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Ausgaben: Ausgabe 1320.

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Der Riß im Leben zieht sich ins Gedicht

Das tragische Dichterschicksal Georg Hoprichs (1938–1969), der mit 30 Jahren den Tod wählte, schwebt über dieser postumen Auswahl.

Als Student kurz vor dem Abschluß des Germanistik- und Rumänistikstudiums in Bukarest wurde er 1961 vom rumänischen Geheimdienst Securitate in einem Schauprozeß aus politischen Gründen zu fünf Jahren Haft verurteilt. Drei davon arbeitete er unter schwierigsten Bedingungen in der Baragan-Steppe ab, bevor er, gezeichnet und zutiefst verunsichert, entlassen wurde. Danach zog er zu seiner Braut, einer Lehrerin, die die ganze Gefängniszeit tapfer zu ihm gestanden hatte, und versuchte wieder Fuß zu fassen. Als Lehrer durfte er aus politischen Gründen nicht arbeiten, nur als Sekretär in der Schule. Von seinen beiden Kindern starb eines früh und vertiefte seine Schwermut, die ihn dann schließlich mit 30 Jahren in den Selbstmord stürzte.

Doch nicht diese erschütternde Dramatik allein veranlaßte den Herausgeber Bertram Reinecke, diesen Gedichtband in seinem Verlag zu veröffentlichen, sondern vor allem ihr ästhetischer Stellenwert in der fünften deutschen Literatur, der der Rumäniendeutschen. In seinem Essay, als Nachwort gedacht, „Hoprich lesen“, erläutert er sein Konzept. Die von ihm ausgewählten Texte sollen vermeiden helfen, daß Georg Hoprichs Werk auf ein Dokument der poststalinistischen Zwangsverhältnisse reduziert wird. Das würde Georg Hoprichs Lebens- und Schreibensgefühl einseitig trist und düster einfärben, dabei besaß er durchaus die Kraft, Erschütterungen und Verletzungen zu begegnen und auch im Gedicht zu widerstehen: „Rühmend unsere frischen Narben / oder glühend Wort und Kuss, / sonderst du die lichten Farben, / wölbst zum Bild die weiße Brust. / In den Wellen grüner Stunden / teilen wir den stillen Fluß, / herrlich schließen sich die Wunden.“

Reinecke setzt die verdienstvolle Arbeit Stefan Sienerths fort, der schon 1983 mit großem persönlichen Risiko in Bukarest den ersten Gedichtband Georg Hoprichs, „Gedichte“, herausgebracht hat. Sienerth gelang trotz schwieriger Umstände ein erstaunlich komplexes Bild des Dichters. Hier knüpft Reinecke an und versucht dies mit Hilfe der Analyse einzelner Gedichtpassagen zu vertiefen. Vor allem erklärt Reinecke die von Georg Hoprich öfter angewendete Methode des literarischen „Risses“. Damit meint Reinecke gewissermaßen die Schnittstelle, die einen absichtsvollen Mißklang heraufbeschwört, der über die konventionelle Sprechweise hinausgeht. Im Gedicht „Die Schlafenden“ macht Reinecke dies an der ersten Strophe fest: „Sie wollten weinen oder lachen, / doch da kam der Schlaf herbei. / In seiner Bodenlosigkeit, / im unfruchtbaren Ei des Daseins.“

Für diesen Interpretationsansatz sprechen auch die beiden in siebenbürgisch-sächsischer Mundart geschriebenen Gedichte „Des Nochts“ (Des Nachts) und „De Wegd äs olt“ (Die Weide ist alt), beide von Klaus F. Schneider im Anhang ins Hochdeutsche übersetzt. Selbst in der heimelig vertrauten Mundart bleibt Hoprich abgründig. Diese auch heute noch durchaus modernen Gestaltungsmittel machen die von Reinecke ausgewählten Gedichte Hoprichs für alle deutschsprachigen Leser zu einem Erlebnis. Es ist Reinecke gelungen, einen Zugang zu der auf den zweiten Blick viel komplexeren Dimension des Hoprichschen Sprachkosmos zu eröffnen.

Ingmar Brantsch (KK)

Georg Hoprich: Bäuchlings legt sich der Himmel. Gedichte. Reinecke & Voß Verlag, Leipzig 2011, 108 Seiten, 10 Euro

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