Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
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Ausgaben: Ausgabe 1309.

Beten gerade mit denen, die es nicht können

Der Prager Weihbischof Václav Maly in München

In schlichtem Anzug und offenem Hemd sitzt Václav Maly im Tschechischen Zentrum von München, wo er auf Einladung  der Ackermann-Gemeinde nach der Begrüßung durch den tschechischen Generalkonsul Josef Hlobil über seinen Kampf für die Menschenrechte spricht. Der Weihbischof von Prag könnte, wie seine Freunde aus der tschechischen Dissidentenszene, Politiker sein. Er hat darauf verzichtet, weil er nach zwölfjährigem Berufsverbot nach der Wende endlich Pfarrer werden wollte. Vorher war er – wenn nicht gerade in Haft – Heizer in einem Prager Hotel, Hilfsarbeiter bei der U-Bahn oder sogar Toilettenmann. Heimlich feierte er in seinem Zimmerchen die heilige Messe. Und das alles, weil er zu den Unterzeichnern der Charta 77 gehörte und zeitweise Sprecher der tschechischen Dissidenten war. 1996 wurde er zum Weihbischof ernannt.

Maly wurde international bekannt, weil er 1989 ein mögliches Blutvergießen auf dem Wenzelsplatz  vermeiden half, indem er dort ungefähr eine Millionen Menschen zur Ruhe brachte. Spontan fiel ihm ein, alle aufzufordern, mit ihm das Vaterunser zu beten. Viele konnten es nicht, sondern bewegten, wie die Fernsehbilder verrieten, nur ihre Lippen. Aber die Botschaft kam an. Maly wurde von da an der „Moderator“ der „samtenen Revolution“ in der Tschechoslowakei.

Als Vorsitzender der Kommission „Justitia et Pax“ der Tschechischen Bischofskonferenz setzt er sich nicht nur in seiner Heimat für die Menschenrechte ein. „Natürlich nicht im Auftrag meiner Bischofskonferenz“, wie er betont, fliegt Maly jährlich zwei bis drei Mal in von Diktatoren beherrschte Länder. So war er in China, wo er den noch immer verhafteten Friedensnobelpreisträger Liu Xiaobo traf, in Kuba, Irak, Iran, Transnistrien und Weißrußland, dem seine besondere Aufmerksamkeit gilt. Lukaschenko, dem „orthodoxen Atheisten“, versucht er nahezubringen,  was eine „Zivilgesellschaft“ ist.

Mit Diktatoren allgemein über Menschenrechte zu sprechen hat nach Meinung von Maly keinen Sinn. Er selbst nennt ihnen jeweils drei Namen von Verhafteten und bittet um ihre Freilassung, um Heimkehr zu ihren Familien. Eine gesunde Familie ist für Maly der Schlüssel zu einer funktionierenden und gesunden Gesellschaft. Das Familienleben der Muslime sei vorbildlich. Im Umgang mit Diktatoren müsse man konkret sein, um etwas zu erreichen. Besuche in den entsprechenden Staaten und viele Briefe an die „Mächtigen“ empfiehlt der Weihbischof.

Der Prager Priester erntet für seinen internationalen Einsatz im Dienst an den Menschenrechten bei seinen westlichen bischöflichen Mitbrüdern nicht nur Verständnis. „Aber wir wissen, was eine Diktatur ist und wie man mit Diktatoren umgehen muß, wir können authentisches Zeugnis geben.“

Bei seinen eigenen Landsleuten sei die kommunistische Ideologie noch latent vorhanden. „Die Leute erwarten immer noch alles von oben.“ Maly möchte, daß in Tschechien mehr über die Fehler der Vergangenheit gesprochen wird, das Unrecht auch an den Sudetendeutschen sei noch nicht bewältigt, die Schuldigen gingen straflos aus. Der KGB, der auch ihn einst blutig geschlagen hat, arbeite weiter und bereue nichts. Gruppierungen, die sich für die christlichen Werte einsetzen, müßten mehr unterstützt werden. „Die Minderheit trägt die Mehrheit.“

Norbert Matern (KK)

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