Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1328.

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Die Immerwiederkehr der fünf wilden Schwäne

„Sing, sing, was geschah …“. Die schönsten Volkslieder aus Ostpreußen. Die CD kann für 12,90 Euro zzgl. Versandkosten bezogen werden über: www.cantorka.de, wk&F Vertrieb, Albert-Einstein-Str. 10, 87437 Kempten, Tel.: 0831-5125416, info@cantorka.de

Der Mythos Ostpreußen lebt. Und das nicht nur bei den Vertriebenen und einem Teil ihrer Nachkommen sowie bei den nach regionaler Identität suchenden jüngeren Generationen der heutigen russisch geprägten Einwohnerschaft im Norden des Landes. In den Wintermonaten vermag der rational kaum fassbare Zauber dieses Teils des historischen deutschen Ostens noch mehr auszustrahlen als zu anderen Jahreszeiten. Dann treten nicht nur die schmerzlichen Erinnerungen an den grausamen Heimatverlust im eisigen Winter 1944/45 ins Bewusstsein, sondern auch romantische Reminiszenzen an ein spärlich besiedeltes, landschaftlich überaus reizvolles Gebiet, das seinen Charakter aus einem naturnahen bäuerlichen Lebensstil einerseits und großen Kulturleistungen in den Städten andererseits gewann. Man denkt an Königsberger Marzipan, den Honiglikör Bärenfang, an urtümliche Elche und edle Trakehner-Pferde, an reichlich Schnee, Sagen und Volkslieder.

Letztere sind ein wichtiges Erbe des Sehnsuchtslandes Ostpreußen. Das „Ännchen von Tharau“ zählt bis heute zum musikalischen Allgemeingut, und Lieder wie „Zogen einst fünf wilde Schwäne“, „Es dunkelt schon in der Heide“ oder „Abends treten Elche aus den Dünen“ sind längst nicht nur gebürtigen Ostpreußen bekannt.

Um auch andere Volkslieder aus dem Land zwischen Memel und Masurischer Seenplatte einem breiteren Publikum zugänglich zu machen, ist kürzlich diese bemerkenswerte CD erschienen. Es handelt sich um eine von der in Kempten im Allgäu ansässigen Cantorka Liederwelt (www. cantorka.de) erstellte Neuauflage einer Auswahl von 29 Stücken, die die Musikantengilde Halver unter Leitung ihres Dirigenten Harald Falk in den Jahren 1969 bis 1984 für den Westdeutschen Rundfunk (WDR) aufgenommen hat. Darüber hinaus wirkte dieser Chor 1969/70 an der einzigartigen Schallplattendokumentation „Volkslieder aus den deutschen Vertreibungsgebieten“ mit. Der balladenhafte Gesang der Musikantengilde ist nicht nur der einzigartigen Liedkultur des Memellandes und Masurens eng verbunden, sondern unverkennbar auch den Traditionen der Jugendmusikbewegung um Fritz Jöde. Er überzeugt durch schöne Stimmen und schlichtes Musizieren mit Chorsätzen „voller Empfinden, nie sentimental und immer geschmackvoll“, wie Hans Hoffmann, langjähriger Solist des 1952 gegründeten Chores, im Booklet der CD schreibt. Der aus dem pommerschen Stettin stammende Dirigent Falk arbeitete regelmäßig für die bekannte WDR-Radioreihe „Alte und neue Heimat“, die er häufig selbst moderierte, und erwarb sich große Verdienste um die Pflege und Weiterentwicklung des Liedguts aus den historischen deutschen Ostprovinzen und Siedlungsgebieten.

Harald Falk starb 2008 im Alter von 94 Jahren. Die aktuelle Neuauflage der ostpreußischen Volksklieder seiner Musikantengilde hätte ihn sehr gefreut.

Martin Schmidt (KK)

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