Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1313.

Bücher, Medien, Veranstaltungen

Kommen und Gehen, historisch, menschlich und unmenschlich

Zeitzeugen und ihre Erinnerungen sind aus zeithistorischen Ausstellungen gegenwärtig kaum mehr wegzudenken – gleichzeitig wird dieser subjektive Zugang zur Geschichte kritisch hinterfragt. Die Tagung „Zeitzeugen im Museum“ vom 12. bis zum 14. Oktober 2011 in Görlitz untersuchte die Rolle und Funktion des Zeitzeugen am Beispiel von Museen und Ausstellungen zur Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa. Themen waren u.a. theoretische und methodische Grundlagen der Einbeziehung von Zeitzeugen in museale Kontexte, Authentizität und Repräsentativität der individuellen Erinnerung sowie das Rezeptionsverhalten der Museumsbesucher. Auch die Figur des Zeitzeugen in zeithistorischen Museen außerhalb Deutschlands wurde berücksichtigt. Ergänzend präsentierte Theodor Buhl in einer öffentlichen Lesung aus dem Roman „Winnetou August“ seine literarische Verarbeitung des Erlebnisses von Flucht und Vertreibung.

Im Rahmen der Tagung wurde auch die Thematik „Zeitzeugen“ in der Förderung des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) vorgestellt. Die aktuelle Sonderausstellung „Lebenswege ins Ungewisse“ bietet die Möglichkeit einer Begegnung mit Zeitzeugen und ihren Erinnerungsberichten am Tagungsort im Schlesischen Museum zu Görlitz. Die Tagung des Bundesinstituts für Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa, Oldenburg, und des Schlesischen Museums zu Görlitz steht im Kontext des Dokumentationsprojekts „Zeitzeugenberichte zur Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa“ (s. https://www.bkge.de/43010.html). Die Ausstellung „Lebenswege ins Ungewisse“ über Migration in Görlitz–Zgorzelec von 1933 bis heute im Schlesischen Museum zu Görlitz (noch bis 25. März 2012) ist zugleich ein Beitrag des Görlitzer Museums und des Muzeum Luzyckie in Zgorzelec zur 3. Sächsischen Landesausstellung 2011, „via regia“.

Sie beschäftigt sich mit dem Kommen und Gehen der Menschen: Meist erzwungen, manchmal freiwillig, bestimmte es das Leben in der deutsch-polnischen Doppelstadt an der Neiße in der jüngsten Vergangenheit. In „Lebenswege ins Ungewisse“ kommen Deutsche und Polen zu Wort. Die mediale Inszenierung ihrer Interviews, persönliche Erinnerungsstücke und Dokumentationen lassen ein lebendiges Panorama deutsch-polnischer Zeitgeschichte an der Neiße entstehen. Mit bislang fast 20000 Besuchern hat die Ausstellung große Resonanz gefunden. Eintragungen im Besucherbuch heben vor allem die emotional berührende und gedanklich anregende Begegnung mit den Zeitzeugen hervor. „Eine exzellent gemachte Ausstellung, die tiefe Einblicke und Verstehen ermöglicht!“ lautet eine Eintragung in das Besucherbuch. Der gleichnamige Begleitband zur Ausstellung (21,80 Euro) enthält 23 Lebensgeschichten, Text- und Bilddokumentationen über Görlitz–Zgorzelec sowie künstlerische Bildmontagen.

(KK)

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