Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1359.

Bruderklöster auch ohne Klosterbrüder

Jubiläum der Benediktinerklöster in Zwiefalten und im tschechischen Kladruby/Kladrau in Westböhmen

Zwiefalten-200px900 Jahre alt wurden in diesem Jahr die früheren Benediktinerklöster in Zwiefalten und im tschechischen Kladrau. Dem Zwiefalter Geschichtsverein ist nun der Brückenschlag ins Nachbarland gelungen.

Dem Auftakt des Ausstellungs- und Musikprojekts „900 Jahre Benediktinerklöster Zwiefalten und Kladruby/Kladrau in Westböhmen 1115–2015“ mit dem fünften Konzert mit Werken von Ernest Weinrauch im Zwiefalter Münster am 24. Mai vergangenen Jahres folgte nun als besonderer Höhepunkt in der Kladrauer Klosterkirche die Wiederholung dieses Konzerts. Obwohl die dargebotenen Werke mit Psalmen, unter anderem „Miserere“ (Ps. 51), „Beatus vir“ (Ps. 112), sowie marianischen Antiphonen wie dem „Salve regina“ und „Ave regina coelorum“ für die zahlreichen Besucher aus Kladrau und Umgebung sowie aus der benachbarten Oberpfalz musikalisches Neuland waren, fanden sie großen Gefallen daran. Lang anhaltender Beifall belohnte die Ausführenden Jeanette Bühler (Sopran), Sabine Schilling (Alt), Tomás Korínek (Tenor), Jaromír Nosek (Bass), den Ernest-Weinrauch-Chor aus Zwiefalten und La Tessoualle sowie das Symphonische Orchester des Konservatoriums Pilsen und die am Pult wirkenden Jörg Sommer und Jiri Štrunc.

Der Regensburger Bischof Dr. Rudolf Voderholzer, dessen familiäre Wurzeln in Kladrau liegen, ließ es sich nicht nehmen, dem Konzert beizuwohnen und danach einen Gang durch die Ausstellung in der ehemaligen Kladrauer Lateinschule zu unternehmen. Er erinnerte daran, dass die Gründungslegende von Kloster Kladrau auf den heiligen Wolfgang zurückgeht, der wahrscheinlich aus Pfullingen stammte. Von dem Heiligen habe er zum ersten Mal von seiner Mutter gehört. Wolfgang hatte auf seinem Weg nach Prag im Wald bei einer Gruppe von Waldarbeitern Rast gemacht. Er schnitzte aus einem gefällten Baum ein Kreuz, rammte es in die Erde und verhieß, an jener Stelle werde einmal der Hochaltar einer großen Kirche stehen. Die Kirche des 1115 gegründeten Klosters Kladrau sei als Erfüllung dieser Verheißung zu sehen. Auch habe seine Mutter ihm gesagt, dass ohne die Zwiefalter Mönche das Kloster Kladrau nicht hätte entstehen können.

Kladruby-200pxEine Woche des Kennenlernens der böhmischen Landschaft mit Prag, Pilsen und Umgebung und ihrer Geschichte und einem großartigen Konzert mit geistlicher Musik aus Zwiefalten liegt hinter den Mitgliedern des Ernest-Weinrauch-Chors. Voller Eindrücke kehrten die Beteiligten nach Zwiefalten, Riedlingen und Frankreich zurück. Bettina Eppler, der Leiterin der Fachgruppe Musikpflege im Geschichtsverein, dankten sie mit einem speziellen „Weinrauch-Noten-Backwerk“ für ihre exzellente Organisation der Konzertreise ins Böhmische.

Im September kommt die Ausstellung nach Zwiefalten und wird am 27. September nach dem Pontifikalamt mit Bischof Dr. Gebhard Fürst zur 250-Jahr-Feier der Zwiefalter Münsterweihe eröffnet. Bei der Messe wird wieder Musik von Pater Ernest Weinrauch erklingen. Auch Schüler der beteiligten Schulen machten sich künstlerisch in einem Wettbewerb Gedanken über die Verbindung zwischen den Ländern und Kommunen.

Rainer Christoph aus Altenstadt, der Vorsitzende des Oberpfälzer Fördervereins Goldene Straße, der das Projekt seit Jahren mit viel Herzblut begleitet und unterstützt, kündigte an, er plane in Zusammenarbeit mit dem Bayerisch-Böhmischen Kulturzentrum Schönsee, mit einem Bus nach Zwiefalten zu kommen. Mehr Informationen und Bilder gibt es im Internet unter www.goldene-strasse.de.

Die Oberpfälzer sind in Kladrau zu „begeisterten Fans“ der Musik Ernest Weinrauchs geworden. Natürlich versuchen sie eine Reihe von tschechischen Nachbarn mitzubringen. Hubertus-Jörg Riedlinger, Vorsitzender des Geschichtsvereins, kommentierte diese erfreuliche Entwicklung: „Pater Ernest Weinrauch und die letzten Äbte von Kladrau und Zwiefalten, Amandus Streer und Gregor Weinemer, sehen heut von oben gewiss mit Wohlgefallen auf uns.“

Der Wunsch des vor Jahren verstorbenen Monsignore Jaroslav Kubovec, Pfarrer von Dürrenwaldstetten, Upflamör und Mörsingen, an den früheren Zwiefalter Bürgermeister wurde damit erfüllt. Von tiefer Sehnsucht nach seiner Heimat geprägt, bat er „die historische Verbindung der Klosterorte Kladrau und Zwiefalten nach dem Fall des Eisernen Vorhangs wieder aufleben zu lassen“.

eb (KK)

«

»