Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1236.

Bilder des „zehnfach interessanten Landes“

Tausendfach gesammelt: Albrecht Haselbachs Schlesien-Fundus wird in Regensburg und Görlitz aufbereitet und gezeigt

Fasziniert von der kulturellen Energie, die über Jahrhunderte von seiner Heimat im heutigen Polen ausging, erwarb Albrecht Haselbach (1892–1979), Brauereibesitzer in Namslau, Anfang der 1940er Jahre eine einzigartige Sammlung von über 4000 Kupferstichen, Radierungen, Lithographien, Druckgraphiken und Zeichnungen. Die im Kunstforum Ostdeutsche Galerie Regensburg und im Schlesischen Museum zu Görlitz aufbewahrten Sammlungsbestände wurden jetzt erstmals im Rahmen einer deutsch-polnischen Kooperation mit dem Herder-Institut in Marburg und dem Architekturmuseum in Breslau vollständig dokumentiert und digital zusammengeführt.

Ausgewählte Einzelblätter werden in diesem Frühjahr in einer faszinierenden Doppelausstellung zu sehen sein: Den Auftakt macht am 30. März 2007 das Schlesische Museum zu Görlitz. Die Ausstellung lädt bis zum 3. Juni ein zu „Zeit-Reisen“ in eine reiche Kulturlandschaft im Herzen Europas, die seit Jahrhunderten Künstler sowie Reisende auf der Suche nach Erholung, Erbauung und Vergnügen anzieht. Zwei Tage später, am 1. April, eröffnet das Kunstforum Ostdeutsche Galerie Regensburg die Ausstellung „Archiv der Sehnsucht“. In Stadtansichten und Landschaftsbildern, frühen Industriepanoramen und Riesengebirgsidyllen läßt es bis zum 28. Mai das alte Schlesien als Künstlerutopie und Ort der Sehnsucht neu entdecken. Die Görlitzer Ausstellung wird ab Sommer 2007 in Kattowitz, Breslau und Marburg zu sehen sein.

Dr. Ulrike Lorenz, die Direktorin des Kunstforums Ostdeutsche Galerie, stellt das Vorhaben in den programmatischen Kontext: „Seit ihrer Gründung ist die Stiftung Kunstforum Ostdeutsche Galerie zentrales Archiv der Sammlung Haselbach. Indem es gelungen ist, sie über Ländergrenzen hinweg gemeinsam aufzuarbeiten, steht der Wissenschaft und dem Publikum ein lebendiges, europäisches Erbe gegenüber.“

Dr. Johanna Brade, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Schlesischen Museum zu Görlitz und Kuratorin der Ausstellung „Zeit-Reisen“, sekundiert: „Mit der Graphik-Sammlung Haselbach liegt ein unschätzbarer Fundus zur Landeskunde, Kunst- und Kulturgeschichte Schlesiens vor. Nirgendwo sonst finden sich in solcher Dichte Bildquellen zur Topographie Schlesiens.“

Das im vorigen Jahr neueröffnete Schlesische Museum zu Görlitz erhielt 2004 rund 890 Graphiken aus der Sammlung als Dauerleihgabe. Das Kunstforum Ostdeutsche Galerie bewahrt schon seit den 1970er Jahren mehr als 3000 Blätter der Sammlung Haselbach auf. 1983 zeigte es mit Ansichten von Breslau die letzte Ausstellung in Deutschland aus dem eigenen Sammlungsbestand. Weitere Regensburger Ausstellungen fanden 1972 und 1973 statt.

„Unsere neue Regensburger Ausstellung, mit der wir ein wichtiges Kapitel der Sammlungsgeschichte unseres eigenen Hauses beleuchten, spielt bewußt mit dem latenten Widerspruch von Archiv und Sehnsucht: Aus der Sehnsucht eines Sammlers, sich seiner Heimat zu versichern, entstand ein riesiges kunst- und kulturhistorisches Bildarchiv, das wir heute für die Forschung und Denkmalpflege in Deutschland und Polen erschlossen haben“, erläutert Dr. Lorenz. Thematische Schwerpunkte bilden Darstellungen des Riesengebirges als Reiselandschaft und Künstlertopos, markante Künstlerpersönlichkeiten wie Ludwig Richter oder Christoph Nathe sowie oberschlesische Industrielandschaften aus der Biedermeierzeit und Ansichten der Kulturmetropole Breslau.

Das Schlesische Museum möchte dazu beitragen, die schlesische Bilderwelt als ein gemeinsames kulturelles Erbe für Deutsche und Polen zu erschließen. Dr. Brade umreißt die Thematik: „Die Ansichten führen uns in einem chronologisch-kulturgeschichtlichen Rundgang in eine faszinierende Welt romantischer Gebirgslandschaften, stolzer Städte und früher Industriehochburgen. Sie zeigen die vielfältigen ‚Entdeckungen‘ Schlesiens durch Künstler, Stecher und Verlage vor allem mit dem Beginn des Tourismus im 19. Jahrhundert. Vor den Augen des Betrachters entfaltet sich ein bunter Bilderbogen, der den Reiz des schon von Goethe als ‚zehnfach interessantes Land‘ gerühmten Schlesiens für den heutigen Touristen wieder zum Leben erweckt.“

Zur Ausstellung haben das Herder-Institut Marburg, das Kunstforum Ostdeutsche Galerie Regensburg, das Muzeum Architektury we Wroclawiu / Breslauer Architekturmuseum und das Schlesische Museum zu Görlitz einen zweisprachigen  Katalog herausgegeben: „Zeit-Reisen. Historische Schlesien-Ansichten aus der Graphiksammlung Haselbach“ mit Beiträgen von Angelika Marsch, Johanna Brade, Diana Codogni-Lancucka, Arno Herzig und Henryk Waniek. Verlag und Vertrieb in Deutschland und Westeuropa sowie im Rahmen der Ausstellung besorgt das Herder-Institut, Gisonenweg 5–7, D-35037 Marburg. Zu bestellen ist er auch über das Kunstforum Ostdeutsche Galerie.

(KK)

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