Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1324.

Bücher, Medien, Veranstaltungen

Zuverlässiges Material, nur lernen muß man selber

Zu den Publikationsreihen, die der breiten Öffentlichkeit weniger bekannt sind, doch insbesondere im pädagogischen Umfeld sehr geschätzt werden, gehören die „Informationen zur politischen Bildung“. Herausgeber ist die Bundeszentrale für politische Bildung in Bonn. Nun ist im Sommer 2011 das Heft 311 mit dem Titel „Polen“ erschienen.

Seit Mitte der 1950er Jahre erscheint diese Reihe, heute vierteljährlich. Im Herbst 1970, eine vertragliche Regelung zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Volksrepublik Polen war in Vorbereitung, kamen die Hefte 142 und 143 „Deutsche und Polen“ heraus. Zwei Historiker waren die Verfasser, der Text war eine historische Darstellung in chronologischer Abfolge. Insoweit war dieses Heft eher eine polnische Nationalgeschichte, die freilich der engen Wechselwirkung mit dem deutschen Nachbarn stark zugewandt war. Doch bis heute sind Kenntnisse über Polens Staatsgeschichte in Deutschland nicht so ausgeprägt, wie es durch die Lektüre dieser – und anderer – fundierten Grundlagen möglich wäre. Die Ausgabe von 1970 wurde 1972, 1977, 1985 und letztmalig 1991 überarbeitet herausgegeben. Somit sind über eine Million Hefte in den Umlauf gekommen.

Ende des Jahres 2001 erschien dann die neue Themenausgabe „Polen“ (Heft 273) mit einer Auflage von 920000 Exemplaren. Zehn Jahre war sie somit verfügbar, bis sie nun von der neuen Ausgabe (700000 Stück Druckauflage) abgelöst wird. Was unterscheidet die beiden Hefte? Die thematische Gliederung ist weitgehend gleich geblieben. Einzig die letzten Kapitel wurden nun zusammengefaßt. Aspekte der polnischen Außenpolitik, des Weges in die EU und der Beziehungen zu Deutschland lassen sich heute sinnvoll unter „Polens Politik in der internationalen Politik“ verschmelzen. Die meisten Kapitel wurden aktualisiert. Die bewährten Autoren standen also immer noch zur Überarbeitung bereit.

Doch auch neue Akzente wurden gesetzt, wenn beispielsweise jetzt das Kapitel „Ausgestaltung der Demokratie“ von einem bis vor kurzem in Warschau tätigen deutschen Hochschullehrer neu geschrieben wurde. Es ist kein Wagnis, fast schon eine Selbstverständlichkeit im deutsch-polnischen Dialog, polnische Partner an Tagungen und Publikationen teilhaben zu lassen. Hier wurde ein polnischer Wirtschaftswissenschaftler gewonnen, dem deutschen Leser das  „Wirtschaftssystem und ordnungspolitische Prozesse seit 1990“ transparent darzustellen.

Dieses Heft dient ganz unterschiedlichen Informationsbedürfnissen. Ihm ist eine große Verbreitung und Nutzung zu wünschen. Die ursprünglich beabsichtigte bessere Vermittlungskompetenz von Lehrern allgemeinbildender Schulen ist in der Richtung einer Benutzung sowohl als Arbeitsmittel für Schüler als auch in der außerschulischen Erwachsenenbildung ergänzt worden. Soviel positiver Einschätzung steht aber die bittere Erkenntnis entgegen, daß an Schulen und Universitäten im Sinne eines Studium generale für Landeskunde europäischer Staaten insgesamt viel zu wenig Zeit aufgewandt wird. Es hängt auch an den Lehrplänen, es hängt an einem komplexen Stoff, aber es liegt auch an einem latenten Desinteresse in Deutschland, wenn solche gut gemachten Unterlagen nicht in vieler Hände sind. Auch ein Blick auf die Altersschichtung der Polenreisenden ohne familiären Hintergrund ist wenig ermutigend für die Nutzung und Wirkung solcher Publikationen. Politische Bildung ist eben auch und zuerst Selbststudium.

Stephan Kaiser (KK)

Polen. Informationen zur politischen Bildung. Heft 311. Zu beziehen bei der Bundeszentrale für politische Bildung – c/o: IBRo, Kastanienweg 1, 18184 Roggentin, Fax 03 82 04 / 6 62 73, bpb@ibro.de

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