betreuten und Betreuern, die in Einrichtungen der Diakonie leben.

Dieter Göllner (KK)

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